Solartaxi in Arizona "Wo sind hier die Einschusslöcher?

Das Solartaxi surrt durch die roten Felsen Arizonas. Louis Palmer genießt die Wüste, begegnet Navajo-Indianern und wundert sich über die Amerikaner. Trotz gnadenloser Sonne scheint Solarenergie hier fast unbekannt zu sein.

Draußen in der Wildnis Kaliforniens finde ich wieder etwas Ruhe. Las Vegas hatte uns in Atem gehalten - ich war froh, wieder weiterfahren zu können. Was seit Laos nicht mehr der Fall war, das genoss ich jetzt um so mehr: endlich wieder zwei Tage ohne Passagier zu fahren. Ich sitze alleine in meinem kleinen, blauen Auto und bin unterwegs auf dem Highway, umgeben von riesigen Felsen, Canyons und Schluchten.

Der Südwesten der USA ist eine der atemberaubendsten Landschaften, die uns auf der Reise begegnen. Rote Felsen, grüner Rasen, weißer Sand und braune Felsformationen wechseln sich ab, dazwischen Kakteen und - eine friedvolle Stimmung. Es gibt keine Häuser, keine Landwirtschaft, einfach nur Wüste. Die offene Landschaft verschafft mir neue Energie. Ich verliere mich in dieser Schönheit.

In Page, am Ufer des künstlich aufgestauten Lake Powell, suche ich gut drei Stunden nach einer Steckdose, die 240 Volt liefert. Dies findet man am ehesten in einer Werkstatt, doch heute ist Sonntag. Es ist fast aussichtslos.

Da komme ich mit zwei Männern ins Gespräch, die gerade vor ihrem Haus, das nach Werkstatt aussieht, ein Bier trinken. "Mit diesem Ding? Durch 28 Länder?", meint der eine, tritt ein paar Schritte zurück und beäugt das schrägste Fahrzeug, das er wohl je zu sehen bekommen hat. "Und wo sind hier die Einschusslöcher? Mann, zum Glück bist du hier in den USA, hier ist es sicher!"

Daraufhin wende ich ein, dass gerade die USA das wohl gefährlichste Land unserer ganzen Reise ist. Daraufhin der andere: "Echt? Ich dachte, in der Welt draußen sei es überall gefährlich, das sehen wir ja die ganze Zeit im Fernsehen!"

Seltsam, die Amerikaner

Am nächsten Tag fahre ich weiter, nachdem ein Freund der beiden mir seine Werkstatt geöffnet hatte und meine Batterie wieder geladen ist. Die Hilfsbereitschaft der Amerikaner bewundere ich jeden Tag von neuem. Die Sonne sticht, Autos bleiben am Straßenrand stehen, ganze Familien steigen aus und knipsen ein Foto.

Einmal hält mich ein Herr sogar an, und ich unterhalte mich mit ihm etwas länger. Beim Wort "globale Erwärmung" macht Joel große Augen. "China verursacht jetzt schon mehr Verschmutzung als die USA. Das kann nicht so weiter gehen, da muss etwas gemacht werden."

Seltsam, diese Amerikaner, denke ich mir, und fahre weiter. Immer wieder öffnen mir solche Gespräche die Augen und zeigen mir eine unbequeme Wahrheit: dass sich meine Wahrnehmung von der der meisten Menschen hier grundsätzlich unterscheidet.

Denn China war bisher das Land auf unserer Reise, wo wir am meisten Anstrengungen zum Übergang ins Zeitalter der erneuerbaren Energien gesehen haben. Auf fast jedem Hausdach wird Warmwasser aus Sonnenenergie produziert. Obwohl kaum ein anderes Land so viel Nebel und damit so wenig direkte Sonneneinstrahlung hat wie ausgerechnet China.

Hier in den USA hingegen fahre ich durch die sengende Bruthitze, und Solarzellen sehe ich nur neben einsamen Werbetafeln irgendwo in der Wüste. Die Nutzung der Solarenergie scheint fast unbekannt zu sein, obwohl ausgerechnet auch die USA an oberster Stelle der produzierten CO2-Emissionen pro Kopf stehen.

"Please smile!"

Am Abend treffe ich das Team im Navajo-Land wieder. Hier bin ich im größten Indianerreservat Nordamerikas, das sich von West nach Ost über 300 Meilen erstreckt. Und hier treffe ich auch Greg und Lyn an einer Tankstelle, ein einheimisches Ehepaar, das mir einen kurzen Einblick in ihre Welt erlaubt. "Hier leben noch gut 800.000 bis eine Million von uns Ureinwohnern. Unsere Kinder wachsen amerikanisch auf, und sie werden unsere Sprache bald vergessen. In ein paar Jahrzehnten, wenn wir 80 oder 90 Jahre alt sind, werden wir die Letzten sein, die noch Navajo sprechen."

Gerne wäre ich in die Siedlungen hinausgefahren, wo man auch heute noch ohne Strom lebt und wo die Ältesten kein Englisch reden. Doch die Zeit drängt, ich muss weiter.

Irgendwann, nach mehreren Stunden einsam auf dem Highway, überwältigt mich die Müdigkeit und Schönheit der Landschaft. Halte auf einem Feldweg und nicke ein. Kaum vergehen ein paar Minuten, steht eine Familie um mein Fahrzeug herum, bewaffnet mit einem Fotoapparat, und die Dame schreit: "Please smile, bitte lächeln!"

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