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Wüstenfahrt: Immer dem Minztee nach

Foto: Sebastian Hofer

Mit dem Rad durch Marokko Jalla - los geht's!

Zwei Bikepacker haben auf einer 1000-Kilometer-Tour durch Marokko das Land der Berber erkundet. Immer mit dabei: die Kamera.

Am Morgen des dritten Tages ringen Sebastian Hofer, 32, und Brady Lawrence, 27, mit sich: Die Freunde sitzen vor dem offenen Kaminfeuer in einem kleinen Hotel in Tafraoute und versuchen mittels Karte und Smartphone ihre Optionen gegeneinander abzuwägen. Durchgefroren, von einer Schlechtwetterfront überrascht, waren sie gestern mit ihren Rädern in der Kleinstadt im Süden Marokkos angekommen. Die Frage ist jetzt: wie weiter? Düstere Wolken hängen über den umliegenden Bergen.

Sollen sie an ihrem Plan festhalten und über den Kamm des Anti-Atlas nach Marrakesch fahren? Oder ist es ratsamer, von der geplanten Route abzuweichen und am Fuße der Sahara in Richtung der marokkanischen Großstadt weiterzufahren?

Auf keinen Fall wollen sie kneifen und sich auf ihrem zehntägigen 1000-Kilometer-Abenteuer  vom Wetter stoppen lassen. Wäre es also nicht am souveränsten, trotz der Umstände einfach auf der Ursprungsroute zu bleiben? Oder ist es - wie manchmal im Leben - klüger, alles noch mal neu zu denken?

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Wüstenfahrt: Immer dem Minztee nach

Foto: Sebastian Hofer

Die Entscheidung nehmen ihnen schließlich die Einheimischen ab: "Das ist das schlechteste Wetter seit 25 Jahren! Der Pass ist zugeschneit, dort kommt ihr nicht drüber!" Und natürlich lassen die mindestens so geschäftstüchtigen wie gastfreundlichen Locals die beiden Bikepacker nicht im garstigen Februarwetter stehen.

Jalla - los geht´s! Keine zwei Stunden später sind Hofers  und Lawrence'  Räder verladen und mit alten Schläuchen auf dem Dach eines Landcruisers fixiert. Mit Allradantrieb steuert ein Fahrer sie über den Bergpass Richtung Ait-Mansour-Tal.

"Ein bisschen fühlte es sich an, als hätten wir uns einen Teil unserer Strecke erschlichen. Wahrscheinlich hätten wir den Pass sogar geschafft", sagt Hofer. Doch als der Fahrer die beiden Biker in dem palmenbestandenen Tal absetzt und ein alte Berberin ihnen kurz darauf eine köstliche Tajine serviert und ihr Neffe von den Anstregungen seines Fernstudiums und aus seinem Leben erzählt, das so anders verläuft als das der Besucher, hören sie auf zu hadern.

Denn auch darum haben sie sich für eine Radtour durch den Süden Marokkos entschieden: Um möglichst nah ranzukommen an die Menschen, die Weite der Wüste zu spüren und Einblicke in die Berber-Kultur zu bekommen.

Anders als in Marrakesch, in Essaouira an der Atlantikküste oder der Hotelhochburg Agadir, erleben Hofer und Lawrence abgelegene Ortschaften, in die sich selten Touristen verirren. "Ich finde es großartig, mit dem Rad unterwegs zu sein. Man kann an jedem Orangen- und Dattelstand anhalten. Und auch die Verständigung mit den Einheimischen klappt gut, wenn auch oft nur mit Händen und Füßen", sagt Hofer, der in Hamburg nicht nur als Ingenieur, sondern auch als Fotograf arbeitet.

Trotz Lightweight - seine Kamera hat er auf die Tour natürlich mitgenommen. Sehen Sie hier die Bilder.

Video: Marrakesch - Oase des Jet-Set

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