Deutsche Touristen am Roten Meer "Hier ist alles schön"

Während in Kairo die Lage weiterhin gefährlich ist, leben deutsche Touristen am Roten Meer in einer Art Parallelwelt. Sie genießen trotz nächtlicher Ausgangssperre und schockierenden Nachrichtenbildern Strand und Sonne - doch ganz können sie die unsichere Lage nicht ausblenden.

Urlauber im Roten Meer: Hier gilt die ägyptische Küste für Touristen als sicher.
TMN

Urlauber im Roten Meer: Hier gilt die ägyptische Küste für Touristen als sicher.


Kairo/Hurghada/Berlin - Anke Blömer aus Borken in Nordrhein-Westfalen hat schöne Ferien in Ägypten. Wie immer. "Wir genießen unseren Urlaub hier sowas von", sagt die 40-Jährige am Donnerstag in breitem Westfälisch. Von den politischen Unruhen, den Straßenschlachten und den Hunderten Toten bei Kämpfen zwischen Islamisten und Sicherheitskräften erfahren die meisten Urlauber höchstens aus dem Fernsehen. In den Touristenorten Hurghada und Sharm al-Scheich suchen sie bei mehr als 35 Grad Celsius lieber Abkühlung im Roten Meer.

Anke Blömer fährt seit zehn Jahren mit ihrem Mann und den beiden Kindern in die Makadi Bay bei Hurghada. "Wir waren jetzt zwei Wochen hier und hatten Strand, Sonne und klares Wasser. Von den Ausschreitungen merkt man nichts. Hier ist alles schön", sagt Blömer am Telefon. "Die Verwandten sagen natürlich in letzter Zeit oft: 'Fahrt doch woanders hin, ist viel zu gefährlich.'"

Angst hat sie aber nicht, auch wenn es bei Protesten in der Nähe ihres Urlaubsorts in Hurghada ein Todesopfer gegeben hat. "Passieren kann überall etwas. Wir haben hier noch keine schlechten Erfahrungen gemacht und genießen jeden Tag in der Sonne."

Für Christoph Fallert, 45, aus Tuttlingen begann der Urlaub dagegen mit Bedenken. "Vor zwei Wochen sind wir schon mit gemischten Gefühlen in Ägypten gelandet, weil wir natürlich die Nachrichten verfolgt hatten." Der Weg zum Hotel sei dann aber gewesen wie immer. Aufgefallen sei ihm nur, "dass weniger Gäste da sind. Sonst hat man eigentlich nichts gemerkt".

Mit seiner Frau Alexandra, 42, und seinen beiden Kindern Michelle und Leon macht er Urlaub in Dahab, nördlich von Sharm al-Scheich. In diesem Jahr war er vorsichtiger als sonst. "Wir sind mit unseren Kindern in diesem Jahr im Hotel geblieben und haben auf Ausflüge verzichtet. Wir wollten dann doch kein Risiko eingehen."

Auch die Touristin Martina Minzenmay berichtet, dass sie ihren Kitesurf-Urlaub in Hurghada nun hauptsächlich auf dem Hotelgelände verbringt. "Wir wollen auf keinen Fall in irgendwelche gewalttätigen Auseinandersetzungen hineingezogen werden", berichtet sie in einer E-Mail an SPIEGEL ONLINE. Vom Ausnahmezustand sei aber wenig zu spüren, abgesehen von den Berichten eines Hotelangestellten, dass es in der Nacht Krawalle gegeben habe. "Die Urlauber hier nehmen die Lage mit relativer Gelassenheit hin - man kann ja auch nicht wirklich viel tun", schreibt Minzenmay.

Service für Urlauber:

Was Ägypten-Reisende jetzt beachten müssen

Sind Sie in Ägypten unterwegs?
    Sie tauchen und schnorcheln vor Hurghada? Oder machen Strandurlaub in Scharm el-Scheich? Oder Sie sind geschäftlich im Land unterwegs? Dann berichten Sie, was Sie unterwegs erlebt haben - und wie sich die Ausgangssperre auswirkt. Erzählen Sie uns von Ihren Begegnungen! Und zwar indem Sie sie an spon_reise@spiegel.de mailen, Betreff: Reisen in Ägypten.

Felix Frieler/dpa/sto



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.