State Parks in den USA "Der Himmel für Instagrammer!"

Die State Parks stehen im Schatten der weltberühmten Nationalparks. Zu Unrecht. Hier finden USA-Fans noch einsame Natur und Sehenswürdigkeiten ohne Selfie-Stick-Nahkampf. Die zehn schönsten Orte.

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Von Stefan Wagner


Yosemite, Grand Canyon, Yellowstone oder Everglades. Jeder kennt die Namen die großen Nationalparks der USA. Doch Poverty Point Reservoir State Park, Ha Ha Tonka State Park oder Hungry Mother State Park? Hat vermutlich kaum jemand auf der Liste.

Die State Parks sind die unbekannten Brüder der Nationalparks. Zumindest für Besucher aus dem Ausland. Für Amerikaner sind die mehr als 10.000 State Parks auf eine Gesamtfläche von mehr als 75.000 Quadratkilometern beliebt und nahe gelegene Fluchtpunkte aus dem Alltag.

Wie aber unterscheiden sich eigentlich National und State Parks? Der wichtigste Punkt ist, dass der zentrale National Park Service - eine Behörde des Innenministeriums in Washington D.C. - die Nationalparks betreibt, die State Parks hingegen von den einzelnen US-Bundesstaaten verwaltet werden. Sie bestimmen die Nutzungsarten.

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USA: Die zehn schönsten State Parks

Es gibt ganze Dörfer, die in State Parks liegen, man kann Angeln, Schneemobiltouren unternehmen, auf die Jagd gehen, Jet-Ski-Fahren oder mit Motocross-Maschinen durch Wälder heizen. In manchen State Parks wird sogar Bergbau, Landwirtschaft oder Holzwirtschaft betrieben. Es gibt in State Parks 320 Bootshäfen, 142 Golfplätze, 146 Skiabfahrten und 291 Swimmingpools.

All dies wäre in Nationalparks undenkbar, in denen das "Leave noTrace"-Mantra ("Hinterlasse keine Spur" und nimmt nichts mit) gepredigt wird. Pauschal gesagt, sind die Eintrittsgebühren für die State Parks um einiges günstiger (von gratis bis circa 10 Dollar) als die für die Nationalparks (etwa 30 Dollar). Häufig liegen die State Parks in stadtnahen, besser erreichbaren Gegenden und werden vorwiegend von Einheimischen zur Erholung als von internationalen Besuchern zur Besichtigung besucht.

Die Amerikaner nutzen die State Parks am Abend zum Angeln oder am Wochenende zum Wandern, Baden oder Campen mit der Familie. Und hier liegt auch der besondere Charme der kleinen Brüder der Nationalparks: Über die amerikanische Seele erfährt man schließlich auch mehr bei einem Highschool-Football-Spiel in einem Nest in Texas als bei einem NFL-Spiel in der Denver Broncos gegen die Green Bay Packers.

Baxter State Park, Maine: Wild, wilder, Bär

"Auf immer wild!" - das war die Vorgabe des früheren Gouverneurs von Maine, Percival Baxter, als er sein Land den Bürgern als Park zur Nutzung übergab. Über einen Zeitraum von 32 Jahren hatte der wohlhabende Baxter (1876 bis 1969) Wildnis angekauft - immerhin mehr als 800 Quadratkilometer -, um die Natur seines Staates für immer zu bewahren.

Heute umfasst der Park auch den höchsten Berg des Bundesstaates, Mount Katahdin (1606 Meter), dazu Seen, Flüsse, dichter Urwald und Bergwiesen. Meist explodiert die Farbpracht der Bäume hier im Indian Summer im Oktober. Genau wie Baxter es wollte, gibt es wenig touristische Infrastruktur, keine geteerten Straßen und nur wenige sehr rustikale Unterkünfte. Perfekt für erfahrene Wanderer und Camper, die Bären und Elchen nicht fürchten.

Ichetucknee Springs State Park, Florida: Im Schlauch abwärts

Gerade im Herbst ein Traum: unter Virginia-Eichen und Zypressen zehn Kilometer lang auf einem glasklaren Fluss gemächlich dahintreiben. Die Sonne blitzt durch die Blätter, mit Glück sieht man einen Fischotter oder einen Manati. Wer mag, lässt sich ins Wasser gleiten, andere nutzen die überdimensionierten Schwimmreifen schon mal für ein Nickerchen.

