Schwacher US-Dollar Europäer wedeln in die Rockys

Schwächelt der Dollar, rückt der Traum vom Champagnerschnee auf den Hängen von Aspen in bezahlbare Nähe. Ein Winterurlaub in den Rocky Mountains kann schon billiger sein als in den französischen Alpen.

Boise/USA - Normalerweise verbringt Ian Morris seinen Skiurlaub in Chamonix an den Hängen des Mont Blanc. Doch diesmal ist der Brite von der Insel Guernsey nach Jackson im US-Staat Wyoming gereist. Der schwache Dollar macht Winterferien in den Rocky Mountains mittlerweile billiger als in den französischen Alpen, wenn man das richtige Angebot erwischt. Und was für Briten mit ihrer Pfund-Währung zutrifft, gilt für die Europäer der Euro-Zone erst recht.

Antje Günther, Sprecherin des Reiseveranstalters Dertour in Frankfurt am Main, bestätigt, dass die Buchungen für die Vereinigten Staaten im abgelaufenen Jahr um fast 19 Prozent zugelegt haben. Dies schließe auch Pauschalreisen für Skifahrer mit ein. Für das laufende Jahr und sogar noch darüber hinaus könne mit einem weiteren Anstieg gerechnet werden, zumal europäische Urlauber oft bis zu eineinhalb Jahre im Voraus buchten.

Selbst aus dem Nachbarland Kanada sowie aus dem fernen Australien reisen in dieser Saison immer mehr Wintersportler in die USA. Der Verband der amerikanischen Reiseindustrie (TIA) schätzt, dass im vergangenen Jahr 7,5 Prozent mehr ausländische Touristen kamen als 2003. Für das gerade begonnene Jahr wird mit einer Zunahme von mindestens fünf Prozent gerechnet.

Kanadische Skigebiete verlieren internationale Besucher

Die Wintersportzentren in den Rocky Mountains - von Breckenridge in Colorado bis nach Lake Tahoe in Kalifornien - haben sich bereits voll auf diesen Trend eingestellt. Auch die Skigebiete in Vermont nahe der Ostküste dürfen hoffen, dass die Einbrüche nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und dem Irak-Krieg der Vergangenheit angehören. Dem entsprechend haben diese Orte ihr Marketing intensiviert, und sie sind sicher, dass sich diese Werbung auszahlen wird.

Zwar machen ausländische Skifahrer nur etwa zehn Prozent der Wintersportler in den amerikanischen Skigebieten aus, doch haben sie gegenüber den Einheimischen für die Tourismusbranche den großen Vorteil, dass sie länger bleiben. Für weniger als zehn Tage tritt kaum jemand die Reise über den großen Teich an. Und wenn sie dann schon mal da sind, geben sie in der Regel auch mehr Geld aus - sowohl in Hotels und Restaurants als auch in den zahlreichen Geschäften. US-Bürger sind da weniger großzügig, weil sie sich ja in ihrer vertrauten Umgebung befinden, wie Kelly Ladyga, Sprecherin der Ortsverwaltung von Vail in Colorado, bestätigt. Dieser Ort rechnet in diesem Winter mit einem zehnprozentigen Anstieg der ausländischen Besucher.

Was den USA nützt, gereicht dem Nachbarland Kanada zum Schaden. Der kanadische Dollar ist im Vergleich zum amerikanischen überaus stark geblieben, und so wandern nicht nur die einheimischen Skifahrer über die Grenze ab. Es kommen auch weniger ausländische Touristen, als es bislang immer der Fall war. Im Jahr 2003 haben die kanadischen Skigebiete schon fast ein Drittel ihrer internationalen Besucher verloren, da die einheimische Währung gegenüber dem US-Dollar um 20 Prozent anzog. Eine Umkehr dieses Trends ist vorerst nicht zu erwarten.

Auch mehr Amerikaner in die europäischen Alpen

Dagegen haben die Buchungen nach Jackson in Wyoming in dieser Wintersaison um 18 Prozent zugenommen. Selbst die entlegenen Skigebiete in Idaho bekommen immer mehr Anfragen. Und auch Killington in Vermont freut sich über zehn bis zwölf Prozent mehr Buchungen. Vor allem viele Kanadier haben sich dort angemeldet, wie David Dillon vom regionalen Skiverband mitteilt. In den Rocky Mountains sind es wiederum vor allem die Briten und die Deutschen, die nach Angaben örtlicher Reisebüros das Gros der ausländischen Touristen ausmachen.

Aus den europäischen Skigebieten kommen indessen noch keine Klagen. Das österreichische Tourismusministerium meldet für 2004 sogar einen Anstieg der amerikanischen Besucher um 13 Prozent - trotz des schwachen Dollars. Auch der Schweizer Tourismusverband rechnet mit einem bis zu zehnprozentigen Wachstum. Sprecherin Sylvia Devito führt dies vor allem darauf zurück, dass viele Urlauber ihre Winterreise schon vor dem Absturz des Dollars gebucht hätten.

Von John Miller, AP

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