Solartaxi Von 0 auf 100 in fünf Sekunden - mit Elektroantrieb

Das Solartaxi auf dem Schlussspurt: Nach einem enttäuschenden Besuch in Brüssel macht Louis Palmer Stopp bei dem Rekord-Solarflitzer Nuna in Delft - und schiebt noch einen Trip im Elektro-Lotus Elise ein: Kampfjet-Feeling pur!

In Brüssel kennt man in diesen Tagen kein anderes Thema als die Fortis, die größte Bank. Denn "fort is", das Geld ist weg. Millionen von Menschen bangen um ihre Einlagen. Ein Besuch bei der EU-Kommission ist bezeichnend: Ein Direktor setzt sich kurz ins Solartaxi, haut mir dann auf die Schultern und verspricht: "Wir interessieren uns sehr für solche Sachen!" - und weg ist er. Meine Hoffnung, dass Europa neue Antriebstechnologien wirklich in die Tat umsetzen will, ist erschüttert.

Opel und GM geht es schlecht, und die Autoindustrie soll mit Steuergeldern gerettet werden, so lese ich im Internet. An anderer Stelle lese ich, dass 40 Prozent der Europäer bereit wären, ein Elektroauto zu kaufen, wenn es denn eins in Massenproduktion zu kaufen gäbe. Doch das, scheint mir, überlässt Europa wohl lieber China. Gerne denke ich zurück an das einzige Land, das mir bisher Hoffnung gemacht hat.

Nach ein paar anfänglichen Sonnenstrahlen ist aus dem Regen nun Dauerregen geworden. Zum Glück haben wir geniale Gastgeber, Inaki und Iris. Wir kriegen riesige Mahlzeiten, mit Liebe in stundenlanger Feinarbeit hergestellt. Das lädt unsere eigenen Batterien. Denn die sind nun auch auf niedrigem Level. 16 Monate fordern ihren Tribut. Die Kräfte von Thomas und mir sind am Ende. Zudem ist unser Fotograf Sam in London geblieben. Seine Ersparnisse waren auf einer isländischen Bank, nun hat das Wiederfinden seiner Finanzen erste Priorität. Doch später will er wieder zu uns stoßen - falls er sein Geld wiederfindet.

Ein Crash und ein Lachanfall

Im holländischen Delft bin ich zu Gast bei Jurn. Spontan hatte ich ihn in Tournus im französischen Burgund auf eine Spritzfahrt eingeladen. Nun revanchiert er sich mit einer Einladung. Das Solartaxi parkt vor seiner Wohnung. Ich schlafe auf dem Dachboden.

Am nächsten Tag sind wir eingeladen bei dem Solarflitzer-Projekt Nuna an der Universität von Delft. Dieses flunderflache Solarauto ist das schnellste der Welt und wird betrieben mit Solarzellen aus der Raumfahrt. Es sieht aus, als ob es sogar fliegen könnte. Nur eines darf es nicht: auf die öffentliche Straße. So entstehen leider keine Aufnahmen, wie wir zu zweit durch die Straßen flitzen. Doch es demonstriert das Potential, das Solarenergie hat. Und drei von vier Niederländern kennen das Projekt, so ihre stolze Statistik.

Amsterdam. Stille Gewässer durchziehen die Stadt, bunte Häuschen zieren die Straßen. Unsere Gastgeberin heißt Leora und stammt - von wo denn sonst - aus Texas! Wir machen ein Foto unter einer großen Windmühle, Leora winkt mir zu, und ich prüfe im Rückspiegel, ob der Weg hinter mir frei ist. Dabei knistert plötzlich die Karosserie. Autsch! Ich bin gegen einen Baum gefahren. Meine Karosserie ist völlig eingebeult, der Baum aber unbeschadet!

Leora verpasst der Karosserie ein paar Fußtritte, und schon ist alles wieder ausgebeult. Die Delle ist weg, kein einziger Kratzer mehr. Dann erkläre ich ihr die Videokamera. Ihr Talent ist umwerfend. Wenn sie aufnehmen soll, schaltet sie die Kamera aus. Wenn sie abstellen soll, filmt sie. Die schwindelerregenden Aufnahmen vom Asphalt sind sehr komisch. So viel gelacht wie mit ihr habe ich schon lange nicht mehr!

"Fort is" in fünf Sekunden

Von 0 auf 100 in weniger als fünf Sekunden: Diesen Trip ermöglicht mir Jalvar Engels in Lochiem. Seine Firma ECE baut den englischen Sportwagen Lotus Elise auf Elektroantrieb um. Das Blut flieht aus meinen Füßen und staut sich in meinem Kopf. Kampfjet-Feeling pur. Hier an der Landstraße wacht jeder auf, der noch geschlafen hat. Ich stecke Jalvar eine Adresse in Brüssel zu. Mit seinem Geschoss könnte er Leute endgültig aufwecken. Und zeigen, was technisch alles möglich ist.

Soeben hat er wieder einen Auftrag für 50 weitere Autos an Land geholt. Finanzkrise? Hier definitiv ein Fremdwort. "Was bedeutet Fortis?", will ich von ihm wissen. Er lacht und zuckt die Schultern. Wenn er Gas gibt, ja dann, dann sei "fort is", meint er. Spätestens nach fünf Sekunden sieht man ihn nicht mehr. Nicht einmal mehr am Horizont.

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