Vom Reifenschlauch (tube) aus - manche haben sogar Halterungen für Wasserflaschen - sieht die Welt um einiges entspannter aus. Maximal 750 Tubers dürfen auf den Fluss, deshalb schon früh ankommen. Bauern an der Zugangsstraße vermieten die Reifen für fünf Dollar/Stück. Idealerweise sollten Besucher am Südeingang des Parks parken, von dort bringen Gratis-Shuttle-Busse sie zum Start der Schwimmreifenstrecke. Ist man dann am Ende des Dreistunden-Abenteuers angekommen, steht bereits das eigene geparkte Auto bereit.

Julia Pfeiffer Burns State Park, Kalifornien: Wal voraus

Eine der klassischen Postkartenansichten vom magischen Big Sur an der kalifornischen Prunkküste: Ein paar hundert Meter langer Weg führen vom Parkplatz zu einer Stelle, von der aus man einen grandiosen Blick auf den einzigen Wasserfall in Kalifornien hat, der sich direkt ins Meer ergießt.

Der McWay Fall schießt über einen Granitfelsen in den 25 Meter darunter liegenden Pazifik. Der Strand darf allerdings nicht betreten werden. Zwischen Dezember und April kann man von diesem Aussichtspunkt aus mit etwas Glück migrierende Wale im Meer sehen. Ein etwas längerer Wanderweg ist der Ewoldsen Trail, der knapp 500 Höhenmeter hinauf in den Redwood-Wald führt. Die Ausblicke zurück auf die Küste und den Ozean sind fantastisch.

Anza-Borrego Desert State Park, Kalifornien: Erfrischen im Canyon

Anza-Borrego Desert State Park
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Anza-Borrego Desert State Park

Als der spanische Edelmann Juan Bautista de Anza 1774 die Wüste durchquerte, fielen ihm die vielen Bighornschafe (spanisch: borregos) auf, die sich hier aufhielten. Der heutige Name des Wüstenparks würdigt nun beide. ABD, wie die Einheimischen den Park nennen, ist der größte State Park Kaliforniens. Er hat die Ausmaße des Saarlandes.

Ein Großteil lässt sich nur auf primitiven Pisten erfahren, Allradantrieb ist von Vorteil. Es ist im Sommer häufig über 35 Grad Celsius heiß, im Herbst herrschen perfekte Temperaturen. Schöne Ausblicke auf die Borrego Badlands, ein Labyrinth aus golden leuchtenden Hügeln und sandsteinfarbenen Schluchten, bietet Font's Point (Spitzname: California's Grand Canyon), vor allem bei Sonnenuntergang oder Vollmond.

Ein tolles Kontrastprogramm zum Abkühlen stellt der Borrego Palm Canyon dar. Die Wanderung fühlt sich an wie ein Marsch von der Wüste in die Tropen, von Sandwüsten zu kleinen Wasserfällen und einer palmenumstandenen Oase. Nahe Borrego Springs findet sich "The Slot", ein von Wasser ausgewaschener kleiner und sehr enger Canyon. Unbedingt ein wenig hineinwandern.

Ecola State Park, Oregon: Leuchtturm on the Rock

Gischt in der Luft, untermalt von Meeresgrollen und Möwengeschrei, windig und wunderschön erstreckt sich der Park auf etwa 14 Kilometer Länge entlang des Pazifiks. Es gibt zwei hübsche Strände, Regenwald, versteckte Wiesen, auf denen Wapiti-Hirsche weiden. Viele Fotografen aus dem nahe gelegenen Cannon Beach kommen hierher um Fotos des von Postkarten und Landschaftskalendern bekannten Haystack Rock aufzunehmen.

Auf einem anderen wellenumtosten Felsen vor der Küste steht der Leuchtturm Tillamook Rock Light, der 1957 aufgegeben wurde. Der lohnende Catsop Loop Trail führt steil hinauf zur Landzunge Tillamook Head (mehr als 300 Höhenmeter sind zu überwinden). Lange Strandspaziergänge führen zu Gezeitentümpeln und Seelöwen.

