Solartaxi in Chicago Dem Himmel ganz nah

Panoramablick vom vierthöchsten Gebäude der Welt: Chicago sieht sich das Solartaxi-Team vom Dach des Sears Tower an. Vor lauter Begeisterung lässt Louis Palmer sein Gefährt im Halteverbot stehen.

Nach sieben Tagen Fahrt quer durch den Mittleren Westen erreichen wir die drittgrößte Stadt der USA, Chicago. Camille Jumly, der Schweizer Manager des Sears Tower, zeigt uns den Ausblick vom Dach des Hauses. Noch bis 1997 war der 442 Meter hohe Turm mit seinen 110 Etagen das höchste Gebäude der Welt, jetzt liegt er nur noch auf Rang vier. Mehrere Lifte katapultieren uns nach oben, doch für die letzten fünf Stockwerke müssen wir die Treppen nehmen.

Dafür müssen wir oben nicht durch eines der 16.100 Fenster schauen, die dieses Gebäude besitzt, sondern genießen die freie Sicht. Hier präsentiert sich in windiger Höhe ein atemberaubender Ausblick über den Lake Michigan und die Innenstadt. Wir haben hier buchstäblich einen Höhepunkt der USA-Reise erreicht. Wir sind dem Himmel ganz nah.

Nach Tagen, wo wir uns nur von Fast Food oder ab und zu auch gar nicht ernährt haben, kommt uns eine Einladung vom vielleicht berühmtesten Koch der Stadt vor wie ein Geschenk des Himmels. Vor gut 30 Jahren ist er aus der Schweiz ausgewandert, heute kennt "Chef Hans" fast jeder in der Stadt. Er tischt uns ein Medium-through-Steak auf sowie eine Crème Brulée, wie wir sie noch nie gegessen haben.

Mit sattem Bauch wagen wir uns auf einen kleinen Spaziergang durch die Stadt. Denn unsere eigene Batterie war vorher – gelinde gesagt – zu weit unten, um zu Fuß die Stadt zu erkunden. Das Solartaxi haben wir auf der Straße vor dem Restaurant abgestellt und spazieren jetzt einfach davon. Wir haben auf der ganzen Reise noch keinen Strafzettel gekriegt. Wäre ja mal an der Zeit, oder?

Übernachtung im 53. Stock

Wer in Chicago wohnt, behauptet nicht selten, dies sei die angenehmste Großstadt der USA. Riesige Wolkenkratzer, kunstvoll verziert, säumen den Chicago River. Angenehm ist, dass alles in Downtown zu Fuß erreichbar ist. Später, zurück beim Solartaxi (immer noch kein Knöllchen) und zurück beim Sears Tower, hört Camille, dass die Universität es verpasst hat, uns ein Hotelzimmer zu buchen. Spontan lädt er Frank und mich zu sich in sein Apartment ein – ins 53. Stockwerk.

Wir beide kriegen je ein Gästezimmer mit Blick auf die Skyline. Die Sicht von meinem Bett aus auf die ewig brennenden Lichter der Stadt lässt mich noch lange nicht einschlafen. Auch wenn ich jetzt eigentlich todmüde sein müsste. Chicago hat alle Lebensgeister in der späten Nacht wieder geweckt. Unser Chefmechaniker Thomas, so sind wir uns einig, hat heute etwas verpasst.

Er wollte unbedingt noch etwas länger in den Rocky Mountains bleiben, und so ist er noch nicht in Chicago, sondern mit dem Begleitfahrzeug irgendwo in der Prärie.

Leider bleiben aber auch wir zwei nur zwei Nächte hier. Wir besuchen noch das Illinois Institute of Technology, um dann nach Detroit weiterzufahren. Als Nächstes wollen wir herausfinden, weshalb die amerikanische Automobilindustrie schwächelt. Und ob es überhaupt noch etwas gibt, was sie noch retten kann.

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