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Reiseblog "Justtravelous": Reisen, so viel man kann

Foto: Yvonne Zagermann

Reise-Bloggerin Yvonne Zagermann "Wüsten sind einfach die größten Strände der Welt"

Zwischen Luxus- und Abenteuertrip: Yvonne Zagermann kündigte 2010 ihren Job, um als Bloggerin ferne Länder zu bereisen. Hier verrät sie, was der verrückteste Trip ihres Lebens war und warum Burma sie mehr enttäuscht hat als Brandenburg.

Persönliche Texte, neue Blickwinkel: Die deutschsprachige Reiseblogger-Szene hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt, ein riesiger Schatz von inspirierenden Berichten aus aller Welt ist entstanden. Im Fragebogen-Interview stellen wir die Menschen hinter den originellsten Webseiten vor. Heute: Yvonne Zagermann, 34, verantwortlich für justtravelous.com .

Wo fühlen Sie sich am wohlsten: Gebirge, Meer, Großstadt oder Wüste?

Das ist so, als müsste ich mich zwischen Eis, Pasta, Rhabarberschorle und Sushi entscheiden: Irgendwie hat das alles was. Als ich letztes Jahr zum ersten Mal in der Wüste war, habe ich entdeckt, dass Wüste und Meer eigentlich gar nicht so unterschiedlich sind. Irgendwie sind Wüsten doch einfach nur die größten Strände der Welt. Ich mag es, wenn ich ganz weit schauen kann. Das geht aber auch im Gebirge. Und dann ist da immer wieder Berlin. Egal wie anstrengend eine Reise war - kaum bin ich wieder daheim, bin ich auch schon entspannt.

Die verrückteste Reise Ihres Lebens?

Ganz ehrlich: Ich glaube, die verrückteste Reise ist mein Leben an sich. Vor 20 Jahren wollte ich Archäologin werden, weil ich Indiana Jones so cool fand. Vor zehn Jahren war mein Plan, ganz groß Karriere beim Fernsehen zu machen. Einen Job beim TV habe ich dann vor drei Jahren gekündigt. Und jetzt reise ich, so viel ich kann . Dabei plane ich nie bis ins Detail, weil ich mich gerne überraschen lasse. Auch wenn ich dann die Wache vor dem königlichen Palast in Stockholm schon mal frage, was das denn für ein Gebäude ist.

Ohne welchen Gegenstand würden Sie niemals reisen?

Eigentlich habe ich durch das Reisen gelernt, dass ich gar nichts wirklich brauche. Und bin immer wieder überrascht, wenn ich nach Hause komme, wie viele Dinge ich besitze, die eigentlich völlig unnötig sind. Aber als Reisebloggerin gehört natürlich eine Sache für mich immer dazu: meine Kamera.

Ihr Lieblings-Blog-Eintrag?

Schwierige Frage. Ein Artikel, der mir sehr am Herzen liegt, ist der über die Beachboys von Sansibar . Jeder kann ein Lied davon singen, wie nervig Strandverkäufer sind. Aber auf Sansibar gab es eine Situation, die mich dazu gebracht hat, einfach mal nett zu ihnen zu sein. Und dadurch habe ich einige überraschend positive Erfahrungen gemacht. Ich weiß nicht, ob die Strandverkäufer auf Sansibar einfach anders sind oder ob es doch daran lag, dass ich mich mal anders gegenüber ihnen verhalten habe. Dieses Erlebnis hat mir gezeigt, dass es wichtig ist, jedem Mensch erst mal mit Respekt zu begegnen. An dieser Stelle möchte ich aber unterstreichen, dass ich kein netter Mensch bin.

Ein völlig unterschätztes Reiseziel ist:

Brandenburg. Wenn die Sonne scheint und ich Zeit habe, fahre ich raus aus Berlin nach Brandenburg. Einfach so, ohne konkretes Ziel. An jeder Kreuzung wird spontan entschieden, ob es nach links oder nach rechts gehen soll. Dadurch hab ich schon viele tolle Orte entdeckt (die ich manchmal nie wieder finde).

Welcher Ort hat Sie am meisten enttäuscht?

Bagan in Burma. Als ich vor Jahren zum ersten Mal ein Foto von den Pagoden gesehen habe, war ich sofort fasziniert und wusste: Da muss ich unbedingt hin. Und dann stand ich da und wollte am liebsten heulen, weil alles gar nicht so aussah, wie ich mir das vorgestellt hatte . Da war kein Kribbeln, kein andächtiges "Oh mein Gott, ist das schön". Es hat zwei Tage lang durchgeregnet, wir haben uns andauernd mit den Fahrrädern verfahren. Mein Hintern tat mir vom Rumgurken weh, und dann hatte ich auch noch einen Platten. In der Stimmung habe ich jeden Einzelnen, der jemals ein spektakuläres Foto von Bagan veröffentlicht hat, des Schummelns bezichtigt.

Hat das Bloggen die Art verändert, wie Sie reisen?

Auf der einen Seite ja, sehr sogar. Reisen ist für mich jetzt auch immer Arbeiten, die Kamera ist immer mit dabei. Unterwegs gibt es auch viele Tage, an denen ich vor meinem Laptop sitze. Auf der anderen Seite habe ich mir geschworen, dass ich niemals etwas auslassen werde, nur weil ich eigentlich arbeiten sollte. Dann muss das eben warten. Und manchmal, da nehme ich mir auch Urlaub vom Reisen und gehe einfach mal offline.

Wie oft sind Sie im Jahr unterwegs, und wie finanzieren Sie Ihre Reisen?

Gefühlt war ich letztes Jahr neun Monate unterwegs, ich habe jetzt aber noch mal nachgerechnet: Es waren doch nur 174 Tage, also rund sechs Monate. Ich finanziere das Ganze durch ein buntes Potpourri. Ich produziere Videos, schreibe für corporate blogs, leite Blogger-Workshops - und ein bisschen Geld verdiene ich mit Werbung auf dem Blog oder Kooperationen. Ab und zu arbeite ich auch noch als freie Fernsehredakteurin, und manchmal helfe ich einem Freund aus und spiele Tourguide in Berlin.

Der größte Luxus, den Sie sich unterwegs gönnen?

Mein Reisestil lässt sich am besten mit dem Begriff "Flashpacking"  bezeichnen. Ich will zum einen das Echte erleben, auch mal dreckig werden, mit dem Chicken-Bus fahren und Abenteuer-Feeling haben. Aber ab und zu muss es einfach ein bisschen Luxus sein. Dorm-Massenunterkünfte in Hostels sind für mich ein Gräuel, daher gönne ich mir ab und zu mal ein richtig schönes Zimmer. Ich habe schon oft mit ziemlich dreckigen Füßen in superschicke Hotels eingecheckt.

Die Fragen stellte Stephan Orth

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