"Sawah" auf Java Weltküche im Reisfeld

Mexikanisch, deutsch oder indisch: Im "Sawah" auf Java wird Weltküche serviert - die Rezepte brachte Designer Phillip Iswardono von seinen Reisen mit. In dem Restaurant der besonderen Art wird nur an zwei Tagen der Woche serviert, dann aber in einer ganz speziellen Atmosphäre.

Von Michael Lenz


Hoch oben leuchten die Sterne, in den Büschen zirpen Grillen, von einem Bauernhaus in Nachbarschaft schallt Musik herüber, sanftes Licht fällt auf die Wiese neben der Pergola. Die Truthähne und Perlhühner in den Volieren im tropischen Garten hingegen haben sich, wie auch der riesige Iguana in seinem Käfig, längst der Nachtruhe hingegeben.

Es ist Freitagabend. Und damit einer der beiden Tage, an denen das Heim des Indonesiers Phillip Iswardono und seines holländischen Lebenspartners Wim van Kuijk zu "The Sawah" wird. Zu einem Restaurant, das eigentlich keines ist: "The Sawah ist kein Restaurant, sondern ein Ort, um zu essen. ... Es ist, als habe man ein schönes Abendessen im Haus von Freunden… The Sawah ist vor allem: unser Heim, unser süßes Heim", schreiben die beiden auf ihrer Website.

Das Restaurant der anderen Art findet sich am Rand des für seine Töpferei berühmten Künstlerdörfchens Kasongan im Sultanat Yogyakarta auf Java - die Zeiten, in denen die Tonwaren aus Kasongan für ihre erotischen Motive bekannt waren, liegen allerdings lange zurück. Außer mir hat noch ein holländischer Biomediziner mit seiner französischen Künstlerfreundin das dreigängige Menü für 120.000 indonesische Rupien (8,20 Euro) gebucht. Statt des eleganten Esszimmers haben wir den Tisch in der Pergola im Garten gewählt.

Weltküche im Reisfeld

Der Designer Phil und der Journalist Wim lieben ihr luftiges, mit einer Mischung aus holländischer Gemütlichkeit und javanischer Tradition gebautes und eingerichtetes Haus, das sie sich vor zwei Jahren inmitten von Reisfeldern, kleinen Bauernhöfen, Bananenstauden, Palmen, Bambus und Frangipani-Bäumen gebaut haben. Und sie lieben ihr Heim so sehr, dass sie andere an ihrem kleinen Paradies teilhaben lassen. Auf der Wiese werden Phil und Wim bald einen Pool und Gästebungalows bauen.

Das kulinarische Konzept des Sawah - übersetzt "Reisfeld" - beschreibt Phil als "Weltküche". Die Rezepte hat der 42-jährige Abkömmling einer muslimisch-christlichen javanischen Familie von seinen Reisen durch Asien, Europa und Amerikas mitgebracht. Es gibt an jedem Sawah-Tag nur ein festes Gericht, das auf der Homepage angekündigt ist. Mal steht Mexikanisches auf der Karte, mal Thailändisches oder Deutsches. Heute ist indische Küche angesagt.

Das Sawah ist wie Phils Heimatstadt Yogyakarta: weltoffen, modern, lebensfroh, gleichzeitig aber auch fest verwurzelt in den Traditionen Javas wie der Gamelan-Musik, Schattentheaterspielen mit kunstvoll gearbeiteten Figuren aus Büffelhaut und der Kunst des Batik. Yogya, wie die Menschen dort kurz ihre Heimatstadt nennen, ist mit seinen vielen weltlichen, katholischen und islamischen Universitäten das akademische Zentrum Indonesiens, der größten muslimischen Nation der Welt.

Weltkulturerbe in der Nähe

Die Stadt hat einen besonderen Platz in den Herzen aller Indonesier. Als nämlich Batavia, das heutige Jakarta, noch von den Niederländern besetzt war, diente Yogya im Unabhängigkeitskampf gegen die holländischen Kolonialherren (1945 bis 49) als Hauptstadt Indonesiens. Zum Lohn erhielt das Sultanat Yogyakarta den Status einer teilautonomen Sonderzone und wird als einzige Region der Republik Indonesien noch von einem Sultan regiert.

Yogya ist ein beliebtes touristisches Ziel. Der historische Kraton, der Sultanspalast, ist neben dem Wasserschloss und dem Vogelmarkt die Hauptattraktion in der Stadt. In der näheren Umgebung sind die weltberühmten und Unesco-geschützten Tempelanlagen aus dem 8. Jahrhundert Borobodur (buddhistisch) und Prambanan (hinduistisch) das Ziel von Tagestouren. Ganz Wagemutige buchen aber Trekkingtouren hinauf auf den noch höchst aktiven Vulkan Merapi, den man bei Tage und bei klarer Sicht vom Sawah aus sehen kann.

Phil ist kreativ beim Kochen. Getreu seinem Motto: "Wir haben kein Restaurant – aber wir lieben das Kochen. Zu experimentieren. Zu improvisieren. Uns und andere zu überraschen." Gekocht wird grundsätzlich nur mit Produkten die auf den Märkten Yogyas frisch zu haben sind. Gibt es das eine Gemüse oder das andere Kraut nicht, wird es eben durch etwas anderes ersetzt. Uns serviert Phil als Hauptgericht ein authentisches Roganjosh mit Rindfleisch. Der süße indische Klassiker Gulab Jamun zum Dessert aber kam phillipinisiert auf den Tisch: die traditionellen, in Palmzuckersirup gekochten Teigbällchen hatte Phillip kurzerhand durch Bananen ersetzt.

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