Schnorcheln vor Mexiko Wo die Haie Tupfen tragen

Der Walhai reißt sein mächtiges Maul auf. Platz genug wäre dort für Schnorchler, doch die Tiere mit den Tupfen auf dem Rücken haben null Appetit auf Menschen. Glück für Besucher des mexikanischen Badeortes Cancún, die mit den Fischen auf Tuchfühlung gehen.

Cancún - Nach rund einer Stunde Fahrt mit dem Motorboot wird das Wasser trüber. Rund 50 Kilometer nördlich der Luxushotels des mexikanischen Badeortes Cancún ruft Kapitän Jorge seinem Matrosen José zu, zwei Passagiere mit Schwimmweste, Flossen und Schnorchelbrille auf der Heckseite des Bootes zu plazieren. Dann ruft er "zwölf Meter". So groß ist der Fisch, dessen 1,50 Meter großes Maul gerade weit geöffnet an der Oberfläche auftaucht und langsam auf das Boot zugleitet.

José und die beiden Gäste lassen sich ins Wasser fallen und schwimmen schnorchelnd auf das Maul zu, in dem zwei von ihnen nebeneinander verschwinden könnten. Doch der Walhai dreht leicht ab, als ignoriere er die bunten Fremdkörper. Er ist hier auf der Suche nach seiner Hauptnahrung, dem Plankton. Das einzige Ziel der Schnorchler dagegen ist es, die Schönheit des riesigen braungrauen Fisches zu bewundern. Sein ganzer Rücken ist von hellen Punkten übersät, sein Bauch ist hell. Er hat zwei Rücken- und Seitenflossen, eine Bauchflosse und eine bis zu zwei Meter hohe Schwanzflosse.

Walhai steht in Asien auf der Speisekarte

Im Indischen Ozean, wo er oft brutal gejagt wird, weil der Walhai unter anderem in Taiwan als Delikatesse verspeist wird, ist es der Traum von Tauchern, einmal einem Walhai zu begegnen. Insbesondere in Südostasien ist seine Existenz in großer Gefahr. Nahe Cancún, zwischen den Inseln Contoy und Holbox ist die Begegnung noch kein Problem. Jeden Sommer, in den Monaten von Juni bis September, kommt die weltweit größte Anzahl der Meeresriesen hierher. "Es sind mehrere hundert", sagt Kapitän Jorge.

An der Nordspitze der Halbinsel Yucatán bilden sich in den Sommermonaten große Mengen Plankton, das Hauptnahrungsmittel des Walhais. Auf seinem Speiseplan stehen aber auch Fische und selbst kleine Delfine. Das Aufregendste dabei ist, dass sich die Tiere stundenlang an der Wasseroberfläche tummeln. 6000 Liter Wasser pro Stunde kann der Walhai aufsaugen, filtern und das Plankton aufnehmen, vier Kilo, haben neueste Untersuchungen ergeben. Viele Walhaie sind markiert. Deshalb weiß man, dass die Tiere weite Strecken zurücklegen können: Ein Walhai hat in 31 Tagen fast 900 Kilometer hinter sich gebracht. "Wir haben hier schon einen Hai angetroffen, der in Australien markiert wurde", sagt Jorge.

Contoy: Abgeriegeltes Naturparadies

Für die Verantwortlichen in Cancún  und im Staat Quintana Roo sind die Walhaie nicht nur eine weitere Attraktion, mit der das bekannteste Feriengebiet Mexikos Touristen aus aller Welt anlockt. Das gesamte Gebiet vor der Küste von Cancún ist ein einziger Naturschutzpark. Die Schiffs- und Bootsbewegungen sind streng geregelt. Die Zahl der Gruppen, die täglich zu den Haien hinausfahren dürfen, ist auf 15 begrenzt. "Der Tourismus ist ein Risiko", gibt der auf Isla Contoy stationierte Biologe Ignacio Barata zu bedenken. "Nur wenn sich alle an die Regeln halten, können wir unsere Natur erhalten."

Die "Walhaiboote" dürfen auch nicht zu der nahen Insel Contoy  fahren. Die fast neun Kilometer lange Isla Contoy steht unter Schutz und ist ein Naturparadies, das täglich nur von maximal 200 Besuchern betreten werden darf. Auf ihr leben Tausende von Kormoranen, Fregattvögeln und Pelikanen. Außerdem Salzwasserkrokodile, Leguane, und Schlangen.

An ihren Gewässern tummeln sich Barracudas, Rochen, Haie und Delfine. Es gibt eine kleine Forschungsstation, ein Naturkundemuseum und vier Biologen, die forschen und beobachten. Beschützt wird der Naturschutzpark von den "Amigos de la Isla Contoy", deren Vorsitzender der deutsche Honorarkonsul in Quintana Roo Rudolf Bittorf ist. Nur einige ausgesuchte Touristikunternehmen haben die Lizenz, Besucher für einen Tag zu der Insel zu fahren, um sie dieses einzigartige Eiland erleben zu lassen.

Franz Smets, dpa

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