Stippvisite in Kanada Solartaxi aus der Vogelperspektive

Das Solartaxi kurvt durch den Norden der USA und macht eine Stippvisite im kanadischen Ontario. An den Niagara-Wasserfällen nimmt ein begeisterter Pilot die Crew mit auf einen Hubschrauberflug: Das E-Mobil wird aus der Luft gefilmt.

Ausreise aus den USA nach Kanada, kurz hinter Detroit: Im US-Zollgebäude herrscht reger Betrieb. Geduldig reihe ich mich mit meinen Zolldokumenten in eine Schlange von verschwitzten Lkw-Fahrern ein. Die Männer sind ungeduldig, einige schütteln den Kopf, man erzählt sich Geschichten von mühsamen Grenzübertritten.

Die Lkw-Fahrer sind das gewohnt, ab und zu soll es schon mal 36 Stunden dauern, sagen sie. Die heutige Warterei dauert schon zwei Stunden, und es geht kein bisschen vorwärts. Ich entdecke irgendwann einen Zettel an einer Bürotür: Wer sich an die Wand anlehnt, wird angeklagt. Wegen Beschädigung von Eigentums der US-Regierung. Ich hoffe nur, dass ich hier nicht auch 36 Stunden stehen bleiben muss.

Nächster Stopp: Toronto, mit 2,5 Millionen Einwohnern die größte kanadische Metropole. Mit Joe Pantalone, dem stellvertretenden Bürgermeister, düse ich durch die Innenstadt, zwischen glitzernden Wolkenkratzern und unter dem CN Tower durch, dem zweithöchsten Bauwerk der Welt. Was ist so speziell an Toronto? "Dies ist die wohl kulturell vielfältigste Stadt der Welt. Mehr als die Hälfte der Einwohner sind außerhalb Nordamerikas zur Welt gekommen", sagt Joe, "ich zum Beispiel bin auch aus Sizilien."

Ein paar Straßen weiter sehen die Häuser verlassen und ziemlich verwahrlost aus. "Ist die Kriminalität ein großes Thema hier?", will ich von ihm wissen. Joe lacht. "Für die Leute schon, für mich nicht. Jawohl, es gibt in dieser Stadt etwa um die 23 Morde pro Jahr. Aber verglichen mit Chicago ist das nicht viel. Die haben die gleiche Größe wie Toronto und etwa 500 Morde."

Generalüberholung des E-Mobils

In dieser Stadt also, wo man sich scheinbar absolut sicher fühlen kann, radle ich die nächsten Tage durch fast unberührte Urwälder. Kein Witz! Grünstreifen mit Wäldern und Blumenwiesen und gut ausgebautem Fahrradstreckennetz durchschneiden die Stadt. Hier, so erzählt man, sagen sich sogar Hirsch und Kojote gute Nacht. Es sind dies für mich die ersten drei Ruhetage seit Vancouver, seit acht Wochen.

Thomas und Frank nehmen in dieser Zeit das Solartaxi auseinander, meine Mechaniker sind unermüdlich. Seit Australien ist erstmals wieder eine gründliche Generalüberholung nötig. Einzig ein Antriebsritzel muss ersetzt werden. Nun surrt das Solartaxi wieder so leise wie ein Uhrwerk. Wir hoffen, das dies die letzte Reparatur sein wird. Das Ende unserer Tour rückt immer näher: Noch etwa 10.000 Kilometer haben wir vor uns, noch vier Monate unterwegs sein.

Bei den imposanten Niagara-Fällen treffen wir den Schweizer Auswanderer Rudi Hafner. Er hat sich seine Vision verwirklicht: den Menschen den Blick auf die Niagara-Fälle aus der Luft zu erlauben. Rudi ist mit 35.000 Flugstunden wohl der erfahrenste Hubschrauber-Pilot der Welt - das sind zusammengenommen etwas mehr als vier Jahre am Stück.

Rudi bietet an, das Team auf einen Passagierflug mitzunehmen, damit sie das Solartaxi aus der Luft filmen und fotografieren können, zusammen mit einem Kameramann vom kanadischen Fernsehsender CTV. So können wir noch eindrücklicher für das Solartaxi und die Idee dahinter werben.

Zwar kann Rudi wegen der globalen Erwärmung seine Firma nicht einfach schließen, aber er hat seine alten Firmenwagen alle verkauft. Nun hat er sich eine Flotte der populären Diesel-Smarts angeschafft - für Amerika ein Aufsehen erregender Schritt. Zudem prüft das Unternehmen, ob es in Zukunft alle Flüge klimaneutral anbieten kann.

Hühnerflügel-Festival in Buffalo

In Buffalo erwartet uns das Buffalo Wings Festival. 70.000 Besucher kommen alljährlich hierhin, um eine halbe Million Hühnerflügel zu verspeisen. Doch vorher müssen wir erneut über die US-Grenze. Wir holen uns dafür noch eine Stärkung, nicht Hühnerflügel, sondern sonstigen Fast Food, denn der Übergang könnte wieder Stunden dauern. Wir sind vorbereitet.

Und tatsächlich, wieder stellt dieser Grenzübergang einen neuen Rekord auf: Die Abfertigung dauert kaum zehn Minuten. So schnell ging es noch nirgendwo. Nach dem kurzen Abstecher nach Kanada sind wir somit wieder in den Staaten! Das nächste Ziel: die US-Hauptstadt Washington.

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