Solartaxi in Kanada Poulet frits statt Fried Chicken

Irgendwie fällt Louis Palmer der Abschied von den USA schwer. Im kanadischen Québec begegnet er dann dem französischen Sprachpurismus und muss sich an einem autofreien Tag durch dichten Stadtverkehr kämpfen.

Während ich mich der kanadischen Grenze nähere, erinnere ich mich an die vielen Eindrücke in den USA: das Hightech-Wunderland Silicon Valley, die wilde Westküste, das heiße Arizona mit den wunderschönen Gesteinsformationen - und das gigantische Maisfeld. Kurz nach Denver bin ich in ein Maisfeld reingefahren, und erst in Chicago kam ich wieder raus. Dann Washington mit seinen Spürhunden und das weltoffene New York, die Stadt, die niemals schläft.

Nach fast drei Monaten werde ich die USA wieder verlassen. Doch vorher kommt noch - Vermont! Ein Bundesstaat, von dem die eigenen Bewohner behaupten, das es gar nicht mehr richtig Amerika ist. Das kleine Dorf namens Brattleborow, wo ich heute erwartet werde, hat erst kürzlich Präsident George W. Bush und seinen ehemaligen Vize Dick Cheney in einer Abstimmung auf die "Most wanted"-Liste gesetzt. Käme der Präsident oder sein ehemaliger Vize ins Dorf, müsste der Sheriff die beiden sofort festnehmen.

Als ich durch die grünen Hügel von Vermont kurve, stelle ich fest, dass die Vielseitigkeit der USA wohl kaum mehr zu überbieten ist. Endlose Wälder und ein tiefblauer See begleiten mich über Hunderte Kilometer. Ich fahre durch die Inselwelt des Lake Champlain.

"Poulets frits de Kentucky"

Nach der Grenze Kanadas ist plötzlich Einöde. Fast schon Steppe. Und auf den Verkehrsschildern steht nun nicht etwa "Stop", sondern "Arret". Mit Montréal erreiche ich die größte zweisprachige Stadt Nordamerikas. Meine Gastgeberin Julianna Priskin erzählt mir, dass es hier ein wohl in der Welt einmaliges Gesetz gibt, der Paragraf 101: Jeder Laden in Québec muss sein Sortiment auf Französisch mit ebensolch großen Buchstaben anschreiben wie auf Englisch.

"Tatsächlich gehen Inspektoren täglich von Laden zu Laden und schauen, dass die französische Sprache nicht zu klein gedruckt wird. Und jeder Bürger kann im Internet ein Formular runterladen und der Behörde melden, wo etwas unkorrekt geschrieben ist", erzählt Julianna. Die Öffentlichkeit diskutiert momentan fleißig, ob internationale Ketten nicht auch ihren Namen abändern sollten. "Kentucky Fried Chicken" würde dann "Poulets frits de Kentucky" heißen. Man fürchte hier nämlich nichts mehr, als dass die französische Sprache aussterben könnte.

In der Hauptstadt Ottawa, genau 200 Kilometer westlich, schleiche ich durch den Morgenverkehr. Kaum zu glauben, wie viele Autos die Straßen der 900.000-Einwohner-Stadt verstopfen. Als ich dann bei der Schweizer Botschaft vom Fernsehsender CBC gefragt werde, was ich von der Idee des heutigen "autofreien Tages" halte, mache ich große Augen: "Was? Ausgerechnet heute habt ihr autofreien Tag?"

Der Jahrzehnte-Streit um die Straßenbahn

In Nordamerika, so sehe ich, gibt es gar keine Alternative zum Auto. Gut gemeinte Kampagnen hin oder her. In der Innenstadt Ottawas verteilen ein paar Studenten heute gratis Tee an jeden Radfahrer, während im Parlament darum gerungen wird, ob endlich eine Straßenbahn gebaut wird. Dieser Streit dauert schon mehr als 20 Jahre. Und noch es ist immer nichts entschieden. Da sich dieses Projekt über mehrere Regierungsperioden erstrecken würde und keine Regierung so ein 20-Jahre-Projekt durchziehen kann, lässt man lieber alles beim Alten. Ebenso in Montréal. Die U-Bahn quillt über, aber neue Bahnen zu bauen kommt nicht in Frage.

Mit Montréal habe ich endlich mein Endziel hier in Nordamerika erreicht. Doch meine größte Frage ist, wann endlich das nächste Schiff nach Europa fährt. Mein gebuchtes Schiff musste ins Trockendock und fällt nun bis auf weiteres aus. Ich bin zutiefst betrübt und fürchte, die Weltklimakonferenz in Polen zu verpassen. Wie lange werde ich wohl in Montréal warten müssen?

Endlich klingelt das Telefon: "Es gibt eine neue Möglichkeit", meint meine Schifffahrts-Agentin namens Thao, " am 2. Oktober müssen Sie die Fahrzeuge im Hafen abgeben. Dann schicken wir den Container nach Halifax, und von dort könnten wir den Container mit einem anderen Schiff weitersenden nach Barcelona. Können Sie den am 17. Oktober dort abholen?"

Ich mache einen Freudensprung. Unser Zeitplan kann eingehalten werden!

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