Pulau Payar in Malaysia Inseln der Haie

Taucher begegnen im türkisfarbenen Wasser des Nationalparks Pulau Payar farbenfrohen Fischen aller Art - und den friedlichen Riffhaien. Umweltschützern gilt das malaysische Schutzgebiet als gelungenes Beispiel für die Verbindung von Naturschutz und Tourismus.

Pulau Payar - Die Zeit ist schon beim Anlegen knapp - jedes Mal. Für asiatische Freundlichkeit bleibt da kein Raum: Ein zierlicher kleiner Malaie mit Militärmütze steigt auf einen der Plastiktische, bläst die Trillerpfeife und ruft im Kasernenton: "Sit down! Welcome to Pulau Payar Nationalpark." Das Boot zurück gehe um halb vier. Wer das verpasst, müsse die Nacht hier verbringen, auf einer Plattform, die 50 Meter vom Strand entfernt über dem Riff schwimmt. Die Inseln bleiben nachts den Rangern vorbehalten.

Nationalpark Pulau Payar: Relaxen? Oder Tauchen? Tauchen!

Nationalpark Pulau Payar: Relaxen? Oder Tauchen? Tauchen!

Foto: GMS

In schnellem Tempo geht es weiter. Entscheidungen sind gefragt: Soll man die viereinhalb Stunden bis zur Abfahrt auf der Plattform verbringen, in einem Ausflugslokal mit Raststättencharme und Unterwasserfenstern? Oder aktiv werden? Wandern oder selbst tauchen? Tauchen! "Tauchschein? Schuhgröße? Blei?" Dann unterschreiben, ab aufs Boot, ins Wasser, und: durchatmen.

Unter einem waldmeisterfarbenen Wasserhimmel dehnt sich das Riff aus: Weiße und violette Weichkorallen schmücken die Steine. Die grüne Farbe des Wassers ist Zeichen für Plankton, für Nahrung. Rosafarbene Prachtanemonen, in deren Tentakelteppichen sich eigentlich Clownfische wie Nemo kuscheln, sind deshalb schon mittags satt und ziehen ihre fleischigen Finger ein.

Die Planktonsuppe deckt auch vielen Fischen den Tisch: Silbrig-gelbe Grunzerschwärme legen sich bei der Nahrungssuche wie Tücher über die Korallenblöcke. Fahnenbarsche schnappen nach Futter, Kaiserfische drehen ihre Runden. Hundgroße Schwarzspitzen-Riffhaie gleiten vorbei. Zu den Tauchern halten sie Abstand.

Vier unbewohnte Inseln und Korallenriffe

Der 1985 aus der Taufe gehobene Pulau-Payar-Meeresnationalpark ist das älteste Meeresschutzgebiet Malaysias - und das Einzige an der Westküste der malaysischen Halbinsel. Das Schutzgebiet besteht aus vier unbewohnten Inseln und Korallenriffen. Als vor knapp einem Jahr der Tsunami kam, waren hier die Wellen zum Glück kaum höher als bei einer normalen Flut. Wissenschaftler, die die Riffe des Parks untersuchten, konnten daher keine Schäden feststellen.

Bei den Umweltschützern gilt der Pulau-Payar-Park als gelungenes Beispiel für die Verbindung von Naturschutz und Tourismus: Ausflugsboote bringen Besucher von den Urlaubsinseln Langkawi und Penang hierher. Wandern ist lediglich auf der Hauptinsel Payar erlaubt, Taucher dürfen nur in Begleitung ins Wasser.

Den ersten Haien folgen weitere, immer mehr: Einzeln ziehen die schlanken braunen Raubfische mit der schwarzen Spitze auf der Rückenflosse ihre Bahnen. Einige schwimmen in Strandnähe, wo das Wasser kaum zwei Meter tief ist.

Eine Menschentraube steht am Strand im knietiefen Wasser. Das grüne Meer hat schwimmende Sprenkel: Hunderte Fische und einige Haie, die größten messen anderthalb Meter, die kleinsten haben Dackelformat. Der Militärmützen-Mann ist wieder da: Er steht mittendrin, wirft kleine Fischbrocken ins Wasser. Ein Hai nähert sich, schnappt zu und dreht dann mit seiner Beute ab.

Von Arnd Petry, gms

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