Rio de Janeiro Slum-Touren sollen Besucher anlocken

Touristen statt Drogengangs: In Rio de Janeiro soll ein neues Regierungsprojekt Besucher in die berüchtigten Favelas locken. Einheimische Guides führen zu Samba-Schulen, Kunstwerken und Aussichtspunkten - die Touren sollen das Image der zukünftigen Olympia-Stadt verbessern.

AP

Rio de Janeiro - Die Slums von Rio de Janeiro sind Anfang dieser Woche offiziell zur Touristen-Attraktion erklärt worden. Am Montag begleitete Präsident Luiz Inácio Lula da Silva in der brasilianischen Metropole den feierlichen Start der "Rio Top Tour". Auf dieser Führung durch die Favelas können Besucher einige der berüchtigten Armenviertel der Stadt besichtigen. Touristen könnten nun selbst erleben, dass die Bewohner dieser Slums zwar verarmt seien, aber ansonsten ganz normale Menschen, sagte Lula da Silva. "Favelas sind ganz normale Gemeinden wie andere auch."

Private Veranstalter bieten schon seit mehreren Jahren Favela-Touren an. Das nun gestartete Programm der Regierung soll den Tourismus in den Armenvierteln weiter fördern - auch, um das Image von Rio zu verbessern. Die Metropole hat den Ruf, eine der gewalttätigsten Städte der Welt zu sein. Eigens für das Pilotprojekt wurden Drogendealer und andere Kriminelle aus den betroffenen Slums vertrieben.

Die Favela Santa Marta ist das erste Viertel, in dem das Projekt umgesetzt wird. Einige der 5000 Bewohner sollen zu Gästeführern ausgebildet werden, außerdem werden englischsprachige Hinweisschilder aufgestellt. Rund 30 Attraktionen können besichtigt werden: Neben einer Sambaschule, Werken lokaler Künstler und einem Aussichtspunkt über Rio gehört dazu auch der Ort, an dem Michael Jackson das Video zu "They Don't Care About Us" gedreht hat.

Präsident Lula da Silva sagte bei der Eröffnung, er wolle das Programm auf andere arme Gemeinden in Rio und in ganz Brasilien ausdehnen. "Rio wird nicht mehr nur durch die Christus-Statue, den Zuckerhut oder die Copacabana bekannt sein", sagte der brasilianische Tourismus-Minister Luiz Barreto.

Rund ein Drittel der sechs Millionen Einwohner von Rio lebt in den 1000 Slums der Metropole. Seit die Stadt im vergangenen Jahr den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2016 erhielt, wächst die Besorgnis, dass die Behörden nicht in der Lage sein werden, die Kriminalität in Schach zu halten.

ank/AFP/AP



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