Hotel-Chefin in Sri Lanka "Wir waren ein einfaches Ziel"

Anfang des Jahres wurde Sri Lanka zum Reiseziel des Jahres gekürt - nun hat ein Anschlag die Urlaubsinsel erschüttert. Kein Zufall, erklärt Shiromal Cooray, Chefin der Jetwing-Hotelkette.

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Ein Interview von


SPIEGEL ONLINE: Wie ist die Lage in Sri Lanka?

Shiromal Cooray: Zurzeit sind zwei der drei Hotels, auf die die Anschläge verübt wurden, geschlossen. Das dritte hat wieder eröffnet und nimmt Buchungen entgegen. Die Kirchen benötigen natürlich einige Zeit, bis sie wieder aufgebaut sind. Es werden zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen getroffen, das Militär hat zum Beispiel mehr Macht für die Ermittlungen bekommen, es gab Ausgangssperren. Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass die Lage unter Kontrolle ist.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist die Stimmung bei Ihren Angestellten und Gästen?

Cooray: Den Gästen scheint es gut zu gehen, sie haben keine Panik, und der normale Service läuft weiter. Wir sind auch Tourveranstalter für Rundfahrten im Land. Zurzeit sind wir vorsichtig, beurteilen die Lage täglich neu, sehen aber keinen Grund, eine der Touren zu stoppen. Die Stimmung bei den Angestellten ist positiv, aber gedrückt - einige haben Kollegen oder Bekannte verloren.

Zur Person
  • Jetwing Hotels
    Shiromal Cooray ist Chefin der Sri Lanker Luxushotelkette Jetwing Hotels und des Tourveranstalters Jetwing Travels. Cooray ist aktiv in der Tourismusbranche des Landes und saß bereits verschiedenen Veranstalterorganisationen vor.
  • Website Jetwing Hotels

SPIEGEL ONLINE: Sie schreiben auf Ihrer Website, dass Angestellte von Ihnen und ein Gast bei den Anschlägen ums Leben kamen.

Cooray: Ja, ein junges Paar, sie haben am Sonntag nicht in unserem Hotel in Negombo gearbeitet, sondern sind am Morgen zur Messe in die Kirche Katuwapitiya gegangen. Dort wurden sie Opfer des Bombenanschlags. Wir hatten auch Gäste, die mit uns auf einer Rundtour unterwegs war: Das Paar war auf Hochzeitsreise und im Kingsbury Hotel in Colombo untergebracht, der Mann wurde beim Frühstück ermordet - seine Frau hat überlebt. Das ist sehr traurig.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind Christin wie die meisten Opfer. Haben Sie Angst?

Cooray: Nein, ich habe keine Angst. Ich bin Katholikin und heute Morgen zur Messe gegangen. Wir haben bereits 30 Jahre mit schlimmeren Situationen hinter uns. Etwa zehn Prozent der Sri Lanker sind Muslime, wir leben sehr harmonisch mit ihnen und hatten nie ein Problem. Wir denken, dass die Anschläge mit internationalen Netzwerken zu tun haben und die Attentäter einer sehr kleinen Minderheit angehören, die derselben Ideologie folgen wie der IS. Wir glauben, dass der Geheimdienst dies unter Kontrolle bekommt.

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Sri Lanka: Zwischen Teeplantagen und Terror

SPIEGEL ONLINE: Dabei hatte das Jahr 2019 für Sri Lankas Tourismusindustrie so gut begonnen: Lonely Planet hat Ihr Land zum Top-1-Reiseziel erklärt. Wie wichtig ist dies für Sie?

Cooray: Sehr wichtig. Wir haben sehr viel Aufmerksamkeit bekommen, alle haben über boomenden Tourismus in Sri Lanka geredet. Vielleicht aber war das auch ein Grund, dass wir als Anschlagsziel ausgewählt wurden.

SPIEGEL ONLINE: Wieso glauben Sie das?

Cooray: Vielleicht haben die Attentäter gedacht, dass sie deswegen auch viel Aufmerksamkeit für ihre Anschläge erhalten würden. Dann haben sie herausgefunden, dass unsere Sicherheitsvorkehrungen, die während des Bürgerkriegs sehr streng waren, gelockert waren - es gab keinen Grund, alarmiert zu sein. Wir waren ein wirklich einfaches Ziel. Diesen Fehler werden wir nicht noch einmal machen. Auch wir Hoteliers und Tourveranstalter ergreifen mehr Sicherheitsmaßnahmen.

SPIEGEL ONLINE: Die Jahre nach Ende des Bürgerkriegs 2009 waren für die Tourismusindustrie extrem erfolgreich - die Zahl der Touristenankünfte hat sich in den vergangenen zehn Jahren verfünffacht. Wie haben Sie das erlebt?

Cooray: In den 30 Jahren Bürgerkrieg ist nie ein Tourist gestorben - und das mussten wir in der Zeit auf Tourismusmessen in aller Welt erzählen. Es war sehr schwer, wir konnten die Preise nicht erhöhen, haben aber überlebt. Danach haben wir die Zahl unserer Hotels von 12 auf etwa 30 erhöht, inklusive kleiner Villen mit nur fünf Zimmer. Wir sind auch ein Joint Venture mit DERtour eingegangen, der Veranstalter bringt die größte Zahl an deutschen Touristen nach Sri Lanka.

SPIEGEL ONLINE: Wie wichtig sind die deutschen Touristen für Sri Lanka?

Cooray: Deutschland hat uns immer unterstützt - auch während des Bürgerkriegs. Die Reiseveranstalter haben Sri Lanka nie aus dem Programm genommen, auch nicht während der schlimmsten Zeiten. Wir schulden ihnen viel und wissen, dass sie uns jetzt auch nicht hängen lassen werden. Deutsche Touristen haben Sri Lanka immer sehr unterstützt, wir fühlen uns sehr mit ihnen verbunden.

SPIEGEL ONLINE: Bei solch rasant steigenden Besucherzahlen: Sollte der Andrang reguliert werden?

Cooray: Vielleicht an bestimmten Orten wie etwa an der Weltkulturerbestätte Sigiriya, dorthin kommen morgens und abends zu viele Menschen. Die Besucher müssten aber eher gelenkt als ihre Zahl eingeschränkt werden. Ich komme gerade aus Kroatien, wo auf vier Millionen Einwohner 15 Millionen Touristen im Jahr kommen - und Sri Lanka ist ein sehr viel größeres Land. Ich denke, wir können leicht zwei Millionen mehr Besucher verkraften, also doppelt so viele wie 2018.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels haben wir die Einwohner von Sri Lanka als Singhalesen bezeichnet, korrekt ist Sri Lanker. Dies haben wir korrigiert.

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jwcotton 24.04.2019
1. Keine Toleranz
man kann nicht in Worte fassen wie Kriminelle unter dem Deckmantel einer Religion zahllose unschuldige Menschen völlig wahllos Zivilisten, Kinder, Frauen, alte Menschen usw. in ein verheerendes Unglück reißen. Terrorismus gab es leider schon immer, aber der IS ist es in seiner widerlichsten Form. Ich erwarte daß unsere Politik Null Toleranz gegen alle Sympathisanten, Helfershelfer, Rückkehrer, Akteuren zeigt die dieses Krebsgeschwür jemals unterstützt haben. Bei uns und auch in den Ländern wo diese Brutstätten sind. Gegen ein Militär ergeben sie sich gegen Zivilisten sind sie stark, einfach krank dieser IS.
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