Sky Marshals Fliegen mit der Lizenz zum Töten

Ein Sky Marshal führt ein entbehrungsreiches Leben. Er muss seinen Kontakt zur Familie auf ein Minimum reduzieren und 24 Stunden am Tag einsatzbereit sein. Das Gehalt ist verlockend, und viele reizt wohl auch die Aussicht, ein Held zu werden.


In voller Montur würden die Air Marshals den Überraschungseffekt verspielen
DPA

In voller Montur würden die Air Marshals den Überraschungseffekt verspielen

Washington - Es ist der Alptraum eines jeden Passagiers: Zwei Luftpiraten springen schreiend auf, stechen mit Messern auf Fluggäste ein und stürmen vor in Richtung Cockpit. Doch da erheben sich zwei groß gewachsene Männer, fordern die Passagiere mit lauter Stimme auf, sich auf den Boden zu werfen und erschießen die Hijacker mit gezielten Schüssen. Für die Passagiere ein glückliches Ende - zumindest bei dieser Übung der amerikanischen Luftfahrtbehörde FAA für ihr Sky-Marshal-Programm.

Nach den Selbstmordanschlägen vom 11. September in New York und Washington ist den meisten Amerikanern die Lust am Fliegen vergangen, zahlreiche Flüge werden gestrichen, viele andere sind nicht mal zur Hälfte besetzt. Mit einigem Aufwand versucht die US-Regierung deshalb, das wichtigste Langstrecken-Transportmittel in dem riesigen Land wieder populärer zu machen. Einer der Eckpfeiler des Programms von Präsident George W. Bush ist die massive Ausweitung des Sky-Marshal-Programms.

Die eingeschworene kleine Truppe von bisher etwa hundert Bordpolizisten soll um Hunderte oder gar Tausende neuer Mitarbeiter aufgestockt werden. Das Interesse ist groß: Von der FAA-Webseite, wurden nach Medienberichten bereits 150 000 Bewerbungsformulare heruntergeladen.

Für die "anspruchsvolle Stelle" wird ein Jahresgehalt zwischen 35.000 und 81.000 Dollar (74.000 - 172.000 DM) geboten. Dafür muss ein Sky Marshal sein Privatleben stark einschränken und natürlich bereit sein, im Ernstfall zu töten. Dabei ist der normale Alltag eines Bordpolizisten langweiliger als der einer Stewardess. Wenn er nicht gerade in einer Übung ist, fliegt der Aufpasser wochenlang zwischen anderen Passagiere mit und darf sich keinesfalls zu erkennen geben.

Um den erwarteten Ansturm zu bewältigen, wurden neben dem bisherigen Trainingszentrum in New Jersey schnell noch zwei weitere eröffnet. Zunächst werden dort Sicherheitsbeamte aus anderen Bundesbehörden trainiert. Besonders wichtig ist, den neuen Bordpolizisten beizubringen, im Falle eines Kampfes das Flugzeug so wenig wie möglich zu beschädigen. So steckt in den Waffen der Bordpolizisten eine Spezialmunition, die die Bordwand nicht durchdringt. Wie das stattliche Gehalt der vielen neuen Bordpolizisten auf Dauer bezahlt werden sollen, ist allerdings noch nicht ganz klar.



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