Ehemalige philippinische Partyinsel Boracay wieder für Besucher geöffnet

Präsident Rodrigo Duterte hatte Boracay eine "Kloake" genannt, sechs Monate lang war die Insel grundgereinigt worden. Nun dürfen Urlauber zurückkehren - müssen sich jedoch schriftlich zu mehr Rücksicht bekennen.

Willy's Rock auf Boracay
MARK R CRISTINO/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Willy's Rock auf Boracay


Philippinische Behörden haben die Insel Boracay wieder für Urlauber freigegeben. Vor sechs Monaten hatte Präsident Rodrigo Duterte sie noch als "Kloake" bezeichnet und persönlich ihre Sperrung angeordnet. Jetzt kehren zwar die Besucher zurück, zukünftig soll es jedoch auf der ehemaligen Partyinsel ruhiger zugehen: Die Behörden haben die Zahl der erlaubten Touristen auf 6000 pro Tag eingeschränkt.

Noch im vergangenen Jahr hatten über zwei Millionen Menschen Boracay besucht. Viele Hotels, Restaurants und Geschäfte sollen ihr Abwasser samt Fäkalien jahrelang einfach ins Meer geleitet haben. Müll wurde in der Nähe des Strandes abgelagert und Teile der Insel sind mit Wohnanlagen verbaut. Etwa 3400 Hotels sorgten für eine ständige Überlastung der Insel. Bänke, Kioske und andere Gebäude, die sich teilweise ohne Genehmigung ausgebreitet hatten, wurden vom Strand entfernt.

Während der Schließung wurden versteckte Abwasserrohre gefunden, die direkt in das Meer führten. Zwei Hotels waren ohne Genehmigung in Sumpfgebiete gebaut worden. In den Jahren des nahezu unkontrollierten Tourismus waren zahlreiche Vorfälle dieser Art ungeahndet geblieben. Nach der Schließung der Insel war ein Bürgermeister seines Amtes enthoben und gegen 16 Beamte Beschwerde erhoben worden.

Zerstörtes West Cove Hotel auf Boracay
AFP

Zerstörtes West Cove Hotel auf Boracay

Nun wurden Fluglinien angewiesen, weniger Flüge nach Boracay anzubieten. Derzeit sind alle Wassersportarten außer Schwimmen verboten. "Lasst uns die Insel wie unser Zuhause behandeln, sie sauber und unberührt lassen", sagte Tourismuschefin Berna Romulo-Puyat zur Begrüßung neuer Touristen. "Trinkt und raucht nicht an den Stränden und vermüllt sie nicht." Besucher sollen bei ihrer Ankunft eine Vereinbarung über Verhaltensregeln unterzeichnen.

Die deutsche Touristin Lora Hörhammer war eine der ersten Besucherinnen nach der Wiedereröffnung und unterstützt die Maßnahmen. "Es ist eine gute Sache, die ganze Umgebung mal zu schließen, damit sich die Natur einen Moment erholen kann und die Menschen überall aufräumen können", sagt sie. "Jeder kann zurückkommen und feststellen, dass es jetzt ein besserer Ort für alle ist."

Inselbewohner uneins über Schließung

Die Bewohner der Insel haben ambivalente Meinungen über die Schließung. "Es ist, als ob wir in die 1980er zurückgereist sind, als wir hier nicht mal Strom hatten", sagte Serekit Ambay. Sie hoffe, dass die Touristen nun zurückkämen und man wieder am Strand arbeiten dürfe.

Die lange Zeit ohne Besucher war eine schwere Phase für die Menschen, die vom Tourismus leben. Nach der Schließung der zahlreichen Hotels und Geschäfte haben viele Angestellte ihren Job verloren. Nur ein kleiner Teil der ehemals 20.000 Beschäftigten auf der Insel hat wieder einen Job erhalten. Einige Familien sollen die Insel verlassen haben.

Sonnenuntergang auf Boracay
JO HARESH TANODRA/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Sonnenuntergang auf Boracay

Andere Inselbewohner sind froh über die Maßnahmen. "Das Wetter ist gut und das Wasser so klar", sagt der 42 Jahre alte Hotelbetreiber Gil delos Santos. "Es ist, als hätte Boracay einen Neustart bekommen."

Ganz so überzeugt ist Eduardo Ano, der die Abteilung für Inneres und die lokale Verwaltung leitet, nicht. Sechs Monate seien seiner Ansicht nach zu wenig für eine komplette Instandsetzung der Insel, die laut eines Regierungsberichts durch den Menschenstrom und die Verwahrlosung in weniger als einem Jahrzehnt zu einer "toten Insel" geworden war. Es wird angenommen, dass auch auf anderen Inseln der Philippinen über Jahre ähnliche Verstöße gegen offizielle Richtlinien begangen worden sind und weitere Schließungen drohen könnten.

tip/AP/dpa



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