Solartaxi in Australien Bikini, BBQ und Bürokraten

Das Solartaxi ist in Down Under angekommen. Von der Lockerheit der Australier spürt Louis Palmer aber zunächst wenig: Auf seiner Tour mit Salatöl-Rudi trifft er auf absurde Vorschriften und pedantische Vertreter der Bürokratie.


Großes Hallo in Sydney: Wir treffen unseren Salatöl-Rudi wieder. Er hatte uns mit seinem mit Mercedes mit Speiseöl-Antrieb schon von Jordanien quer durch Saudi-Arabien bis nach Dubai begleitet. Nun sehen wir uns nach vier Monaten wieder. Rudi ist ebenfalls soeben in Sydney angekommen, nachdem er seinen Mercedes von Dubai aus direkt nach Perth in Westaustralien verschickt hatte.

Das Solartaxi steckt noch im Hafen fest. So nimmt uns Rudi mit seinem Mercedes durch die Stadt Sydney mit, und sein mit zwei Fahnen dekoriertes und mit zwei großen Ölfässern bestücktes Auto sorgt für Aufsehen – doch nicht nur zu seiner Freude. Hinter uns heult eine Sirene. Rudi fährt an den Straßenrand.

Eine Polizistin lässt ihn gleich in ein Röhrchen blasen, denn er habe dem Polizeiauto, das am Straßenrand gewartet hatte, scheinbar keinen Vortritt gewährt. Die Polizistin nimmt es mit Humor – beim Anblick von Rudis Auto lacht sowieso die halbe Stadt. "Haben Sie in den letzten zwei Stunden Alkohol getrunken?", will sie zum Schluss wissen, doch Rudi antwortet ganz gewissenhaft und ohne Scherz: "Also, Madame, ich habe seit 20 Jahren keinen Schluck mehr getrunken!"

Jetzt nur nicht auffallen...

Kaum sind wir ein paar Häuserblocks weiter, ertönt die nächste Polizeisirene hinter uns. Rudi zieht zur Seite und steigt in die Eisen. Was ist denn jetzt wieder los? Diesmal will ein junger Polizist wissen, wieso Rudi "no registration", also kein Nummernschild habe. Rudi nimmt es locker, denn er wurde auf der ganzen Strecke von Luzern bis Sydney noch kein einziges Mal angehalten - und jetzt zweimal hintereinander, nur weil er ein exotisches Nummernschild hat. "Wie bitte, ich und keine Registration? Das ist ein Schweizer Nummernschild", entrüstet sich Rudi.

Der Polizist scheint etwas durcheinander, und Rudi präsentiert seine Papiere und redet in fließendem Schweizerdeutsch-Englisch auf ihn ein. Oh Gott, denke ich mir, bei Rudi sehen nur die Nummernschilder gebastelt aus - doch beim Solartaxi ist das ganze Auto eine einzige Bastelei. Wie werde ich wohl mit dem Solartaxi den Blicken der australischen Polizisten entkommen? Doch dies sollte nicht die einzige ganz unerwartete Schwierigkeit in Australien werden.

Sechs Millionen Euro Versicherungssumme

Wir planen einen Presse-Event in Sydney. Doch die Suche nach einem Präsentationsort für unsere der Autos verläuft erfolglos. Alle Institutionen, die Grundstücke vermieten, fordern von uns eine Haftpflichtversicherung - für den Fall, dass jemand neben dem Solartaxi einen Schwindelanfall erleidet und klagt. Am besten sollen wir uns für eine Summe von sechs Millionen Euro versichern lassen, hören wir. Ich kann es kaum glauben. Australien scheint nicht nur in Richtung USA und dortige Verhältnisse zu driften, sondern schon dort angekommen zu sein.

Wir sind im Land der Gegensätze: lauter lockere Menschen, alle gut und easy drauf, Bier, Beach, BBQ und Bikinis. Die gleichen Australier fordern für einen Autoführerschein 150 Stunden Praxis mit einem erfahrenen Begleiter. Dann wiederum: Im Bundesstaat New South Wales ist eine Haftpflichtversicherung für Motorfahrzeuge eine freiwillige Angelegenheit.

Unfreiwillig lassen wir das Solartaxi am Hafen vom Zoll begutachten. Schon nach fünf Minuten ist die Sache erledigt. Die Schranke geht auf, und – und willkommen in Australien! Doch nein, nicht Vollgas nach Perth. Zuerst fahre ich Vollgas in Bobs Werkstatt. Das hintere Fahrwerk hat – bereits zum vierten Mal – einen Riss.



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