Premiere der "Norwegian Breakaway" New York, New York!

Freizeitpark á la Coney Island, Kneipen wie im alten Harlem, Broadway-Musicals - die neue "Norwegian Breakaway" ist ein Schiff, das ganz einer Stadt gewidmet ist: New York. Der größte bislang in Deutschland gebaute Kreuzfahrtriese soll seinem künftigen Heimathafen Besucher bringen, seinen Gästen vor allem Spaß.

Meyer Werft / Ingrid Fiebak-Kremer

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Auf der holländischen Nordsee, mehr als 50 Meter über dem Meer, kommt es um kurz nach Mittag fast zum Eklat. Ein dünner Mann in Badehose - bei rund zehn Grad Celsius - hüpft im Fahrtwind schlotternd von einem Bein auf das andere und zerrt an seinem Ehering. "Seit 14 Jahren trage ich ihn", beklagt er sich weinerlich, "und nur für diese Rutsche soll ich ihn abnehmen?"

Bademeister Alvin Salvo verweist auf das Plakat mit den 13 Sicherheitsregeln, das einen deutlich durchgestrichenen Ring zeigt. Achtung Verletzungsgefahr! Der Deutsche gibt nach, hier gelten US-Regeln. Übergibt das Treuesymbol seinem Kumpel und stellt sich in die Glaskapsel. Salvo verriegelt die Tür.

"Drei-zwei-eins", zählt eine Computerstimme, und dem ringlosen Ehemann wird der Boden unter den Füßen weggerissen. Er verschwindet mit 60 km/h in einer poppig roten Röhre. "Free Fall"-Rutsche nennt man das hier auf der "Norwegian Breakaway". Der rote Magenverdreher ist einer von fünf im Aquapark des neuen Schiffes der US-Reederei Norwegian Cruise Line (NCL). Fast in Greifweite hangeln sich wärmer eingepackte Gefahrensucher durch einen Hochseilgarten, balancieren über Taue und Schwingbrücken, sausen an einem Seil an dem gigantischen Schornstein vorbei. Noch über ihnen auf einem Basketball-Spielfeld fliegen die Bälle Richtung Körbe.

Die peppig-bunten Freizeitparks auf den oberen Decks verlieren sich jedoch in den Dimensionen des 324 Meter langen und 18 Deck hohen Schiffes - wie ein kleines i-Tüpfelchen thronen Rutschen und Kletteranlage auf dem strahlend weißen Riesen. Ihre Farben finden sich lediglich im Pop-Art-Bild des New Yorker Künstlers Peter Max wieder, der eine gelb-grüne Miss Liberty auf den Bug projiziert hat. Erbaut allerdings wurde das US-Schiff, das in den nächsten Tagen den Atlantik queren wird, im nüchternen Papenburg, in der Meyer Werft. Und hat mit seinen 146.600 BRZ schon einen Rekord als das größte je in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff errungen.

Flair eines Herrenclubs

Wenn die bis zu 4000 Passagiere die Welt des Funparks hinter sich lassen und die Tür aufstoßen, entdecken sie eine andere Besonderheit: Die "Breakaway" ist ganz Big Apple gewidmet - dabei könnte schon die Spaßlandschaft auf den Außendecks für Coney Island stehen, den Vergnügungspark der New Yorker in Brooklyn. Im Inneren dominiert ganz das, was das Marketing "Classic New York Style" nennt: dunkle Holzpaneele, dunkles Leder, Leuchten im Art-déco-Stil der Zwanziger.

Und wo die 27 Restaurants, 22 Bars und Lounges nicht das Flair eines Herrenclubs verströmen, strahlen Säulen, Wände und Mobiliar in Creme oder Weiß. Elegant wirkt dies, wie in der Vintage-Serie "Mad Men", sehr zurückgenommen - und hat wenig Ähnlichkeit mit früheren, bunteren NCL-Schiffen. Manhattan-Fans fühlen sich an Hotels wie Crowne Plaza, Ritz Carlton oder Algonquin erinnert.

In seinem künftigen Heimathafen New York wird das Schiff am 8. Mai getauft, und der Bürgermeister der Stadt, Michael Bloomberg, freut sich über rund 140.000 zusätzliche Kreuzfahrtgäste im Jahr und die erwarteten Einnahmen. "Die 'Breakaway" wird auf der Höhe von Lower Manhattan anlegen. Dies wird das Viertel, das immer noch aufgebaut wird, zusätzlich beleben", sagt Evelyn Dathe von Tourismusvertretung von New York City.

Bei den US-Amerikanern selber kommt das neue NCL-Schiff schon vor seiner Taufe gut an: 60 Prozent der bisherigen Buchungen für die siebentägigen Fahrten nach Bermuda stammen laut der Reederei von Einwohnern aus New York und Umgebung. Ihnen wird nicht nur das Design, sondern auch das Bühnenprogramm aus drei Broadway-Shows wie "Rock of Ages" und die Jazz-und Blues-Klänge von Slam Allen im Fat Cats sehr vertraut vorkommen.

Schiff-im-Schiff-Konzept für Betuchtere

Wie eine Erweiterung der US-Metropole aufs Wasser wirkt die "Norwegian Breakaway". Und ist gleichzeitig mit ihren Freizeitangeboten und ihrer Route ein weiterer Schritt der Branche, ihre großen Schiffe als eigentliches Urlaubsziel zu konzipieren. Gerade erst hat Royal Caribbean Cruises für ihre 2014 geplante "Quantum of the Seas" eine schwebende Aussichtskugel, eine Autoscooter-Bahn und einen Windtunnel angekündigt. Kletterwände, Golfparcours, Surfanlagen können da schon bald nicht mehr als spektakulär gelten.

