Solartaxi in Washington Inkognito vorm Kapitol

In der Hauptstadt der USA hat das Solartaxi einen wichtigen Auftritt: Vor dem Kapitol darf Louis Palmer sein umweltfreundliches Vehikel präsentieren - doch die Kongressabgeordneten haben sich aus dem Staub gemacht. Dabei ist Washington überraschend grün.

Plötzlich heulen drei Polizeiautos hinter mir. Ich fahre an den Straßenrand, halte die Hand am Lenkrad und warte auf die Beamten. Fahrausweis? Nummernschild? Zulassungspapiere? Nein. Die Polizisten haben mich nur angehalten, weil sie noch nie ein Solarfahrzeug gesehen haben. Sie haben ihren Spaß am Vehikel und kleben am Schluss noch einen Aufkleber auf meine Frontscheibe: „Falls du je wieder von den Troopers angehalten wirst, dann zeig ihnen diesen Aufkleber. Das bedeutet, dass du schon einmal von uns überprüft wurdest. Damit dich keiner lange aufhält."

Die Berge und endlosen Wälder von Pennsylvania haben es in sich. Hunderte Kilometer kein flacher Meter. Entweder geht's steil aufwärts, oder steil runter. Unsere Batterie mag das nicht. Die normale Betriebstemperatur unserer Hochenergiebatterie liegt bei 300 Grad, wir fahren nun schon länger mit über 330 Grad. Bevor sie sich selbst abschaltet, machen wir lieber einen Halt - in Orbisonia. Ein paar Hundert Einwohner leben hier. Es gibt einen Hardware-Laden und ein altes Lokomotivdepot, das wir uns anschauen. Sechs Schmalspur-Dampflokomotiven werden dort ausgestellt.

Keine Hilfe von der Feuerwehr

Überall treffen wir in Amerika sehr offene und hilfsbereite Menschen. Eine Ausnahme erleben wir in Tyrone. Es gibt hier keinen Zeltplatz, also versuchen wir's bei der Feuerwehr, so wie immer, wenn wir einen "Notfall" haben. Ob wir hier über Nacht Strom beziehen dürfen, möchte ich von einem Feuerwehrmann wissen, der einsam vor seinem Truck steht, als ob er nur auf King Kong wartet, der einen Wolkenkratzer abreißen will. „Der Chef ist nicht da", murrt er gelangweilt zurück. „Habt ihr keine Telefonnummer von ihm", will ich wissen. „Der Chef ist irgendwo in der Stadt. Ich habe keine Nummer von ihm. Verstanden?" Wir surren weiter, übers Bahngleis. Die andere Hälfte dieser 5000-Seelen-Gemeinde hat auch eine große Feuerwache. Hier zucken alle Männer gleich die Fotoapparate und alle amüsieren sich über die Kollegen: „Ja, die Jungs von der anderen Feuerwache sind einfach so. Helfen tun sie nicht."

Am nächsten Tag fahren wir in der US-Hauptstadt ein. Unser Presse-Event soll vor dem Kapitol  stattfinden, auf dem Parkplatz. „Bitte alle Abstand halten", ruft ein Polizist, während er mit seinem Polizeihund das Auto auf gefährliche Substanzen überprüft. „Und jetzt alle Logos abdecken!" Wie bitte? Ich staune, doch wir haben keine Wahl: Wer sein Auto auf dem Parkplatz vor dem Kapitol abstellt, darf gemäß der Vorschrift keine Logos zeigen. Das könnte, so sagt man uns, die Kongressabgeordneten „irritieren".

Gratiseintritt in Museen

Und so fahren wir mit flatterndem Papier und Klebestreifen auf dem Solartaxi vor den Medien herum. Was die Leute vor dem Fernseher wohl dabei denken, wenn sie ein solarbetriebenes Papierauto sehen, das um die Welt fährt? Leider treffen wir keinen einzigen Kongressabgeordneten. Weil die Republikaner diese Woche ihren Parteitag abhalten, ist auch kein Demokrat in der Stadt. Schade, wir sind zur falschen Zeit hier. Aber immerhin treffen wir die Abgeordneten der Stadt. Diese sind sehr interessiert an Autos, die keine Abgase verursachen, und auch stolz darauf, dass Washington nach New York die niedrigste Zahl von Autos pro Einwohner besitzt.

Washington gilt als grüne Stadt. Sie ist eingekreist von Wäldern und macht auch in der Stadt drin den Eindruck, sie sei im Grünen entstanden. Es gibt hier eine U-Bahn und ein gut ausgebautes Busnetz - dass viele Haushalte kein Auto besitzen, leuchtet ein. Ich vertreibe meine freien zwei Stunden im Zoo. Der Eintritt ist gratis, so wie in fast allen Museen der Stadt. Gerne wäre ich noch länger in der Hauptstadt geblieben, es gibt hier viel zu sehen. Doch die nächste Stadt ruft schon: New York.

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