John Pennekamp Coral Reef State Park, Florida: Abwärts

Hier muss man untergehen! Der erste Unterwasserpark der USA wurde 1960 gegründet. Der "Mangrove Trail" und das Aquarium im Besucherzentrum des Parks sind ganz nett und informativ, aber das Interessante liegt unter der Meeresoberfläche. Immerhin 200 Quadratkilometer Atlantik sind Teil des Schutzgebietes.

Korallenriffe und versunkene Schiffswracks sind ideal für Taucher, aber auch "Nur"-Schnorchler haben was zu entdecken. Für etwa 30 Dollar nehmen Boote und Guides Schnorchelgruppen aufs Meer. Und zu sehen gibt es nicht nur Tiere: Ein Italiener hat eine zweieinhalb Meter hohe Christusstatue ("Christ of the Abyss") in sieben Metern Tiefe versenkt. Wasserscheue können von Glasbodenbooten aus in die Welt der Korallen, Barrakudas und Meeresschildkröten spähen.

Dead Horse Point State Park, Utah: Drehort Canyonrand

Dead Horse Point State Park
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Dead Horse Point State Park

Viele Reisende stürzen sich in Utah auf die spektakulären Nationalparks Arches und Canyonlands und finden sich dort in Warteschlangen wieder. Dabei liegt "Dead Horse", wie die Locals sagen, ganz nah. Viele Besucher schwärmen von dem 40 Autominuten von Moab entfernten Park, er sei sogar dem Grand Canyon ebenbürtig.

Dead Horse Point hat diesen morbiden Namen, weil früher Cowboys auf dem leicht durch einen Zaun abtrennbaren Hochplateau Pferde zusammengetrieben haben. Der Legende nach schauten die Männer einige Wochen nicht nach ihrer Pferdeherde. Dutzende Tiere verdursteten. Hier wurde auch die Schlussszene des Films "Thelma and Louise" gedreht, in der die beiden mit ihrem Thunderbird über den Canyonrand absichtsvoll in den Tod stürzen.

Einige Aussichtspunkte sind leicht mit dem Auto zu erreichen, idealerweise erwandert man sich dennoch die Traumlandschaft. Am besten den East Rim Trail und den West Rim Trail miteinander verknüpfen, dann ist man etwa einen halben Tag unterwegs, hat aber die besten viewpoints (darunter Meander Overlook und Shafer Canyon Overlook) besucht. In einfachen Jurten am Rand der Canyons kann man seit Kurzen übernachten (140 Dollar/Nacht für sechs Schlafplätze).

Bodie State Historic Park, Kalifornien: Im Staub zum Gefängnis

Bodie ist eine der am besten erhaltenen "ghost towns" der USA. Nach der Entdeckung von Gold im Jahr 1859 schwoll der kleine Ort schnell auf 10.000 Einwohner an und beherbergte 65 Saloons. Bordelle, Spielhallen und Opiumhöhlen vervollständigten das Bild, Schießereien und Raufereien waren an der Tagesordnung. Die Bürger Bodies schürften Gold im Wert von mehr als 35 Millionen Dollar aus den Bergen und Bächen der Umgebung.

Als Ende des 19. Jahrhunderts die Ausbeute schlechter wurde, verließen die Männer den Ort wieder und überließen die Holzbauten ihren Elementen. Mitte des 20. Jahrhunderts war Bodie komplett verlassen. Heute stehen noch etwa 200 Häuser und Ruinen in Bodie. Man kann die staubigen Straßen entlangbummeln und Hotels, Wohnhäuser, das Gefängnis, eine Schule, eine Kirche und eine alte Tankstelle besichtigen, die einen einzigartigen Blick in das Leben der Wildwestzeit von Bodie ermöglichen. Im Park gibt es allerdings kein Restaurant oder Läden, die Essen anbieten, also bitte Brotzeit mitbringen

Eldorado Canyon State Park, Colorado: Der Goldene

Ein Traum von einem Canyon! Ganz in der Nähe von Boulder nahe dem Örtchen Eldorado Springs flankieren steile Sandsteinwände den South Boulder Creek. Wenn die Sonne gegen Abend auf die westliche Seite der Wände trifft, reflektieren gelbe Flechten das Licht und scheinen zu leuchten - daher der Name El Dorado, "der Goldene".

