Solartaxi in Jordanien Sonnenfelsen und Feuerfische

Ob Marslandschaft oder Unterwasserwelt – auf touristischen Pfaden sucht Solartaxi-Fahrer Louis Palmer in Jordanien nach Spuren des Klimawandels. Geplant waren die Sightseeing-Touren nicht: Das Team wartet immer noch auf ein Visum für Saudi-Arabien.


Endlich kommt Bewegung in die Sache. Wie es aussieht, rückt unsere Weiterreise aus Amman in greifbare Nähe. Dabei ist diese Stadt schon fast unser Zuhause geworden, und ich finde mich im undurchschaubaren Strassengewirr schon fast so gut zurecht wie in Luzern. Nach einem diplomatischen Marathon der Schweizer Vertretungen sind wir nun voraussichtlich ab dem 5. September in Saudi-Arabien herzlich willkommen.

Auch die letzten Tage haben wir gut genutzt, um die Vielfalt Jordaniens im vollen Maße auszukosten, so dass wir bisher einen ziemlich guten Überblick über das Land gewonnen haben. Wir haben die Zeit genutzt, um uns die zweitgrößte Stadt, Akaba im Südosten des Landes, anzusehen. Dieser wichtige Verkehrs- und Handelsknoten liegt in günstiger Lage an Jordaniens einzigem Zugang zum Meer, der nordöstlichen Spitze des Roten Meeres.

Auf Augenhöhe mit Feuerfischen und Muränen

Die Korallenriffe des Roten Meeres sind weltweit für ihre Schönheit bekannt, und so borgten wir uns bei Abdullahs Tauchschule ein paar Schnorchel und Flossen und warfen uns in die Wellen. Wir wollten wissen, wie stark die globale Erwärmung auch diesem Riff hier zusetzt. Schließlich hat die UNO einen Bericht vorgelegt, nach dem bis im Jahr 2020 gut 60 Prozent aller weltweiten Korallenriffe unwiederbringlich zerstört sein werden.

Nach einer Erkundungstour, bei der wir Feuerfischen und Muränen zum Anfassen nahe kommen, strahlt der lokale Tauchlehrer. Nein, Klimawandel gibt es hier noch nicht, meint er. Die Korallen des Golfs von Akaba liegen in einer sehr begünstigten Lage. Der Golf ist nur 14 Kilometer breit, aber doch 2000 Meter tief. Das sorgt dafür, dass die Wassertemperatur noch nicht gestiegen ist. Aber, so Abdullah, würde das Wasser auch nur ein wenig wärmer, könnte das Korallensterben auch hier einsetzen. Abdullah wird sich über die Umsätze kaum beklagen können. Auch wenn sich in dieser heißen Jahreszeit kaum ein Tourist nach Akaba verirrt.

Auf dem Rückweg in die Hauptstadt, ganz nahe an der saudischen Grenze, liegt Wadi Rum, ein weiteres Highlight. Bizarre, vom Wüstenwind geformte Felsen geben dem Besucher das Gefühl, auf dem Mars zu sein. Ein unvergessliches Farbenspektakel spielt sich jeweils bei Sonnenauf- und -untergang ab. Dann werden die gigantischen braunen Felsformationen durch die tiefe Sonne in rote Farbe getaucht. Einfach atemberaubend.

Mit neuer Energie kamen wir nach Amman zurück. Das war wichtig, denn jeder im Team erlebte in den letzten Tagen mindestens eine schlaflose Nacht. Rudi bangte um seinen 26 Jahre alten Benz, denn er spürte ein ungewohntes Wackeln, was er auf die Hitze und defekte Radlager zurückführte. In Amman stellte eine Werkstatt fest, dass sein Reifen wegen der Hitze hinten eine Auswölbung hatte. Glück für uns alle, denn der Reifen wäre wenige Kilometer später in tausend Stücke explodiert.

Thomas hatte Grund zur Sorge wegen des defekten Turboladers. Da Dieselfahrzeuge in Jordanien unbekannt und verboten sind, war es ein großes Fragezeichen, ob wir dieses Teil ersetzt kriegen. Doch als wir nach Amman zurückkamen, war auch dieses Problem durch die Werkstatt (und Allahs Hilfe?) bereits gelöst worden. Sören vollbrachte das Unmögliche und erkältete sich bei 40 Grad - durch den Fahrtwind im Auto. Und ich sorgte mich um die Visa. Hat das Warten nun ein Ende? Wir werden es bald wissen.



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