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Pazifikinsel Pitcairn: Das Paradies stirbt aus

Foto: C3463 Angela Merker/ dpa

Pitcairn im Südpazifik Trauminsel sucht Bewohner

Das Eiland Pitcairn ist ein Paradies. Aber der Insel gehen die Bewohner aus - obwohl es neuerdings sogar Internet gibt. Um Siedler zu werben, verschenkt die Regierung nun Land. Doch keiner möchte auf die Insel der "Bounty"-Meuterer.

Weiße Strände und kristallblaues Meer, ein Leben unter Palmen: Eigentlich ist Pitcairn ein Paradies. Nur dort leben will anscheinend niemand. Die kleine grüne Insel liegt mitten im Südpazifik, etwa 5000 Kilometer von Neuseeland im Osten und 5700 Kilometer von Südamerika im Westen entfernt.

Weniger als 50 Bewohner leben auf der gerade einmal 4,5 Quadratkilometer großen Insel - größtenteils Nachfahren der berühmt-berüchtigten Meuterer der "HMS Bounty" und ihrer polynesischen Frauen. Tendenz sinkend.

Die Bevölkerung schwindet seit Jahren, neue Siedler sind nicht in Sicht. Das will die Regierung der kleinsten britischen Kolonie ändern und lockt zivilisationsmüde Abenteurer nun mit einem kostenlosen Stück Land  - ohne Erfolg. Auch die niedrigen durchschnittlichen Lebenshaltungskosten pro Jahr von nur etwa 9500 Neuseeland-Dollar (etwa 6300 Euro) und Steuerfreiheit bringen keine neuen Bewohner. Nur eine Person überhaupt stellte in der Vergangenheit einen Antrag für einen Umzug nach Pitcairn, berichtet die britische Zeitung "Telegraph". 

Jetzt auch mit Internet

Doch die kleine Insel, die zu den letzten 14 britischen Überseegebieten gehört, hat noch andere Probleme. Arbeit gibt es kaum. Die Infrastruktur ist mangelhaft, das Warenangebot im einzigen Geschäft ist spärlich. Sie sind auf Hilfe vom Festland angewiesen. Auch der Tourismus kommt durch die isolierten Lage nicht in Schwung: Nur 870 Touristen haben sich 2012 nach Pitcairn verirrt.

Dabei bietet das einsame Pazifikparadies eine reichhaltige Pflanzen- und Tierwelt - der Pitcairnrohrsänger beispielsweise, eine Sperlingsart, ist nur hier zu finden. Die Landschaft der Insel ist von traumhaften Bergregenwäldern und tiefblauen Buchten gesäumt, es herrscht ganzjährig ein tropisches, aber nicht zu schwüles Klima zwischen 19 und 24 Grad Celsius vor. Besonders angenehm ist es zwischen August und November.

Die Insel wirke zwar wie in der Mitte von Nirgendwo, sagte Jacqui Christian, die Vertreterin von Pitcairn in Europa, dem "Telegraph". Aber wenn man einmal da sei, sei man mit der Welt verbunden wie überall - die Insel habe Elektrizität und jetzt auch Internet. "Es ist ein besonderer Ort, und es ist wunderbar, die Sterne ohne Luftverschmutzung zu sehen. Das Wasser ist so blau wie nirgends."

Fälle von Kindesmissbrauch

Doch es gibt auch eine dunkle Seite von Pitcairn. Fälle von Kindesmissbrauch kamen 2004 ans Licht, sechs Personen wurden zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Unter ihnen: Steve Christian, Bürgermeister der Insel und direkter Nachfahre von Fletcher Christian, dem Anführer der Meuterei auf der "Bounty".

Nach der Übernahme des Schiffs am 28. April 1789 ließen sich die acht britischen Seemänner unter Christians Führung zusammen mit 18 polynesischen Männern und Frauen auf Pitcairn nieder. Die Siedlung auf dem bis dahin unbewohnten tropischen Eiland ist auch die heutige Hauptstadt Adamstown - und nach wie vor einzige Stadt der Insel. Geschichtlich interessant ist Pitcairn aber noch aus einem anderen Grund: Im Jahr 1838 bekam die Kronkolonie als erster Ort der Welt das andauernde Frauenwahlrecht.

Heute ist die Zukunft der tropischen Insel ungewiss. Es scheint, als würde die Geschichte von Pitcairn seit fast 230 Jahren nur von Menschen bestimmt, die eigentlich lieber woanders wären.

cpo
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