Reise-Blogger Johannes Klaus "Zu perfekt ist dieses Stückchen Erde"

Traumstrände, Vulkanlandschaften, Schwefelseen: Die Bandbreite der Reiseziele von Blogger Johannes Klaus ist enorm. Hier berichtet er, warum er nie bereute, seinen Job gekündigt zu haben - und warum sein Lieblingsland Iran heißt.

Johannes Klaus

Persönliche Texte, neue Blickwinkel: Die deutschsprachige Reise-Blogger-Szene hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt. Ein riesiger Schatz von inspirierenden Berichten aus aller Welt ist entstanden. Im Fragebogen-Interview stellen wir die Menschen hinter den originellsten Webseiten vor. Heute: Johannes Klaus, 32, verantwortlich für reisedepeschen.de.

Die verrückteste Reise Ihres Lebens?

Letztes Jahr flog ich mit einem Freund nach Somaliland, um dort auf eigene Faust eine Dokumentation zu drehen. Eine nicht ganz einfache Aufgabe, denn neben dem Essen, das wir nicht gut vertrugen, der schwülen Hitze an der Küste und dem sehr beschwerlichen Reisen hatten wir auch eine andere Herausforderung zu bewältigen: Die meisten Somalis wollten weder fotografiert noch gefilmt werden. Am Ende zogen wir sogar unseren Rückflug vor, weil wir so erschöpft waren. Die Dokumentation haben wir aber trotzdem hinbekommen.

Ohne welchen Gegenstand würden Sie niemals reisen?

Meine Umhängetasche aus Leder. Rucksäcke kamen und gingen, Kameras, Laptops, fast meine gesamte Ausrüstung verändert sich stetig. Aber meine geliebte Tasche ist seit vielen Jahren immer und überall an meiner rechten Seite. Dort trage ich das, was ich schnell im Griff und ständig im Blick haben will - auch an unübersichtlichen Orten wurde mir nie etwas daraus gestohlen.

Wo fühlen Sie sich am wohlsten: Gebirge, Meer, Großstadt oder Wüste?

Ich finde, dass gerade die Abwechslung die Welt zu einem so aufregenden Ort macht. Die Vielfalt ist, was mich immer wieder hinaustreibt. Unwirtliche Gegenden wie die Sanddünen der Sahara oder die Schwefelseen und Vulkane der Danakil-Senke in Äthiopien faszinieren mich, aber genauso genieße ich eine atmosphärische Stadt oder die Postkartenschönheit einer tropischen Insel. Selbst ein kleines Dorf ohne offensichtliche Attraktion kann für mich ein perfekter Ort sein.

Ihr eigenes Lieblingsblog bislang?

Mein vielleicht wichtigster Artikel hat den Titel: "Ich mach, was mir gefällt." Und genau darum geht es, um die Essenz der Erfahrungen, die ich gemacht habe. Und wie ich sie in meinem Leben umsetzen will. In den letzten zwei Jahren ist mir dies erstaunlich gut gelungen.

Ein völlig unterschätztes Reiseziel ist:

Iran. Es gibt dort viel zu entdecken, aber herausragend ist die Freundlichkeit der Menschen: In keinem anderen Land wurde ich so freundlich empfangen und konnte gleichzeitig so interessante, gebildete Menschen kennenlernen. Es ist ein sicheres Reiseziel. Allerdings muss man sich an die Sitten anpassen. Wenn man das akzeptieren kann, kann ich eine Reise dorthin nur wärmstens empfehlen.

Was war Ihre schlimmste Reisepanne?

Pannen gab es viele, vor allem bei öffentlichen Verkehrsmitteln. Aber schlimm waren sie nie, am Ende sind meistens die Dinge, die nicht glatt laufen, die besten Erlebnisse. Meine heikelste Situation war, als ich von der äthiopischen Grenze auf einem Truck durch Nordkenia rumpelte. Dort wurde ich um zwei Uhr nachts mitten in der Steppe zurückgelassen, ohne Gepäck. Als ich schreiend dem Laster hinterherrannte, konnte ich ihn gerade noch stoppen. Auch bei der Ankunft in einem Ort fühlte ich mich nicht sicher und versteckte mich bis zum Morgengrauen in einem verlassenen Marktstand. Am Morgen konnte ich dann einen Bus Richtung Süden nehmen. Dies waren die einzigen Momente auf all meinen Reisen, in denen ich mich unsicher fühlte und froh war, mit heiler Haut herauszukommen.

Hat das Bloggen die Art verändert, wie Sie reisen?

Ich nehme einige Dinge bewusster wahr und begebe mich manchmal auch in herausfordernde Situationen, die ich vielleicht sonst aus Bequemlichkeit umgangen hätte. Eine negative Auswirkung ist, dass ich manchmal schon beim Erleben darüber nachdenke, wie ich das in Worte fassen kann. Damit distanziere ich mich im Kopf vom unmittelbaren Geschehen. Insgesamt bereichert es aber eine Reise, wenn ich darüber auf meinem Blog berichte.

Der größte Luxus, den Sie sich unterwegs gönnen?

Heimatliches Essen. Hin und wieder kann ich das Huhn mit Reis oder die gebratenen Nudeln einfach nicht mehr sehen und sehne mich nach etwas Vertrautem. Dann ist ein Hamburger, ein Müsli mit Joghurt oder ein Schnitzel mit Bratkartoffeln meine Rettung.

Bitte schreiben Sie für uns exklusiv einen Kurz-Blog über Ihre letzte Reise - und zwar in einem Satz:

"Verrückt, dass es so einen Ort wirklich gibt!", denke ich, als mich der madagassische Junge mit seinem Einbaum hinüber auf die kleine Insel gerudert hat und ich dieses dämliche Dauergrinsen nicht mehr aus dem Gesicht bekomme - zu perfekt ist dieses Stückchen Erde.

Lesen Sie hier die weiteren Blogger-Fragebogen dieser Serie:

Marianna Hillmer-Wiechmann vom "Weltenbummler Mag"

Christoph Pfaff von VonUnterwegs.com

Yvonne Zagermann von justtravelous.com

Peter Hinze von reception-insider.com

Heike Kaufhold von koeln-format.de Die Fragen stellte Stephan Orth



insgesamt 15 Beiträge
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amalgam 12.09.2013
1. Sitzt...
...der Lemur hinter dem Chameleon? :-)
fsander 12.09.2013
2. optional
Bild 4: dieser Lemur hat aber eine komische Farbe. Mit den Augen scheint auch was nicht zu stimmen ;)
hd117 12.09.2013
3. Lemur auf Madagaskar ...
aha, da hat einer wohl eine völlig neue Art von Lemuren entdeckt ...
antist 12.09.2013
4. Das ist kein Lemur...
... Es ist ein Pantherchamäleon... Da bin ich mir fast ganz sicher...
k3llerkind 12.09.2013
5. Bild 4
Sorry, aber auf Bild 4 sehe ich keinen Lemuren... Trotzdem schöner Artikel und schöne Bilder :-)
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