Solartaxi unterwegs Wo Silizium gekocht wird

Das Solartaxi hat inzwischen einen Hüpfer über den großen Teich gemacht - aber nicht wie geplant nach Afrika, sondern nach Spanien. Zuvor entdeckte Louis Palmer in Québec noch die funkensprühenden Hochöfen der Siliziumproduktion, in denen der Rohstoff für Solarzellen entsteht.

Wir sind mittlerweile in Barcelona angekommen. Endlich. Unser Schiff, das uns eigentlich von Kanada nach Afrika hätte befördern sollen, musste wegen einer Panne ins Trockendock. Uns reichte daher die Zeit für den Abstecher nach Afrika nicht mehr - und das nächste Schiff, welches wir buchen konnten, hat direkt Barcelona angesteuert. Nun werden wir von hier aus durch Frankreich und Nordeuropa zur nächsten Weltklimakonferenz nach Poznan in Polen fahren. Gerade sitze ich in der spanischen Stadt in einem türkischen Lokal, bestelle eine Paella, neben mir ein schwitzender kolumbianischer Lkw-Fahrer, draußen die mit Touristen vollgestopfte Rambla.

Doch der Reihe nach: In Québec blieb durch die Panne genügend Zeit für eine Rundfahrt. Zunächst zur Firma Silicon Becancourt, die das Rohmaterial für die Herstellung von polykristallinen Solarzellen produziert. In der Nähe des Unternehmens gibt es eine riesige Quarzmine, die nach Jahren des wirtschaftlichen Dümpelns nun endlich volle Auftragsbücher hat. Denn für Silizium, das aus diesem Quarz gewonnen wird, ist auf dem Weltmarkt die Nachfrage richtig explodiert und Silicon Becancourt expandiert.

Der Unternehmenschef Rene Boisvert nimmt mich mit auf einen Rundgang durch die ganze Anlage, die mich eher an ein Stahlwerk erinnert. Der Ofen glüht, es funkt und zischt. Doch hier in diesem Industriewerk wird mit einem besonders energiesparenden Prozess die Energie der Zukunft hergestellt, und Rene erklärt: "150.000 Tonnen Quarz werden hier jedes Jahr zu 50.000 Tonnen Silizium verarbeitet. Von den 50.000 Tonnen wiederum gehen 30.000 Tonnen an die Solarindustrie, der Rest an konventionelle Abnehmer. Und aus diesen 30.000 Tonnen entstehen dann Solarzellen mit einem Gewicht von 14,5 Tonnen, was später 1,5 Gigawatt Solarleistung ergibt. Das ist mehr Strom, als ein Atomkraftwerk im Jahr produziert."

Rene ist besonders stolz auf seinen energiesparenden Prozess: "Mit unserer Technologie brauchen wir nur noch halb so viel Energie für die Herstellung von Solarzellen wie mit der konventionellen Methode. Die für die Herstellung einer Solarzelle eingesetzte Energie wird somit binnen 2,5 Monaten wieder zurückgewonnen." Rene ist optimistisch: Die Preise für Solarzellen fallen, die Nachfrage steigt und steigt. Eine alte Fabrik steuert sonnigen Zeiten entgegen.

Noch zwei Monate Europa - durchhalten!

Ich fahre weiter mit dem Solartaxi durch weite, hügelige Wälder nach Sherbrooke an die Universität und bei sommerlichem Wetter zurück nach Montréal. Am letzten Tag dort bläst plötzlich ein steifer Wind, der Himmel ist grau. Als ich beim bereitgestellten Container am Hafen ankomme, zittere ich schon am ganzen Körper. Bye, bye Solartaxi! Der Sommer ist endgültig vorbei, der Winter kommt. Wir konnten bis zur letzten Minute hier in Nordamerika im Sommerwetter fahren. Von Nordamerika, so muss ich zugestehen, kann ich nur schweren Herzens Abschied nehmen.

In Barcelona hat uns ein Schweizer Student Mathias Jäggi herzlich aufgenommen. Er zeigt uns, wie wir die Stadt überleben. Als Fußgänger erlebe ich erstmals seit langem wieder einen Straßenverkehr, in dem man sich besser nicht auf die Straße wagt. Noch zwei Monate Europa stehen vor uns. Durchhalten ist angesagt. Durchhalten!

Hier in Europa ist unsere Crew wieder zusammengeschrumpft. Nur Thomas, mein technischer Begleiter, ist noch dabei. Frank ist nach sechs Monaten wieder Zuhause und arbeitet. Und unser Filmer Erik sollte in einer Woche in Monaco wieder zu uns stoßen. Der Container ist zwar schon angekommen, doch noch steckt die Ware beim Zoll fest.

Wann genau wir hier losfahren können, steht noch in den Sternen. Es gibt "problemas", heißt es vom Zoll. Mehr kann ich nicht in Erfahrung bringen, die Ware bleibt vorerst im Lagerhaus. "Zutritt verboten" - "mañana!" Morgen will man sich darum kümmern, "ein Papier fehlt!"

Das Ganze kommt mir schon ein wenig Spanisch vor. Dies liegt aber wohl daran, dass wir in Nordamerika verlernt haben, was es heißt, Probleme alleine zu lösen. Ich bin ja gespannt auf "mañana".

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