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07. März 2019, 15:26 Uhr

Flugzeugspuren am Nachthimmel

Feuerwerk

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Der Fotograf Pete Mauney macht in seinen Bildern die Lande- und Startwege von Flugzeugen sichtbar, mit Langzeitbelichtung. Was so spektakulär aussieht, erfordert vor allem: Geduld.

Flugzeuge beim Starten und Landen zu beobachten, ist ein beliebtes Hobby - und sie zu fotografieren. Die sogenannten Planespotter sind daher immer auf der Suche nach dem optimalen Platz, der besten Ausrüstung und dem idealen Zeitpunkt dafür.

Für Pete Mauney ist dieser nachts. Der in Tivoli, New York, lebende Fotograf lichtet aber nicht die Flugzeuge selbst ab, sondern die Spuren, die ihre Lichter am dunklen Himmel hinterlassen. Durch Langzeitbelichtung macht er die Wege sichtbar, die sie beim Landeanflug und beim Abheben zurücklegen.

Als Mauney in der Highschool war, verbrachte er Stunden damit, Flugzeuge zu beobachten und deren Flugbahnen nachzuvollziehen. Auch heute noch begleitet ihn die Leidenschaft für dieses Verkehrsmittel. "Wenn ich mit der Welt und der Menschheit unzufrieden bin, liefert mir der Anblick von Flugzeugen den Beweis, wie gut wir zusammenarbeiten - und dass wir gemeinsam so etwas Erstaunliches und Komplexes schaffen können."

Als Fotograf hält Mauney die Leuchtspuren nun in Bildern fest. Seine Technik entwickelte er beim Fotografieren von Glühwürmchen. Mittlerweile lichtet er die Insekten im Sommer ab - und Flugzeuge im Winter.

Vorab recherchiert Mauney Flugzeiten und -strecken. Dann fährt er mit seiner rund hundert Kilogramm schweren Ausrüstung in die Nähe eines Flughafens, höchstens fünf Kilometer entfernt. So integriert er auch die Umgebung in seine Bilder, zeigt mal Häuser, einen Friedhofsbaum oder Schiffscontainer.

Der Fotograf lebt circa zwei Stunden von New York City entfernt, die meisten seiner Bilder entstehen daher rund um die drei internationalen Flughäfen der Stadt, John F. Kennedy, LaGuardia und Newark Liberty. Aber auch in Denver und Boston fotografierte er in Airport-Nähe.

Bis zu drei Kameras gleichzeitig nutzt Mauney für seine Himmelsfotos und wählt Belichtungszeiten zwischen 15 Minuten und 2,5 Stunden. Dadurch entstehen die Lichtstreifen auf seinen Fotos. Im Winter verbringt er viele Nächte draußen: Eine warme Jacke gehört daher zu seinem wichtigsten Equipment. Oft muss er auch mehrere Tage ausharren und auf das richtige Wetter mit einem möglichst wolkenlosen Himmel warten.

Die einzelnen Aufnahmen legt Mauney in der Nachbearbeitung am Computer übereinander. Das Ergebnis sei auch für ihn jedes Mal eine Überraschung: "Ich kann nur vage erraten, wie das Bild aussehen wird, bevor ich die Fotos zusammengefügt habe", sagt er. "Ich finde diesen letzten Offenbarungsmoment magisch."

Die entstandenen Kompositionen erinnern mal an Feuerwerke, dann wieder an Autobahnen. Sie wirken chaotisch, dann wieder wie ein Muster. Die Bilder zeigen, wie unterschiedlich die Flugbahnen der Maschinen an einem Flughafen verlaufen.

Auch wenn Mauney die Flugzeuge aus der Ferne faszinierend findet, steigt er nicht gern in eines ein: Seit seiner Kindheit hat er Angst vorm Fliegen. Ein bisschen hofft er, diese durch seine Fotos zu besiegen.

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