Fotoprojekt Es werde Nacht

In seinem Bildband "Day to Night" vereint Fotograf Stephen Wilkes Tag und Nacht in einer einzigen Aufnahme - und zeigt bekannte Orte so einmal in ganz neuem Licht.

Stephen Wilkes/ Taschen

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Fotografien frieren einen einzigen Moment ein und machen ihn unvergänglich. Sie können an den letzten Geburtstag erinnern oder an eine Sandburg im Urlaub. Doch Fotograf Stephen Wilkes nutzt das Medium, um einen Zeitverlauf vom Tag bis in die Nacht zu dokumentieren und diesen in einem einzigen Bild festzuhalten.

Er wählt bevorzugt Orte, die im kollektiven Gedächtnis verankert sind, berühmte Plätze, die jeder kennt, mit denen jeder etwas verbindet: vom New Yorker Times Square über die Klagemauer in Jerusalem und den Champs-Élysées bis zum Grand Canyon. "Wenn Menschen mit etwas vertraut sind, dann wollen sie genauer hinschauen. Sie wollen wissen, warum ihnen das bekannt vorkommt", sagt Wilkes.

Dort sucht der Fotograf einen idealen Standpunkt, von dem er sich über Stunden nicht wegbewegen wird. Für gewöhnlich sitzt er hoch oben, damit er eine möglichst freie Sicht hat, meist auf einer Hebebühne oder einem Kran. Die Kamera darf er zu keiner Zeit bewegen, andernfalls passt das Bild am Ende nicht mehr zusammen. In regelmäßigen Abständen macht er nun Aufnahmen, mitunter mehrere Tausend. Eine Fotosession kann bis zu 36 Stunden dauern.

Preisabfragezeitpunkt:
22.07.2019, 12:52 Uhr
Ohne Gewähr

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Stephen Wilkes. Day to Night

Verlag:
TASCHEN
Seiten:
260
Preis:
EUR 96,18

Seine Arbeit sei körperlich sehr anstrengend, sagt Wilkes. Er sei mitunter schon starkem Wind, Gewitter, einem aggressiven Vogel oder Dauerlärm durch eine Bahn ausgesetzt gewesen. Auch wenn er die Shootings vorab penibel plant - nicht alles lässt sich bedenken oder beeinflussen, Überraschungen erlebe er immer wieder.

Nun ist nur ein kleiner Teil der Arbeit getan, die Bearbeitung der Aufnahmen dauert Monate. Zuerst erstellt Wilkes dafür einen leeren Hintergrund, auf dem sich nur die unbeweglichen Elemente der Szenerie befinden. Dann muss er entscheiden, wo im Bild der Tag beginnt und die Nacht endet: Mal verläuft die Zeitachse von links nach rechts, mal andersherum, dann von oben nach unten oder diagonal.

Unter all seinen Aufnahmen wählt Wilkes die besten Momente aus, fügt sie in den Hintergrund ein und verschmilzt sie zu einem Bild. Er muss dafür alle Fotos noch einmal durchgehen, denn viele Details nimmt er beim Fotografieren nicht wahr. Manchmal dauert es Monate, bis er mit einem Foto zufrieden ist.

Fotostrecke

8  Bilder
Fotomontagen: Von Sonnenaufgang bis in die Nacht

60 Panoramen sind in Wilkes Bildband "Day to Night" zu sehen. Sie sind voller kleiner Details: Durch die Kombination von Momenten, die im Laufe eines ganzen Tages stattfanden, kann Wilkes Hunderte von Geschichten zeigen. Albatrosse fliegen da dem Sonnenuntergang entgegen, zugleich überspannt ein Regenbogen den Himmel; während eine Frau sich im Brooklyn Bridge Park sonnt, sitzen in einer Bar Menschen beim Feierabendgetränk. Seine Bilder vermitteln ein Gefühl von der Energie und der Atmosphäre der Orte.

Sein jüngstes Projekt führte Wilkes nach Grönland. Weil dort die Sonne zu der Zeit nicht unterging, musste er von seinem bisherigen Konzept von Tag und Nacht in einem Bild allerdings abweichen.

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