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06. Juli 2001, 14:09 Uhr

St. Petersburg

Teures Lifting

In zwei Jahren feiert die Stadt an der Newa ihren 300. Geburtstag. Bis dahin sollen Milliarden Rubel rollen, um der alten Zarenresidenz zu neuem Glanz zu verhelfen. Für die eigentlichen Feiern dagegen fehlt das Geld noch.

Die Isaak-Kathedrale soll bald im neuen Glanz erstahlen.
DPA

Die Isaak-Kathedrale soll bald im neuen Glanz erstahlen.

Baustellen überall. Die vom Zahn der Zeit angenagten Kirchen und Paläste aus der Zarenzeit sollen wieder im alten Glanz erstrahlen, wenn 2003 das große Jubiläum ansteht. Besonders das historische Zentrum der ehemaligen Herrscherresidenz profitiert von den vielen Milliarden Rubel, die die Stadt für ihren Jubeltag ausgeben will. Der Newski-Prospekt, Haupt- und Flanierstraße der Metropole, soll komplett erneuert werden. Auch die Isaak-Kathedrale, die Peter-und-Pauls-Festung oder das Haus des Buches sollen wieder prachtvoll glänzen.


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  St. Petersburg - zwischen Tradition und Modernität


Das Jubiläumsfieber greift inzwischen weit um sich: Neben dem städtischen Komitee existiert schon seit 1998 eine Staatliche Kommission, der der russische Präsident Wladimir Putin vorsteht. Auch ein Rat aus Künstlern und Kulturexperten ist an den Vorbereitungen beteiligt. Dass das Stadtfest vor prachtvoller Kulisse stattfinden kann, kostet die Stadtkasse einiges. Gouverneur Wladimir Jakowlew erklärte, 70 Prozent des Budgets flössen in die Vorbereitungen. Und auch die russische Regierung schießt noch einmal eine Milliarde Rubel, umgerechnet knapp 80 Millionen Mark, zu. Insgesamt sollen 55 Milliarden Rubel aus Moskau an die Newa fließen. Doch auch diese Summe reicht lediglich für die Baumaßnahmen. Für die eigentlichen Feiern im Mai, Juni und Juli 2003 gibt es derzeit kein Geld. Sponsoren müssen noch gefunden werden.

Die Investitionen sollten nicht nur in die Fassaden der Prachtbauten fließen. "Am wichtigsten ist uns, dass etwas für die Bürger geschieht, dass die Lebensqualität verbessert wird", sagte der stellvertretende Vorsitzende des Jubiläumskomitees Dmitrij Machkowzew. So soll zum Geburtstag der Stadt eine Ringautobahn gebaut werden, außerdem soll die Metrolinie, die seit einem Wassereinbruch nicht mehr befahrbar ist, wieder eröffnet werden.

Ob das Geschenk, mit dem einige vermögende Privatleute der Stadt liebäugeln, jemals in die Tat umgesetzt werden wird, steht allerdings noch in den Sternen: eine Formel-1-Strecke am südlichen Stadtrand.

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