Anschlag in Sousse Tunesiens Touristenhochburg

Wer nach Sousse kommt, will weite Strände und das Meer Tunesiens genießen. Die Stadt gilt als wichtiger Tourismusstandort des Landes - und wurde jetzt zum Ziel eines Terrorangriffs.

AFP

Sonne, Strand und Meer - deswegen kommen Pauschaltouristen nach Sousse im Süden des Golfs von Hammamet, und das schon seit den Sechzigerjahren. Hier entstanden die ersten Hotelburgen Tunesiens, Schnitzel, Currywurst und Massentourismus prägten das Bild. Heute ist Sousse und Umgebung neben den Regionen Djerba und Hammamet das beliebteste Urlaubsziel europäischer Touristen in dem Land.

Jetzt wurde Sousse Ziel eines Anschlags: Mindestens 28 Menschen sind bei einem Terrorangriff getötet worden. Bei der Attacke starben nach Angaben des Gesundheitsministeriums auch deutsche Urlauber. Das melden mehrere Nachrichtenagenturen übereinstimmend. Das Auswärtige Amt konnte entsprechende Berichte zunächst nicht bestätigen. Auch der Reiseveranstalter TUI hatte noch keine Erkenntnisse, ob deutsche Urlauber betroffen sind.

Sousse ist mit rund 200.000 Einwohnern Tunesiens drittgrößte Stadt und gilt als wichtiger Universitäts- und Industriestandort. Urlauber besuchen Sousse auch wegen der Festungsanlagen, Moscheen und der Medina mit ihren Souks und verschlungenen Gassen.

Gegründet wurde Sousse im 9. Jahrhundert vor Christus von den Phöniziern, blühte unter römischer Herrschaft bis ins 3. Jahrhundert nach Christus auf und wurde im 7. Jahrhundert von den Arabern erobert. Damals entstanden die Bauten, die das Stadtbild bis heute prägen. Die Medina, die Altstadt, aus dem 9. Jahrhundert, umgeben von einer 2,25 Kilometer langen Mauer, wurde 1988 zum Weltkulturerbe der Unesco erklärt. In der Neustadt säumen Palmen Gassen und Plätze.

Ausgerichtet auf Pauschaltouristen

Von Sousse in Richtung Norden zieht sich eine Hotelzone an der Küste entlang, rund 20 Kilometer bis Port El-Kantaoui. Viele Hotels gehören zur oberen Preisklasse und haben einen direkten Zugang zum Meer. Insgesamt rund 40.000 Gästebetten gibt es in der Region. Die Unterkünfte sind mit Pools, Restaurants, Diskotheken, Wellnessbereichen vor allem auf Pauschalreisende eingestellt.

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Eine Bahnverbindung führt zum noblen Jachthafen El-Kantaoui, der Ende der Siebzigerjahre im Stil des französischen Port Grimaud erbaut wurde. Dort, am Strand von El-Kantaoui vor dem RIU-Hotel Imperial Merhaba geschah der Anschlag am Freitag.

Der Reisekonzern TUI, der an der RIU-Kette beteiligt ist, bietet seinen Gästen vor Ort jetzt die vorzeitige Abreise an. Wie eine Pressesprecherin sagte, könnten Kunden, die eine Tunesienreise im Sommer gebucht haben, zudem bis einschließlich 15. September gebührenfrei umbuchen oder stornieren. Insgesamt sind zurzeit rund 3800 deutsche TUI-Gäste in Tunesien. Auch andere Reiseveranstalter machen ähnliche Angebote.

Im Oktober 2013 war bereits ein Hotel südlich von Sousse Ziel eines Attentatsversuchs. Ein Mann zündete seinen Sprengstoffgürtel am Strand in der Nähe des Palm Hotels. Weitere Opfer gab es damals nicht. Die Wirren des Arabischen Frühlings ließen die Touristenzahlen massiv einbrechen - im Januar 2011 waren Hotels und Strände von Sousse wie ausgestorben.

Erst im März dieses Jahres wurden ausländische Touristen in Tunesien Opfer terroristischer Anschläge: Zwischen Parlament und dem Bardo-Museum in Tunis ermordeten einheimische Attentäter 24 Menschen, darunter 20 Touristen. Viele davon waren Kreuzfahrturlauber; einige Reedereien kündigten daraufhin an, das Land vorerst nicht mehr anzulaufen.

Das Auswärtige Amt rät generell in seinem Sicherheitshinweis zu Tunesien zu erhöhter Aufmerksamkeit, insbesondere in der Nähe touristischer Anziehungspunkte und religiöser Kultstätten. Die Anschläge in Tunis zeigten, "dass auch in Zukunft Ausländer direkt oder indirekt Opfer von Anschlägen sein können".

abl

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