Solartaxi in Saudi-Arabien Kalte Wüste, leerer Tank

Saudi-Arabien – wir kommen! Das Solartaxi hat endlich die Erlaubnis, in das Königreich einzureisen. Doch noch vor dem Grenzübergang spicken Zerstörung und Zerstreutheit die Weiterfahrt mit Herausforderungen für Louis Palmer und sein Team.


Das ewige Warten auf das Visum für Saudi-Arabien ist vorbei. Jordanien liegt hinter uns, und es will noch nicht so richtig in unsere Köpfe hinein, dass wir so plötzlich wieder den endlosen Asphalt unter den Reifen haben. Aus der öden Steinwüste ist eine Horizont füllende, goldene Dünenlandschaft geworden, enge verwinkelte Gassen wurden zu monumentalen Prachtstraßen mit üppiger künstlicher Begrünung - wir nähern uns dem Golf.

Dabei begann der gestrige Tag in Amman wie die meisten anderen der letzten drei Wochen. Wir haben gehofft, die Bürokratie zu besiegen, aber die Erfahrung dämpfte unseren Optimismus. Um die Mittagszeit war ein viel versprechender Besuch in der saudischen Botschaft angesagt, man hatte uns wissen lassen, dass die lange erwartete Vorgangsnummer eingetroffen war. Und dann ging alles ganz schnell.

Minuten vor Beginn des Wochenendes verließen wir die Botschaft als stolze Besitzer des druckfrischen unscheinbaren Aufklebers in unseren Pässen, um den wir so lange gebangt hatten: Ein Transitvisum zum 14-tägigen Durchqueren des Landes, gültig ab sofort. Also keine Minute mehr verschenken - innerhalb kürzester Zeit ist das Solartaxi wieder startklar. Das Tagesziel: Ma'an im Süden Jordaniens. Wer hätte aber gedacht, dass es in der Wüste nach Sonnenuntergang so kalt werden kann? Während der letzten Stunde der Fahrt fällt das Thermometer konstant, und zuletzt ist es im Solartaxi nur noch mit Pullover und Jacke auszuhalten. Frierend durch die Wüste. Was eine verrückte Reise!

Stromstecker des Solarmobils ist verschwunden

Heute Morgen gedämpfte Euphorie: Das Stromkabel des Solartaxis hat jemand über Nacht zerstört, der Stecker ist auf mysteriöse Weise verschwunden, und vor allem ist unser Akku nicht geladen wie geplant. Na schön, wir sind das Warten gewohnt. Da können uns ein paar Stunden Verzögerung zum Nachladen nicht mehr aus der Fassung bringen.

Auf eine (kleine) Katastrophe folgt die nächste: Eine Stunde vor der Grenze ist plötzlich der Tank leer. Diesmal aber nicht der Stromtank, sondern der Dieseltank des Begleitfahrzeugs. Thomas und Sören haben durch die Freude über die Weiterfahrt völlig übersehen, den Bus aufzufüllen. Nur noch warme Luft im Tank, rundherum gähnende Leere, und hundert Kilometer weit zur nächsten Tankstelle. Soll nun tatsächlich das Solartaxi den Bus abschleppen? Zum Glück hält nach einiger Zeit ein Lkw, nachdem etwa 20 andere mit wahnsinniger Geschwindigkeit an uns vorbeigedonnert waren. Schnell wechseln einige Liter den Besitzer, das sollte uns erst mal reichen. Dass wir auch noch vom Fahrer, der übrigens Phosphat aus der Wüste abtransportiert, zum heißen Tee eingeladen werden, hatten wir nun wirklich nicht erwartet.

Eskorte mit Blaulicht

Der Grenzübergang zu Saudi-Arabien ist unerwartet einfach. Keine langen Formalitäten. Hier sind wir nun, im Erdölland Nummer eins. Nirgendwo auf der Welt tankt man billiger als hier: Einmal Auffüllen für den Begleitbus kostet ganze drei Euro. Wir sind ja gespannt, wie uns Saudi Arabien erwartet.

Und dann erscheinen wieder die Sirenen und Blaulichter, wie wir sie aus Syrien kennen. Auch die Saudis stellen uns freundlicherweise eine Polizeibegleitung zur Verfügung, und nach der Fahrt durch ausgedehntes Bewässerungsland zum Fruchtanbau erreichen wir die breiten Straßen Tabuks, unseres Tagesziels. Die Eskorte erwartet uns morgen früh um 7.30 Uhr zur Weiterfahrt.

Dabei hatte ich den Polizisten noch gebeten, mich vorher noch zu einer Versicherungsagentur zu führen, um das Solartaxi für die nächsten zwei Wochen zu versichern. "Wozu brauchen Sie das?" war die verwunderte Antwort. "Sie werden doch die ganze Zeit von uns begleitet, da kann doch gar kein Unfall passieren!" Na dann gute Nacht, heute werden wir sicher gut schlafen.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.