Safari-Kalender für Tansania Wo wandern die Gnus, wann jagt der Löwe?

Gutes Timing ist alles: Wenn Wildlife-Fans eine Reise nach Tansania planen, sollten sie sich nach dem Terminkalender der Tiere richten. Welches sich wo und wann zeigt, ist schließlich kein Geheimnis. Der Überblick.

Win Schumacher/ Weltwege

Von Winfried Schumacher


Tansania ist eins der Topreiseziele für Menschen, die Tiere lieber in ihrem natürlichen Habitat statt im Zoo bestaunen. Doch eine Safari zu buchen ist gar nicht so ein simples Unterfangen. Das wichtigste Kriterium ist der Reisezeitpunkt. Denn wann sich Gnus, Geparden, Löwen und Leoparden wo zeigen, folgt im Wesentlichen dem Schema der Trocken- und Regenzeiten.

Natürlich entscheiden auch noch Glück und Geduld darüber, ob sich Reisende später an spektakuläre Tierbeobachtungen erinnern werden. Doch wer seinen Wildlife-Urlaub gut plant, sollte beste Bedingungen haben.

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Tansania: Tipps für die perfekte Safari-Planung

Ein Tipp: Denken Sie nicht nur an die Serengeti, denn das berühmte Schutzgebiet steht vor großen Herausforderungen. Nicht nur Wilderer, sondern auch immer mehr Touristen machen dem Ökosystem zu schaffen. Hotelneubauten, zunehmender Wasserverbrauch, Müll und Unfälle mit Safariwagen fordern ihren Tribut von der Tierwelt. Wer verantwortungsvoll reisen möchte, kann auch auf die unten genannten Alternativen ausweichen - und damit weniger überlastete Ziele besuchen.

Lesen Sie hier, wann sich die Safari lohnt - in der Serengeti und anderswo:

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August und September: Flussüberquerung der Gnuherden am Mara River

Die Herde zögert. Dicht gedrängt stehen die Gnus am Ufer des Mara-Flusses. Ihr nervöses Grunzen erfüllt die Mittagshitze. Die Savanne flimmert hellgrau von den Körpern der Kuhantilopen. Sie wissen: Der Fluss hat unberechenbare Stromschnellen und im schlammbraunen Wasser warten gewaltige Krokodile.

Von einer Anhöhe am gegenüberliegenden Ufer verfolgen Touristen das sich ankündigende Drama. Nur selten hat das Naturschauspiel keine Zuschauer. Es kann jedoch Stunden dauern, bis das erste Gnu den Sprung ins Wasser wagt. Bald wirbeln Tausende donnernde Hufe eine dichte Staubwolke auf.

Plötzlich springt das erste Gnu mit einem Satz in den Fluss. Nach einem instinktiven Trieb folgt nun Tier für Tier die gesamte Herde - ein Spektakel, das im Tierreich seinesgleichen sucht. Mit meterhohen Sprüngen stürzen sich die Kuhantilopen in die Flut, durchschwimmen dicht aneinander gedrängt den Fluss. Wer zu viel Kraft einbüßt, riskiert, von der Strömung mitgerissen oder unter den Hufen der nachdrängenden Masse ertränkt zu werden.

Ein Krokodil nähert sich der schwimmenden Karawane, wartet bis ein Gnu ihm geradezu zwischen die Zähne schwimmt. Das Jungtier versucht sich zu befreien, doch sein Kampf gegen das Reptil ist aussichtslos. In Sekundenschnelle wird es in die Tiefe gezerrt.

Der Mara-Fluss ist das gefährlichste Hindernis auf der großen Gnuwanderung von der Serengeti in die Masai Mara, einer der letzten Massenmigrationen großer Säugetiere auf der Erde. Es grenzt an ein Wunder, dass sie bis heute fortbesteht. Fast überall auf der Welt machten Jäger und Viehzäune den jahrhundertealten Tierwanderungen den Garaus. In der Serengeti aber ziehen die Herden bis heute einem ewigen Zyklus folgend.