An den Wänden gibt es mehr als 750 Routen für Kletterer, der Canyon gilt als Topgebiet für Felsartisten aus aller Welt, vor allem die Route Naked Edge (Schwierigkeitsgrad 5.11b) sorgt bei Experten für Schaudern. Nichtkletterer können einfach nur die einzelnen Steinhelden bewundern - oder den Rattlesnake Gulch Trail hochwandern (hier sind allerdings auch viele Mountainbiker unterwegs).

Im Herbst ist das Farbspektakel noch intensiver: Flirrendes, gelb leuchtendes Espenlaub strahlt vor dem tiefblauen Himmel. Augen aufhalten: In der Gegend werden immer wieder Bären, Pumas und Wildkatzen gesichtet.

Waianapanapa State Park, Hawaii: Glitzerndes Wasser

Waianapanapa State Park
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Waianapanapa State Park

Es gibt nicht viele Ortsnamen die gleich sechsmal den Buchstaben A beinhalten. Aber auch landschaftlich ist der State Park etwa auf halbem Wege des berühmten Hana Highway (106 Kilometer, 59 Brücken, 620 Kurven) außergewöhnlich. Schwarzer, vulkanischer Sand bedeckt den Strand, das Meer leuchtet blau und die Naupaka-Pflanzen hellgrün.

Auf relativ geringer Fläche sind jede Menge abenteuerliche Erkundungstouren möglich: in süßwassergefüllte Höhlen (Waianapanapa heißt so viel wie "glitzerndes Wasser"), auf dem Ala Loa O Maui Trail mit tollen Pazifikblicken, in einer Lavaröhre am Rand des Wassers und zu Felsbögen und Steilklippen in grotesken Formen. "Instagram heaven", sagt einer der wenigen Touristen.

insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
ha-ju-hess 14.09.2019
1. State Parks: immer gut
Den Artikel kann ich 100% befuerworten. Wir lebten 7 Jahre in USA ( Westkueste), und besuchten viele Stateparks. Meist attraktiver als Nationalparks, weil weniger frequentiert, aber sehr attraktiv. Der im Artikel vorgestellte Dead Horse Point State Park, Utah: war fuer uns ein Highlight, wir uebernachteten im Zelt inmitten grandioser Natur. Und der nicht vorgestellte, wunderschoene Crystal Cove State Park am Pazifik lag vor unserer Haustuer.
soultan73 15.09.2019
2. Na toll
Spätestens jetzt habt ihr es kaputt gemacht
Flying Rain 15.09.2019
3. @2
State Parks und National Forests gibts in den USA durch die alles in allem dünne Besiedlung in hoher Menge. Da wird man sich auch trotz solcher Artikel nirgens auf die Füße treten. Aber wie schon im Artikel benannt stechen beide Sachen einfach dadurch hervor dass man in diesen Gegenden auch neben dem Wandern viele andere Aktivitäten machen kann wie halt zB schöne lange Trails mit dem Moped zu befahren ohne dass hinter jedem Busch ein Oberlehrer hervorspringt und meint den Scheriff zu markieren. Meine Favoriten vor allem auch zum zelten sind die drei National Forest südwestöich von Bend in Oregon. Insbesondere der Umpqua NF mit seinen heißen Quellen.
GungaDin 15.09.2019
4.
Manche der Parks sind auch winzig, aber immer schön gelegen, und immer mit Rastecken mit Tischen und Bänken, und einer (nach unseren Erfahrungen) sehr sauberen Toilette. Bei unseren Touren zwischen Californien und Washington State haben wir uns oft in einer kleinen Stadt mit Kaffee, Brot und Wurst (oder geräuchertem Fisch) eingedeckt, sind ein paar Meilen zum nächsten kleinen Park gefahren und haben dort in Ruhe Brotzeit gemacht, gefolgt von einem Spaziergang in der wundervollen Natur. So hatten auch lange Tagesetappen keinen Schrecken.
fl-gator 15.09.2019
5. Keine Gratis Busse
Wohne in der Nähe von Ichetucknee Springs und bin schon x-mal dort "tuben" gewesen. Die Shuttle Busse sind allerdings nicht gratis.
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