NCL kommt zudem - wie immer mehr Reedereien - mit seinem "Schiff im Schiff"-Konzept, dem abgetrennten Luxusbereich "The Haven" mit Pools, Lounge und Restaurant, dem Bedürfnis der US-Amerikaner nach Sicherheit entgegen. Prominente und Reiche, die sich die 6500 Dollar pro Person und Reise erlauben können, sind froh über Privatsphäre. Dennoch können sie sich von den Shows und Bühnenprogrammen unterhalten lassen, die auch den Gästen der Kabinen ab 779 Dollar zur Verfügung stehen.

Den Kreuzfahrern gefällt's - nach drastischen Buchungseinbrüchen durch etwa die "Costa Concordia"-Katastrophe schnellen die Zahlen immer wieder rasch nach oben. Und die Deutschen sind gern dabei: 2012 gingen 11,2 Prozent mehr auf Hochseekreuzfahrt, ein ähnlich hoher Zuwachs wie in den Vorjahren.

Zwar kommen Jahr für Jahr insgesamt weniger Neubauten auf den Markt. NCL aber hat in Papenburg nach der rund 900 Millionen Dollar teuren "Breakaway" bereits das Schwesterschiff "Getaway" in Bau. Für Oktober 2015 hat die Reederei die 163.000 BRZ große "Breakaway Plus" bestellt und hält eine Option für ein weiteres Schiff. Auch Royal Caribbean hat die "Quantum" und ihr Schwesterschiff "Anthem of the Seas" - beide 158.000 BRZ groß - bei der Meyer Werft in Auftrag gegeben.

Erbaut in Rekordzeit

Durchweg rosig ist die Lage bei dem Familienunternehmen dennoch zurzeit nicht. Anders als die Reedereien auf dem US-Markt gehen ihre deutschen Ableger und Kollegen woanders einkaufen - vor allem asiatische Werften konkurrieren mit Kampfpreisen. Sicher sind der Meyer Werft lediglich Aufträge bis 2015, wenn sich in den nächsten Wochen nicht neue Projekte festzurren lassen.

Chef Bernhard Meyer reagiert zunächst prophylaktisch mit Sparmaßnahmen, optimierten Produktionsabläufen und bietet Bauzeiten in Rekordnähe an: In 18 Monaten und damit sechs Monate schneller als bisher bei Prototypen möglich, war die "Breakaway" fertig. Trotz der Herausforderungen, die der bunte Aquapark auf Deck 15 und 16 an die Ingenieure und Statiker stellte.

"Immerhin haben wir hier viele Tonnen an Wasser ganz oben im Schiff", sagt Stephan Schmees, Projektleiter in Papenburg, "die sich zudem noch bewegen. Das verändert den Schwerpunkt." Besonders spannend sei daher diesmal der Krängungstest gewesen, der zeigen musste, ob Berechnungen und Versuchen richtig waren.

Sie stimmten wohl. Denn Alvaro, der philippinische Bademeister, hat in 50 Meter Höhe gerade weniger ein Balance- als ein Ringproblem. Auch seine nächsten Kunden haben zwar wenig am Leib, auch fallen sie noch unter die Gewichtsobergrenze von 145 Kilogramm - doch ihre Eheringe, die wollen sich einfach nicht vom Finger lösen.



insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
blob123y 28.04.2013
1. Was
soll das? alles nur mehr synthetisch, nichts Echtes, raetselhaft wer da mitfaehrt.
eifelwissen 28.04.2013
2. eben!
Fuer US Amerikaner ergo durchaus passend und zum wohlfuehlen.
besserbescheidwisser 28.04.2013
3.
Zitat von eifelwissenFuer US Amerikaner ergo durchaus passend und zum wohlfuehlen.
Soviel ich weis sind es gerade sie Deutschen Touristen die auf Kreuzfahrten in solchen Mega-Schiffen abfahren. Ich kann mir auch nicht erklären, warum manche Menschen viel Geld dafür ausgeben, um wochenlang zusammen mit 3999 anderen Passagieren in so ein Stahlungetüm eingepfercht zu sein Soviel ich weis sind es gerade sie deutschen Touristen, die auf Kreuzfahrten in solchen Mega-Schiffen abfahren. Ihr Antiamerikanismus ist hier fehl am Platz.
jenstw 28.04.2013
4. Super Schiff
Wir haben es in der Werft gesehen: Superschiff, die Werftmitarbeiter waren stolz. Schade, wir würden gerne mal mit, es wäre unsee erste Schiffsfahrt. Klar sind hier mansche neidisch - wie heisst es so schön? Mitleid bekommt man umsonst, Neid muss man sich erarbeiten!
peterpretscher 28.04.2013
5. Made in Germany
Zitat von sysopMeyer Werft / Hero Lang Freizeitpark á la Coney Island, Kneipen wie im alten Harlem, Broadway-Musicals - die neue "Norwegian Breakaway" ist ein Schiff, das ganz einer Stadt gewidmet ist: New York. Der größte bislang in Deutschland gebaute Kreuzfahrtriese soll seinem künftigen Heimathafen Besucher bringen, seinen Gästen vor allem Spaß. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/premiere-der-norwegian-breakaway-a-897020.html
Ncl's Norwegian Breakaway wird ein Hit! Sehr empfehlenswert!
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