Reise-Blogger Philipp Laage Erst das Abenteuer, dann das Gelage

Von den Alpen bis nach Afrika: Auf runtravelgrow.de berichtet Blogger Philipp Laage von seinen Reisen und Bergtouren. Hier erklärt er, warum ein Nickerchen im Zug manchmal ein Fehler ist - und warum lausige Bars und schlechte Hotelzimmer ganz besondere Erkenntnisse erlauben.

Philipp Laage

Persönliche Texte, neue Blickwinkel: Die deutschsprachige Reise-Blogger-Szene hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt. Ein riesiger Schatz von inspirierenden Berichten aus aller Welt ist entstanden. Im Fragebogen-Interview stellen wir die Menschen hinter den originellsten Webseiten vor. Heute: Philipp Laage, 26, verantwortlich für runtravelgrow.de.

Hat das Bloggen die Art verändert, wie Sie reisen?

Ich finde, die Frage reicht weit über das Bloggen hinaus. Jeder hat durch soziale Netzwerke mittlerweile eine Art Livestream seines Lebens. Was macht man eigentlich wirklich für sich - ohne die Absicht, es hochzuladen und anderen zu zeigen? Wie viele Posen und verbildlichte Statements auf Urlaubsfotos gibt es nur wegen Facebook?

Als Blogger frage ich mich stärker als früher: Was ist die Essenz dessen, was ich erlebt habe? Was ist die Geschichte, die ich erzählen kann? Auch hier muss man aufpassen, dass ich das Erleben nicht der Darstellbarkeit im Internet unterordne. Man muss erst ganz reizoffen sein und sich weit öffnen - danach kann man wieder reduzieren und verdichten.

Wo fühlen Sie sich am wohlsten: Gebirge, Meer, Großstadt oder Wüste?

In den Bergen bin ich auf eine seltsame Art gerührt und glücklich.

Bitte schreiben Sie uns ein Kurz-Blog über Ihre letzte Reise - und zwar in einem Satz:

In den Ortler-Alpen ließ mich Bergführer Hubert in eine Gletscherspalte hinab, und dort unten weiß man dann sehr genau, warum man niemals hineinfallen möchte, denn es ist kalt und feucht, und man kühlt schnell aus.

Ohne welchen Gegenstand würden Sie nie verreisen?

Ich verreise nie ohne Notizblock und Stift und halte unterwegs alle möglichen Beobachtungen, Gedanken und Stimmungen fest. Natürlich sind oft Belanglosigkeiten oder peinlicher Unfug darunter, aber manchmal auch treffende Einsichten.

Ihr bestes Blog-Eintrag bisher?

Da würde ich vielleicht "Libanon, Land ohne Morgen" nennen. Ich bin aus rein privatem Interesse in das Land gereist, aber ich wollte nicht bloß auf radikal-subjektive Blogger-Art erzählen, sondern habe den politischen und geschichtlichen Hintergrund recherchiert und daraus ein Stimmungsbild erzeugt. Das war am Ende fast eine journalistische Herangehensweise.

Ein völlig unterschätztes Reiseziel:

Generell die Zwischenstationen. Flughäfen, Bahnhofskorridore, spärlich möblierte Hotelzimmer, lausige Bars. An diesen Orten passiert oft viel mit einem, der Kopf wirft widersprüchliche Emotionen auf. Das Unterwegssein wird ja gerne als Sehnsuchtszustand verklärt. Nur die praktischen Reiseabläufe sind oft ermüdend und ernüchternd. Man stellt fest, dass Reisen per se auch kein dauerhaftes Glück bedeutet, weil die euphorischen Momente wie sonst auch im Leben nur punktuell auftreten. Aber ich finde diese Flüchtigkeit auch irgendwie erleichternd. Auf Reisen lernt man, an diesem Glück, das man nicht festhalten kann, mit einer gewissen Leichtigkeit teilzuhaben.

Ihre schlimmste Reisepanne?

Auf einer Interrail-Tour in Spanien kurz nach der Schule habe ich mir durch allerärgste Dummheit und Überheblichkeit gleich den ganzen Rucksack klauen lassen. Meine letzten Worte als Gepäckstückbesitzer: "Wer am längsten wach bleibt, macht Nachtwache."

Wie oft sind Sie unterwegs und wie finanzieren Sie Ihre Reisen?

Dieses Jahr komme ich auf sieben Auslandsreisen, das ist für mich aber schon relativ viel. Im Moment kann ich mir die Zeit gut einteilen, weil ich nach meiner Ausbildung noch einmal studiere. Reisen ist für mich ein Teil meines Lebens, aber es macht nicht den größten Teil aus. Wenn ich als Journalist unterwegs bin, übernimmt mein Arbeitgeber die Reisekosten. Für meine privaten Reisen spare ich selbst.

Der größte Luxus, den Sie sich unterwegs gönnen?

Unter meinen Freunden ist zu einem Ritual geworden, nach einer Woche in der Natur ohne viel Komfort die Kühltheke und das Weinregal eines Supermarkts zu plündern und ein zünftiges Gelage zu veranstalten.

Lesen Sie hier die weiteren Blogger-Fragebogen dieser Serie:

Marianna Hillmer-Wiechmann vom "Weltenbummler Mag"

Christoph Pfaff von VonUnterwegs.com

Yvonne Zagermann von justtravelous.com

Peter Hinze von reception-insider.com

Heike Kaufhold von koeln-format.de

Johannes Klaus von reisedepeschen.de

Gesa Neitzel von bedouinwriter.com

Patrick Hundt von 101places.de Siola Panke von quadraturderreise.de

Die Fragen stellte Stephan Orth



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
magda55 14.10.2013
1. Run.Travel.Grow
...heißt der Blog korrekt.
Layer_8 14.10.2013
2. Das...
Zitat von sysopPhilipp LaageVon den Alpen bis nach Afrika: Auf runtravelglow.de berichtet Blogger Philipp Laage von seinen Reisen und Bergtouren. Hier erklärt er, warum Nickerchen im Zug manchmal ein Fehler ist - und warum lausige Bars und schlechte Hotelzimmer ganz besondere Erkenntnisse erlauben. http://www.spiegel.de/reise/fernweh/reise-blog-philipp-laage-von-runtravelgrow-de-a-927218.html
...mit den Bahnhöfen und Busstationen hat wirklich durchaus was philosophisches. Wenn z.B. in Indien die Züge 10 Stunden später kommen und 100 Leute um dich rumstehen und dich anstarren... Und heruntergekommene Bars können durchaus auch sehr romantisch sein :-)
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