Südafrika Mandelas langer Weg zur Freiheit

Nach Jahrzehnten der Haft in den Gefängnissen des südafrikanischen Apartheid-Regimes thront er heute als weltweit verehrte Autorität über allen Rassen und Religionen im Lande: Nelson Mandela. Seine Zelle auf Robben Island können Touristen ebenso besichtigen wie sein Heimatdorf und die dem ehemaligen Präsident gewidmeten Museen.


Robben Island: Tausende Pinguine bevölkern die Küste der Gefängnisinsel
GMS

Robben Island: Tausende Pinguine bevölkern die Küste der Gefängnisinsel

Kapstadt/Umtata - Pinguine in Afrika? Wer die komischen Vögel nur in antarktischen Gefilden vermutet, wird auf Robben Island eines Besseren belehrt. Zu Tausenden bevölkern sie dort die steinige Küste. Die Schüler, die gerade den für schwarze Südafrikaner obligatorischen Ausflug nach Robben Island absolvieren, setzen ihnen lautstark nach, und mancher weit gereiste Tourist ärgert sich über die lange Reaktionszeit seiner Digitalkamera. Für einen Moment haben sie alle vergessen, warum sie eigentlich mit der Fähre von Kapstadt aus herüber gekommen sind: Die Gefängnisinsel Robben Island ist für sie eine wichtige Station auf einer Reise auf den Spuren Nelson Mandelas.

Robben Island ist ein Mythos, berüchtigt wie Alcatraz in der Bucht von San Francisco. Aber Robben Island steht für mehr als spektakuläre Fluchtversuche - die Insel ist ein Symbol für die Schrecken des südafrikanischen Apartheid-Regimes. Die Elite des schwarzen Widerstands war hier inhaftiert, allen voran Nelson Mandela, der Führer des African National Congress (ANC). 18 seiner insgesamt 27 Haftjahre hat er hier verbracht, in einer Zelle, deren Breite gerade ausreichte, um eine Matte zum Schlafen auf den kalten Zementboden zu legen. Zweieinhalb Stunden dauern die geführten Touren auf Robben Island.

Die Geschichte hat Robben Island bekanntlich ein Happy End beschert. Sie hat das Apartheid-Regime hinweggefegt und die Häftlinge über ihre Peiniger triumphieren lassen. Einige von ihnen arbeiten heute als Touristenführer im Gefängnistrakt, andere hat der Umschwung in höchste Ämter getragen. Nelson Mandela wurde nicht nur Präsident Südafrikas, sondern thront als weltweit verehrte Autorität heute über allen Rassen und Religionen im Lande.

Robben Island: Symbol für die Schrecken des Apartheid-Regimes
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Robben Island: Symbol für die Schrecken des Apartheid-Regimes

Wer wissen will, wo dieser Lebensweg begonnen hat, muss die ausgetrampelten Touristenpfade hinter sich lassen. Rund drei Tagesreisen mit dem Mietwagen liegen zwischen Kapstadt und East London in der Ostkap-Provinz. Im weiteren Verlauf der Autobahn N2 erreicht der Fahrer eine Hügellandschaft von beeindruckender Schönheit, die dennoch bei manchen Südafrikanern als gefährliches Terrain, als "No-go-area" gilt: die Transkei, Heimat Nelson Mandelas, von 1976 bis 1994 ein unabhängiges Homeland und noch heute fast vollständig von Angehörigen des Xhosa-Volkes bewohnt.

Man solle keinesfalls anhalten und aussteigen, nicht einmal um Unfallopfern zu helfen, hatte die besorgte Herbergsmutter in Kapstadt geraten - mit dem gleichen Tipp warten auch ganz seriöse Reiseführer auf. Doch dann steht da am Straßenrand neben einem uralten Toyota dieser gestrandete Autofahrer, der verzweifelt mit einem Benzinkanister winkt. Er wirkt vertrauenswürdig genug, um alle Warnungen in den Wind zu schlagen und ihn bis zur nächsten Tankstelle mitzunehmen. Dort bedankt er sich überschwänglich: "Niemand hält mehr an, alle sind so misstrauisch geworden in Südafrika."

