Solartaxi in Polen Warten auf Al Gore

Trotz großer Aufmerksamkeit für sein Solartaxi und enormer Medienresonanz: Louis Palmer hatte vom Klimagipfel in Posen mehr erwartet. Denn das Interesse an Klimawandel und Erderwärmung hat durch die Finanzkrise spürbar abgenommen.


Zuerst einmal die gute Nachricht: Die Meldung von der Ankunft des Solartaxi ging um die Welt. Vor allem freute mich der Bericht der Agentur Associated Press, der mit diesen Worten zu Ende kam: "Während drinnen die Delegierten darum ringen, dass eine Reduktion der Treibhausgase um 10 - 20 Prozent möglich sein sollte, so zeigt das Solartaxi, dass es möglich ist, die Abgase um 100 Prozent zu reduzieren. Das ist, was wir für die Zukunft brauchen!"

Gestern hat Thomas Dr. Rajendra Pachauri, den Chef des Weltklimarates, für ein Interview für unseren Dokumentarfilm organisiert. Wir treffen Dr. Pachauri nach Delhi und Bali bereits zum dritten Mal auf unserer Reise. In Bali noch hatte er gesagt: "Das Bewusstsein für die Globale Erwärmung ist jetzt auf einem Allzeit-Hoch."

Heute gibt er schon etwas mehr zu denken: "Leider ist das Bewusstsein für die globale Erwärmung nicht so stark wie es sein müsste. Wenn man bedenkt, wie viel Geld jetzt weltweit in die Rettung der Wirtschaft gepumpt wird, und wie viel man mit nur einem Bruchteil davon hätte machen können, um die Erderwärmung zu verringern, unsere eigene Zukunft zu bewahren!" Ja, so gibt er zu, manchmal sei er wütend, weil er nämlich auch nicht begreifen könne, weshalb gewisse Staatschefs die Wichtigkeit der globalen Erwärmung nicht begreifen können.

Es war ein sehr interessantes Gespräch, in dem er viele Fragen aufwarf: Wo sind die Staatsführer, wenn es um die globale Erwärmung geht? Weshalb bringen die es fertig, die Mehrheit des Volkes für einen Krieg zu mobilisieren, nicht aber für den Kampf gegen den Klimawandel?

Am Schluss fragte Thomas ihn, ob er denn noch an die Rettung der Erde noch glaube. Daraufhin lachte er: "Sicher! Ich bin von Natur aus ein Optimist! Sonst würde ich mich nicht so engagieren, um die Welt jetten, wenig schlafen und unter schwierigen Bedingungen durchs Leben hetzen."

"Die Leute mögen das nicht mehr hören"

Danach traf ich einen Journalisten von einem großen deutschen Medienhaus, den ich von Bali her noch kannte. "Wissen Sie, das Bewusstsein für die globale Erwärmung war in Bali am höchsten." Jetzt habe so manche Zeitung aus Deutschland keinen Journalisten nach Polen geschickt, weil das zu teuer sei. "Und die Leute mögen das Thema nicht mehr hören."

Es ist kalt draußen. Und die Konferenz hat nicht den Charme, den die Bali-Konferenz hatte. Es ist nur wenig Presse vor Ort, und die ganze Stimmung ist so, als ob alle möglichst schnell wieder abreisen möchten. Trotzdem sehe ich viel Engagement, viele Staaten haben neue Vorschläge eingebracht.

Einzig die USA blockieren immer noch, so lange sie können. Und so lange das so ist, werden die anderen Staaten sich verstecken und durchmogeln, flüstert mit ein Insider zu. Alles wartet auf ein klares Zeichen aus den USA. Am Freitag kommt Al Gore. Ob er hier noch etwas einheizen kann? Ich hoffe, er bringt gute Neuigkeiten! Die Konferenz hat's nötig.

Heute Morgen holte ich Achim Steiner, den Direktor des UNO Umweltprogramms, in seinem Hotel ab. In Bali war er schon einmal mein Passagier gewesen, und dort meinte er noch: "Die Menschen sind ja keine Lemminge! Natürlich wird man etwas gegen die globale Erwärmung tun!" Heute meint er zur Zukunft der Menschheit: "Ich sehe es gedämpft positiv."



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