Win Schumacher/ Weltwege

Februar: Geparden und Löwen in der Ndutu-Ebene

Wohl nirgendwo sonst in Afrika stehen die Chancen so gut wie hier, gleich mehrere Katzenarten auf einmal zu fotografieren oder zu filmen - mit etwas Glück sogar bei einer erfolgreichen Jagd: Die Ndutu-Ebene, zwischen dem Serengeti-Nationalpark und dem Ngorongoro-Krater, verwandelt sich meist zwischen Ende Januar und Mitte März in eine Bühne für ein besonderes Schauspiel. Wenn aus der staubigen Savanne nach der Regenzeit eine Fläche aus sattem Grün wird, bringen die Gnus, Zebras und Gazellen hier zu Tausenden ihre Jungen zur Welt. Dann beginnt das Fest der Katzen.

Neben Löwen und Leoparden finden dann auch Geparden leichte Beute. Die sandfarbenen Karakale, scheu wie ihre Verwandten, die europäischen Luchse, und selten sichtbar, machen Jagd auf die Kitze der Thomson-Gazellen. Auch die hübschen gefleckten Servale mit ihren großen Ohren lassen den unbewachten Nachwuchs selten entkommen. Manchmal gesellen sich auch Afrikanische Wildkatzen zum Stelldichein auf dem Catwalk von Ndutu.

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August-Oktober: Schimpansen im Mahale-Mountains-Nationalpark

Ganz andere Jagdszenen spielen sich zum Ende der Trockenzeit im Mahale Mountains-Nationalpark ab. Ein Schimpanse starrt mit angestrengtem Blick hinauf zu einem kleinen Äffchen in den Baumkronen. Dort oben auf einem der höchsten Zweige sitzt eine offenbar nervöse Stummelaffenmutter, die einen Säugling auf dem Arm hält. Das Baby im Blätterdach ist das erhoffte Frühstück des Menschenaffen. Er wird es sich nicht entgehen lassen. In wenigen Augenblicken wird eine blutige Treibjagd mit Hilfe seines Clans beginnen, die unter Primaten beispiellos ist.

Nur selten werden Schimpansen dabei beobachtet, wie sie anderen Affen nachstellen. Sie ernähren sich jedoch anders als Gorillas nicht vorwiegend vegan. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, erbeuten sie auch Säugetiere bis zur Größe von Kleinantilopen. Rote Stummelaffen sind ihre Lieblingsbeute.

Der Mahale-Mountains-Nationalpark am Ostufer des Tanganjikasees ist neben dem Gombe-Stream-Schutzgebiet weiter nördlich einer der wenigen Orte in Afrika, wo Hetzjagden bei habituierten Schimpansengruppen beobachtet werden können, vor allem im September und Oktober.

In den letzten Jahren locken die Menschenaffen eine wachsende Zahl an Touristen in den Westen Tansanias. Allein schon die Kulisse für das beeindruckende Affentheater lohnt eine Reise. Das üppige Grün des Dschungels, das hinter dem Türkisblau des Tanganjikasees aufragt, erinnert eher an eine Tropeninsel als an Ostafrika. Anders als auf Sansibar gibt es hier jedoch weder Strandverkäufer noch überfüllte Tauchboote. Statt Korallenfische lassen sich schillernde Buntbarsche im glasklaren Wasser beobachten, von denen es die meisten Arten nirgendwo sonst auf der Welt gibt.

Win Schumacher/ Weltwege

Oktober: Flusspferde und Krokodile im Katavi-Nationalpark

In der Regenzeit ist der Katavi-Nationalpark ein schier unüberschaubares Sumpfland. Im Oktober ist Wasser jedoch meist nur noch in einigen wenigen Teichen und Flussbetten zu finden. Dann drängt sich das Leben um die letzten verbliebenen Tümpel. Im schmalen Rinnsal des Katuma-Flusses versammeln sich dann Hunderte Flusspferde und Krokodile.

Beim Streit um die letzten Wasserlöcher kommt es bisweilen zu dramatischen Revierkämpfen. Furchteinflößend reißen die Bullen ihre riesigen Mäuler auf und zeigen ihre gefährlichen Eckzähne. Auf den dicht aneinander gedrängten Rücken der Ungetüme stolzieren Marabustörche.

Nur wenige Meter davon sind gigantische Krokodile auf der Suche nach einem Platz im eng besetzten Pool. Nebenan fischen Pelikane, Nimmersattstörche und Goliathreiher. Löwen, Elefanten und Giraffen werden ebenfalls vom letzten Wasser angezogen und sind um diese Jahreszeit kein seltener Anblick.

