Streit um Sonnenliegen Kreuzfahrt-Kapitän kritisiert "deutsches" Verhalten

Der britische Kreuzfahrt-Kapitän Christopher Wells hatte es satt - und schimpfte über das "deutsche Verhalten" von Passagieren, die mit allen Mitteln um die Sonnenliegen streiten. Nun bekommt Wells es mit Menschenrechtlern zu tun.


London - Erst waren es nur Handtücher, später Bücher und Taschen - und am Ende krachte es richtig: Auf dem Sonnendeck der "Oceana" in der Karibik eskalierte bei einer 15-tägigen Reise der Streit um die Sonnenliegen. Dem Kapitän platzte der Kragen: "So ein deutsches Benehmen wollen wir hier nicht", schimpfte er per Lautsprecher einem Bericht des "Daily Telegraph" zufolge. Wenig später habe der Schiffsführer, dessen Frau Deutsche ist, seine Äußerung bedauert und sich bei den deutschen Gästen entschuldigt.

Doch das nützte nichts: Ein Passagier reichte den Fall an eine Menschenrechtsorganisation weiter. "Es hat sich jemand bei unserer Hotline gemeldet und die Beschwerde eingereicht", bestätigte eine Sprecherin der Equality and Human Rights Commission SPIEGEL ONLINE. "Wir haben kein formelles Untersuchungsverfahren eingeleitet, schließlich hat sich der Kapitän ja offenbar entschuldigt. Aber wir gehen jeder Beschwerde nach", sagte sie.

Im Bericht des "Telegraph" zeigte eine Passagierin Verständnis für den Kapitän. "Die Crew-Mitglieder haben ihr Bestes gegeben und haben die Handtücher, die zu P&O gehören, wieder von den Sonnenliegen entfernt", sagte die Frau, die nicht namentlich genannt werden wollte.

Als die Urlauber die Liegen mit Büchern, Taschen und eigenen Wertsachen reservierten, habe Wells den Streit mit einer neuen Regelung zu schlichten versucht: Eine Liege, die für 20 Minuten nicht benutzt wurde, galt als frei. Von nun an postierten sich Reisende mit Stoppuhren an den heiß begehrten Plätzen. "Das führte dann heftigen Streitereien und Beschwerden - und einige hätten sich beinahe geprügelt", sagte die Passagierin.

Ein Sprecher von P&O sagte der Zeitung: "Kapitän Wells entschuldigt sich in aller Form für jegliche Beleidigung, die verursacht wurde."

reh



insgesamt 33 Beiträge
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palmeras 11.03.2008
1. Deutsches Verhlten
Leider hat der Kapitän des Kreuzfahrtschiffes ja völlig Recht. Auch ich muss diese negative Erfahrung immer wieder in unserem eigenen Hotel auf Mallorca(wir sind die Besitzer) feststellen. In meiner Wohanlage, bestehend aus 70 Wohneinheiten, hautpsächlich von Deutschen bewohnt, habe ich auch schon mal Folgendes praktiziert: wenn keine Sonnenliegen mehr frei sind, aber jede Menge davon nur mit einem Handtuch belegt sind, "frage" ich ein Handtuch, ob es ihm etwas ausmachen würde auf dem Rasen zu sonnen. Dann lege ich es auf den Rasen und lege mich selbst auf die Liege! Ach ja, hätte ich fast vergessen: ich bin Deutscher. Peter Berchtold
Quaksprech, 11.03.2008
2. Ein potentieller Gast weniger.
Zitat von palmerasLeider hat der Kapitän des Kreuzfahrtschiffes ja völlig Recht. Auch ich muss diese negative Erfahrung immer wieder in unserem eigenen Hotel auf Mallorca(wir sind die Besitzer) feststellen. In meiner Wohanlage, bestehend aus 70 Wohneinheiten, hautpsächlich von Deutschen bewohnt, habe ich auch schon mal Folgendes praktiziert: wenn keine Sonnenliegen mehr frei sind, aber jede Menge davon nur mit einem Handtuch belegt sind, "frage" ich ein Handtuch, ob es ihm etwas ausmachen würde auf dem Rasen zu sonnen. Dann lege ich es auf den Rasen und lege mich selbst auf die Liege! Ach ja, hätte ich fast vergessen: ich bin Deutscher. Peter Berchtold
Nennen Sie doch noch den Hotelnamen, damit ich dort garantiert nie aus Versehen absteige.
ventor 11.03.2008
3. Ist so!
Kenne ich nicht anders aus dem Urlaub. Wer nach 7 Uhr am Pool ankommt sieht nur noch Liegen mit Handtüchern, Taschen usw. bepackt. Die "reservierenden" Gäste sind wieder hoch ins Bett, noch 2 Stunden schlafen, dann gehen sie gemütlich frühstücken. Ich würde das allerdings nicht allein auf Deutsche reduzieren. Unsere europäischen Nachbarn gucken das mittlerweile von uns ab. Was bleibt ihnen auch anderes übrig? Schon irgendwo peinlich, wenn man am Pool extra Security-Personal abstellen muss, damit alles in geordneten Bahnen abläuft.
camemberta 11.03.2008
4. Hallo Peter!
Wie nett, von Ihnen hier zu lesen, wir waren vor ein paar Jahren auch mal bei Ihnen zu Gast und freuen uns jedes Jahr über die Weihnachtsmail :-)) In manchen Hotels oder Ferienanlagen ist es durchaus schon Usus, dass entweder mittels Durchsagen oder freundlich formulierter Aushänge gebeten wird, keine solchen Belegungen vorzunehmen. Erstens hat dann einer, der nicht schon um sieben an den Pool kommt, die Möglichkeit, auf diese "offizielle" Bitte hinzuweisen, und zweitens ist es dann vielen (nicht allen, aber was soll´s) eher peinlich und sie fangen gar nicht erst damit an. Und wenn man sich wirklich auf eine solche "besetzte" Liege legt und sich der Besetzende beschwert, na und, dann hätte man genauso das Recht zu sagen, ätsch, besetzt. Es ist beides blöd und peinlich, daher sollte man diese Unsitte halt lassen.
Druschba, 11.03.2008
5. Anzahl der Liegen nicht ausreichend
Vielleicht würde es das Problem nicht geben, wenn einfach genug Liegen zur Verfügung stgehen würden? Und wenn der Kapitän Deutsche nicht leiden kann, warum auch immer, dann sollte er eventuell erwägen einen anderen Beruf zu ergreifen, um seinen Posten für eine Person von ausgleichenderem Wesen freizumachen.
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