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Südafrika: Die Rettung der Brillenpinguine

Foto: Oliver Gerhard/ srt

Südafrika Die Pinguinretter von St. Francis

In der Nähe von Port Elizabeth liegt eine der letzten Kolonien der seltenen Brillenpinguine in Südafrika. Jede Auswilderung wird am Kap von St. Francis zum Happening - und das kann man miterleben.

Heute ist der Tag der Freiheit: Sieben Brillenpinguine sollen ausgewildert werden! Am felsigen Strand unterhalb des Leuchtturms von Seal Point haben sich rund 50 Tierliebhaber versammelt, um bei dem Ereignis dabei zu sein.

"Bitte halten Sie einen Korridor frei, damit die Vögel ins Meer laufen können", ruft Juanita Raath, Koordinatorin der Southern African Foundation for the Conservation of Coastal Birds .

Die 1968 gegründete Tierschutzorganisation hat sich zum Ziel gesetzt, den Rückgang der Zahl der Seevögel in Südafrika aufzuhalten und nach Möglichkeit umzukehren. In zwei Zentren - eines in Kapstadt, das andere am Cape St. Francis in der Provinz Ostkap rund 100 Kilometer westlich von Port Elizabeth - werden verletzte, verwaiste oder ölverschmierte Tiere aufgepäppelt und wieder ausgewildert. Überall an den Küsten halten ehrenamtliche Helfer nach betroffenen Tieren Ausschau.

Mehr als 50.000 Vögel wurden seit Bestehen der Einrichtung schon behandelt: Albatrosse und Pelikane, Kaptölpel, Kormorane und Austernfischer. Doch der Schwerpunkt der Arbeit ist den gefährdeten Brillenpinguinen gewidmet, sie machen mehr als die Hälfte aller Patienten aus. Rund 80 Prozent dieser einzigen Pinguinart des Kontinents leben in Südafrika, der Rest in Namibia. Nach einer Schätzung der Regierung gibt es nur noch 18.000 Brutpaare.

Die südafrikanischen Vogelschützer arbeiten gegen das Verschwinden dieser Vögel an, und sie tun dies sehr bewusst auch mit viel Öffentlichkeit: Die Pflege- und Aufzuchtstationen kann man besuchen, und wer das Glück hat, zur rechten Zeit vor Ort zu sein, darf auch live miterleben, wie aufgepäppelte oder aufgezogene Tiere wieder ausgewildert werden. Das geschieht etliche Male im Jahr und nicht unbedingt zu festen Terminen - entscheidend ist, dass die Vögel bereit sind. Meist werden sie in überschaubaren Gruppen ins Meer entlassen. Wenn es mit Publikum geschieht, wird ein kleines Fest daraus.

Jetzt geht es los: Kameras klicken, als sich eine Prozession von Kindern mit großen Pappkartons nähert. Vorsichtig balancieren die Helfer über die scharfkantigen Felsen, stellen die Kisten sanft auf den Boden und öffnen sie.

Gespanntes Warten. Nach ein paar Sekunden lugt ein Kopf mit schwarzem Schnabel ins Sonnenlicht, kleine Füße tasten sich ungelenk nach draußen. Dicht zusammengedrängt stehen sieben kleine Pinguine bald im grellen Licht, blicken ängstlich zu den Menschen, dann zum Meer. Zögerlich tapsen sie ein paar Schritte vor, halten inne, patschen weiter und springen dann in einen kleinen Felsenpool. Mutig geworden, klettern sie über die nächste Felsenbarriere, um endlich im Ozean zu landen. Nach zwei Minuten sind sie verschwunden, begleitet vom Applaus ihrer Fans.

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Insgesamt 30 ölverschmierte Tiere waren einen Monat zuvor gefunden worden - vermutlich Opfer eines Frachters, der sein Altöl einfach ins Wasser gepumpt hatte. "Wir mussten jeden Pinguin rund zwei Wochen lang täglich eine Stunde mit der Zahnbürste säubern, um das Öl zu entfernen - Feder für Feder", sagt Koordinatorin Juanita Raath. "Einer von uns hält ihn, der andere putzt", sagt sie und seufzt, "das sind nämlich nicht die dankbarsten Patienten."

Rund drei bis vier Wochen lang werden die Pinguine, die man an einem markanten rosa Fleck rund um das Auge erkennt, gepäppelt und gefüttert. Am Schluss dürfen sie dreimal täglich schwimmen, um sich auf die Freiheit einzustimmen. Inzwischen haben Wissenschaftler bestätigt, dass diese aufwendige Form des Tierschutzes sich auszahlt: Ohne die Pinguinretter würde es die Art vermutlich bald nicht mehr geben.

Die Kulisse der Auswilderung hat Postkartencharakter: Rechts und links erstrecken sich weiße Sandstrände, auf denen heute nur ein paar Jogger unterwegs sind. Wahrzeichen des Kaps ist das Seal Point Lighthouse, dessen Licht seit 1878 Schiffen Orientierung bietet. Als der Leuchtturm gebaut wurde, musste das Material noch mit Ochsenkarren über Flüsse und Schluchten transportiert werden.

Weitere Informationen

Die Bewohner der Region erzählen gerne solche Pioniergeschichten, schließlich haben Unternehmer und Selfmademen den Grundstein des heutigen Booms gelegt. Zum Beispiel John Booysen, ein Immobilienhai, der in den Sechzigern seinen Chevrolet gegen ein Stück Land tauschte - das heutige Cape St. Francis.

Oder Leighton Hulett, der 1954 eine Farm am Kromme River kaufte. Weil die Landwirtschaft nicht genügend abwarf, gründete er ein Angelcamp. Nach und nach kamen Ferienhäuser dazu. Der Unternehmer bestand darauf, dass alle Gebäude nach den gleichen Richtlinien errichtet wurden: die Dächer in dunklem Reet, die Fassaden weiß. Eine Regel, die in St. Francis Bay, dem zweiten Ort am Kap, immer noch Bestand hat.

Klein-Venedig wird St. Francis Bay heute auch genannt, denn Hulett verwandelte die Sümpfe rund um den Fluss in ein Kanalsystem von knapp 15 Kilometern Länge. Beliebt sind Bootstouren oder Paddelausflüge, vorbei an den noblen Villen. Dem Elan der Baulöwen sind inzwischen enge Grenzen gesetzt: Fünf Naturreservate verhindern, dass noch viel gebaut wird, denn hier stehen zahlreiche endemische Pflanzen unter Schutz.

Die charakteristische Fynbos-Vegetation entdeckt man bei Wanderungen entlang der Küste. Die meist unscheinbaren Gewächse bleiben meist unter sich: Die verschiedenen Arten stehen nicht wild über die Landschaft verstreut, sondern in bunten Blumeninseln. Ein schmaler Pfad führt vorbei an den Resten von Schiffswracks und über Felsen, auf denen Angler auf Beute warten. Auf dem Ozean sind hin und wieder Delfine zu sehen. Nur Pinguine lassen sich an diesem Tag nicht mehr blicken - sie halten lieber Abstand zur Zivilisation.

Oliver Gerhard, srt
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