Wegen seiner Entlegenheit kommen noch immer nur sehr wenige Touristen in den Katavi-Nationalpark. Hier hat man die Savanne meist ganz für sich allein. Kein Wunder. Nur zwei Mal in der Woche landet ein Buschflieger aus der Safari-Metropole Arusha. Für eine Anreise mit dem Auto plant man am besten gleich mehrere Tage ein.

Steve De Neef/ National Geographic/ Getty Images

November bis Januar: Schnorcheln mit Walhaien vor Mafia Island

Nicht nur Tansanias Savanne hat ihre Riesen. Vor Mafia Island im Indischen Ozean können Schnorchler dem größten Fisch der Welt begegnen: dem bisweilen über zehn Meter langen Walhai. Seelenruhig treiben die getüpfelten Meeresgiganten unter der Wasseroberfläche.

Ihre weit geöffneten Mäuler wären beinahe groß genug, um die Schnorchler aufzusaugen. Die Planktonfresser scheinen von dem aufgeregt zappelnden Menschenvolk jedoch wenig beeindruckt. Für sie ist der Mensch weder Gefahr noch Beute. Majestätisch gleiten sie dahin, filtern literweise Wasser durch ihre mächtigen Kiemen, umschwärmt von grellbunten Korallenfischen.

Mit viel Glück kann man Walhaie vor Mafia Island fast das ganze Jahr über beobachten, am besten stehen die Chancen jedoch von November bis Januar. Farbenfrohe Riffe und ein entspanntes Inselleben machen Mafia ohnehin zu einer echten Alternative zum überlaufenen Sansibar. Es ist der richtige Ort, um sich vom Safari-Spektakel zu erholen.



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
ruhuviko 05.07.2019
1. Und wer dann neben diesem Spektakel
auch noch in der Lage ist, den Menschen in Tansania in Unvoreingenommenheit zu begegnen und ihre lebensfrohe und freundliche Offenheit kennen zu lernen, für den ist auch der Besuch in Städten und Dörfern ein unvergessliches Erlebnis.
uhrentoaster 05.07.2019
2. Tourismus
"Tansania ist eins der Top-Reiseziele für Menschen, die Tiere lieber in ihrem natürlichen Habitat statt im Zoo bestaunen." Zum Angeben und zur Unterstützung des Klimawandels ist das sicherlich eine Reise wert. Ich finde es gut, dass der Spiegel dafür Werbung macht, damit die Tourismusbranche nicht unter "Fridays for future" leidet.
Oskar ist der Beste 05.07.2019
3. ach ja Tansania
viel zu teuer und touristisch vollkommen überlaufen. Dazu als für ein Sefl Drive Set up viel zu kompliziert. Dann besser in den Hwange NP, da ist man dann schon einmal im gesamten Park (Größe von WaleS) tagelang ohne andere Besucher. Löwen kann man überall sehen, Elefanten zu Tausenden, gleiches gilt auch für Büffel Herden. Geparden und manchmal sogar Leoparden bekommt man auch zu sehen. Und man kann das Ganze ohne großen Aufwand von den Viktoria Fällen organisieren und kommt mit 140 USD pro Tag pro Person (bei 2+) locker hin (camping style)
k70-ingo 05.07.2019
4.
Zitat von uhrentoaster"Tansania ist eins der Top-Reiseziele für Menschen, die Tiere lieber in ihrem natürlichen Habitat statt im Zoo bestaunen." Zum Angeben und zur Unterstützung des Klimawandels ist das sicherlich eine Reise wert. Ich finde es gut, dass der Spiegel dafür Werbung macht, damit die Tourismusbranche nicht unter "Fridays for future" leidet.
Bei einer echten Safari-Reise werden die paar Gramm pöhses CO2 um ein Vielfaches vom echten eigenen Erleben und Erlebnissen um ein Vielfaches aufgewogen. Wenn etwas die eigene Wahrnehmung von Natur und der Schönheit der Welt stark positiv beeinflußt, dann eine (Foto)Safari. Was das Soziale und Ökologische angeht, ist so eine Safari -je nach Anbieter natürlich- dienlicher als bräsige Stubenhockerei. Viele Veranstalter richten die Angebote strikt ökologisch aus -in Botswana z.B.-, außerdem ist diese Art von Edel-Urlaub sehr personalintensiv. Je mehr Leute dort arbeiten, desto weniger wird gewildert.
insu-bordi-nation 05.07.2019
5.
man sollte eben nicht die Safari für zwei Wochen buchen, sondern Kultur und Land mindestens für 6 Monate kennenlernen.
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