Solartaxi in Boston Dinner mit Nobelpreisträger

Volles Programm an den Top-Unis der USA: In Harvard und am MIT hält Solartaxi-Fahrer Louis Palmer Vorträge über seine Weltumrundung mit Sonnenkraft. Einen Rückschlag erlebt er bei der Reiseplanung - das Schiff nach Afrika muss erst mal repariert werden.

Das letzte Kapitel Nordamerika steht nun vor mir. In 24 Stunden geht es von New York nach Boston und dann durch Vermont hinauf nach Montréal. Von dort aus soll das Solartaxi dann so bald wie möglich nach Afrika verschifft werden. Doch auf der Autobahn erhalte ich am Handy die Hiobsbotschaft: Das Schiff, das für die Atlantikquerung gebucht war, liegt im Dock. Ein Motorschaden ist schuld, und im besten Fall wird es mit zwei Wochen Verspätung weiterfahren.

Ich verliere wertvolle Zeit, die in Europa fehlen wird. Und eine andere Alternative, ein anderes Schiff - so die Logistik-Fachleute - gibt es nicht. Man werde schauen, heißt es. Mein Ziel ist es, am 1. Dezember zur Weltklimakonferenz in Polen zu sein, vorher soll es durch mindestens ein Land in Afrika und noch ganz Westeuropa gehen. Doch dies wird ein Wunschtraum bleiben. Im besten Fall muss ich nur Afrika streichen.

In Boston erwartet mich der Schweizer Konsul Emil Wyss bei der Tufts University. In jeder Stadt sind es die Schweizer Vertretungen, die meinen Aufenthalt organisieren, und überall ist das Programm wieder anders. Doch hier ist selbst das Konsulat anders: einquartiert in einem Gebäude, in dem alle Jungfirmen untergebracht sind. Hier gibt es weder Sicherheitsglas noch Panzertüren. Emil erklärt, dass das Konsulat vor allem Studenten anziehen will, man gibt sich hier betont offen und kooperiert vor allem mit den Universitäten. Gut 300 gibt es davon in dieser Stadt und rund 300.000 Studenten.

Auftritte an berühmten Unis

Während meiner 28 Stunden in Boston sind drei Vorträge geplant, und zwar an der Tufts, am weltberühmten Massachusetts Institute of Technology (MIT) sowie in Harvard. Letztere ist nicht nur die älteste Universität der USA (gegründet 1636), sondern auch die vielleicht renommierteste Uni der Welt, und hier soll ich vor rund 30 Professoren, Stadtvertretern und Medienleuten bei einem Lunch-Meeting sprechen.

Bei mir am Tisch sitzt James McCarthy. Der Professor hatte im vergangenen Dezember, zusammen mit Rajendra Pachauri, für den Weltklimarat den Friedensnobelpreis in Empfang genommen. Von ihm möchte ich wissen, wie denn die Chancen stehen, dass die nächste Weltklimakonferenz in Polen ein Erfolg wird. "Das hängt zu einem großen Teil davon ab, wie die Position der USA sein wird", so McCarthy. "Beide Präsidentschaftskandidaten wollen sich für den Kampf gegen die globale Erwärmung engagieren. Daher bin ich optimistisch, dass Polen ein Erfolg wird."

Nach gut zweieinhalb Monaten im Land kann ich auch selbst Bilanz ziehen. In den USA, weltweit verschrien als verantwortlich für 25 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes, und das, obwohl nur drei bis vier Prozent der Weltbevölkerung hier wohnt, hat sich ein enormer Bewusstseinswandel vollzogen. Ich würde fast schon behaupten, dass es kaum ein Land gibt, wo die Menschen so gerne und so schnell Schritte gegen den Klimawandel unternehmen würden wie hier, doch die Politik reagiert anders und hinterlässt eine Ohnmacht.

Ich verlasse demnächst ein Land, das an Selbstvertrauen stark verloren hat. Alles wartet nur noch auf den November, auf einen politischen Neuanfang. Man spricht von kaum mehr etwas anderem als von den Wahlen. Und schaut nach vorne. Ich habe noch keinen US-Amerikaner getroffen, der gerne auf die letzten acht Jahre zurückblickt.

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