Kurz vor Umtata, der Hauptstadt der Transkei, liegt links der N2 das Dörfchen Qunu. Es unterschiedet sich mit seinen bunten Häuschen und Rundhütten inmitten des baumlosen Graslandes durch nichts von anderen Siedlungen entlang des Weges, ein Schild weist den Weg zum Nelson-Mandela-Museum. Nach Qunu kam Mandela als Zweijähriger aus dem 30 Kilometer entfernten Ort Mvezo, nachdem die weiße Obrigkeit seinem Vater wegen Aufsässigkeit die Häuptlingswürde entzogen hatte. "In Qunu lebten wir in einem bescheidenen Stil, doch verbrachte ich dort einige der glücklichsten Jahre meiner Knabenzeit", schreibt er in seiner Autobiografie "Der lange Weg zur Freiheit".

Nelson-Mandela-Museum von Umtata: Hauptausstellung widmet sich mit Fotos und Zitaten dem Lebensweg Manedelas
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Nelson-Mandela-Museum von Umtata: Hauptausstellung widmet sich mit Fotos und Zitaten dem Lebensweg Manedelas

Qunu und der Geburtsort Mvezo sind heute Außenstellen des Museums, das seinen Hauptsitz in Umtata hat. Beide Dörfer bergen eine ganze Reihe authentischer Pilgerstätten für Mandela-Bewunderer: die Grundmauern seines Geburtshauses, das Familiengrab, die Taufkirche und die Reste der Grundschule, in der er den Namen Nelson erhielt. Mandela ist in Qunu aber nicht nur geistig präsent, sondern oft auch leibhaftig. Am südlichen Ortsrand ließ er sich nach dem Ende der Apartheid seinen Alterssitz errichten, in dem er sich regelmäßig aufhält.

Eines der Gebäude folgt im Inneren dem Grundriss seines letzten Gefängnisses Victor Verster nordöstlich von Kapstadt, in das er 1988 verlegt wurde - eine Anhänglichkeit, die aber nicht auf ein Trauma schließen lässt. Mandela hatte sich nach eigener Aussage schlicht an die Abmessungen des Gebäudes gewöhnt. Zudem handelte es sich bei Victor Verster um eine echte Luxusunterkunft, und das nicht nur gemessen an Robben Island. Mandela standen mehrere Schlafzimmer, ein Fitnessraum und ein Swimmingpool zur Verfügung. Das Gebäude in der Nähe des Weinortes Paarl kann inzwischen ebenfalls besichtigt werden.

Südliches Südafrika: Auf den Spuren Mandelas
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Südliches Südafrika: Auf den Spuren Mandelas

Während man sich schwer vorstellen kann, dass in die verschlafene Ländlichkeit von Qunu jemals Touristenmassen einbrechen werden, ist das Nelson-Mandela-Museum in Umtata an regen Besucherverkehr gewöhnt. Unter den ausländischen Eintragungen im Gästebuch bilden deutsche Adressen die größte Gruppe. International, wenngleich nicht immer künstlerisch wertvoll, sind auch die Geschenke, die Mandela nach seiner Freilassung von Staatsmännern und Privatleuten erhalten hat. In den Seitenflügeln des Museums sind sie zu bestaunen. Die Hauptausstellung widmet sich dem Lebensweg Mandelas, den sie mit Fotos und Zitaten aus der Autobiografie illustriert.

Mandela als überlebensgroße Führer- und Heilsfigur - diese bislang nur symbolische Rolle könnte in Kürze materielle Gestalt annehmen, wenn auch nicht in der Transkei, sondern in der günstiger gelegenen Hafenstadt Port Elizabeth an der Grenze zum Westkap. Dort plant ein Geschäftsmann den Bau eines gigantischen Mandela-Denkmals, das selbst die Freiheitsstatue von New York in den Schatten stellen soll.

Rundherum soll sich ein Freizeitpark gruppieren, der die "Big Five" - Elefant, Löwe, Leopard, Büffel und Nashorn - und andere nicht ganz ortstypische Attraktionen zusammenführt: ein "Best of South Africa" kurz hinter dem Ende der Gartenroute. "Madiba Bay" heißt das Projekt in Anlehnung an den Clannamen Mandelas. Schon zuvor hat sich die Region um Port Elizabeth, die fünftgrößte Stadt des Landes, werbewirksam in "Nelson Mandela Bay" umbenannt. "Mit Sicherheit ist Port Elizabeth nicht der Höhepunkt einer Südafrikareise", heißt es abschätzig in einem Reiseführer. Das soll sich nach Wunsch der Planer ändern, schließlich hat Mandela schon ganz andere Wunder vollbracht.

Von Tobias Wiethoff, gms



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