Südafrikas Gefangeneninsel Die Flucht aus Robben Island

18 Jahre lang saß Nelson Mandela auf Robben Island im Gefängnis - heute führen die ehemaligen Wärter Touristen durch die Gänge. Doch die Insel bei Kapstadt blutet aus: Immer mehr Menschen ziehen aufs Festland.


Robben Island - Die Überfahrt ist nicht ohne Tücken, doch für Kapstadt-Reisende gehört ein Besuch der ehemaligen Gefangeneninsel Robben Island zum festen Programm. Einstige Häftlinge erzählen den Besuchern vom Gefängnisalltag, der harten Arbeit im Kalksteinbruch und ihrem berühmten Mitgefangenen Nelson Mandela, der 18 Jahre seines Lebens in der kleinen Zelle mit der Nummer 46664 einsaß. Unwirtlich ist die karge Insel, vom eiskalten Atlantik umgeben und windumtost.

Pinguine, wilde Katzen und die Seehunde, die der Insel ihren Namen gaben, fühlen sich wohl. Für die Menschen jedoch, die hier zu Hause sind, wird der Alltag immer deprimierender. So wird die einstige Strafkolonie langsam zur Geisterstadt.

Nur noch 112 Menschen leben auf der Insel. Es sind überwiegend ehemalige Gefängnisangestellte und ihre Angehörigen, die heute unterschiedliche Aufgaben im Museum wahrnehmen. 1999, fünf Jahre nach dem Ende des rassistischen Apartheid-Regimes, wurde Robben Island von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Seit 1962 waren dort politische Gefangene inhaftiert - sofern sie schwarz, indischer Herkunft oder Mischlinge waren. Unter ihnen war mit Nelson Mandela auch der prominenteste Kämpfer gegen die Rassendiskriminierung, der 1994 zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas wurde. Die schrittweise Schließung des Gefängnisses in den neunziger Jahren, aber auch fehlende öffentliche Gelder, veranlassten die meisten Bewohner dazu, der Insel für immer den Rücken zu kehren.

"Es hat sich ziemlich verändert ... zum Schlechten", erzählt die ehemalige Bewohnerin Karen Loyd, die lange im Gefängnis arbeitete. "Früher gab es dort Sportplätze und Sonntagsgottesdienste ... heute nicht mehr." Loyd lebte drei Jahrzehnte auf der Insel, bevor sie vor drei Jahren aufs komfortablere Festland zog. Heute gibt es weder Kirche, noch Bücherei oder Polizeiwache auf Robben Island, das elf Kilometer vor Kapstadt liegt. Mit einer Ambulanz, einer Grundschule und einem Kinderhort für die weniger als 20 Kinder wird eine Grundversorgung gewährleistet.

Mandelas Zelle wird renoviert

Zum Einkaufen, zum Arbeiten und zum Besuch weiterführender Schulen auf dem Festland sind viele Bewohner auf die Fähren angewiesen, die täglich die Touristen von Kapstadt zur Insel bringen. Doch die Schiffe aus Apartheid-Zeiten versagten in den vergangenen Monaten immer wieder ihren Dienst. Jetzt wurde ein 25 Millionen Rand (2,1 Millionen Euro) teures Schiff mit Platz für 300 Touristen eingeweiht - mit dem Namen "Sikhululekile" ("Wir sind frei").

Das Geld, das die Regierung für den Ausbau des Museums bereitstelle, reiche nicht aus, um das Leben auf der Insel angenehmer zu gestalten, sagt Naledi Tsiki, Vorsitzender des Museumsvorstands. Die Behörden von Kapstadt und der Provinz Western Cape schöben sich gegenseitig die Verantwortung für die Insel zu. Die Müllentsorgung sei nur eines von vielen Problemen. Ein Korruptionsskandal, der mit der Absetzung von zwei Beamten endete, habe die Angelegenheit auch nicht leichter gemacht.

Der neue Stadtrat von Kapstadt verabschiedete vor kurzem einen ehrgeizigen Fünf-Jahres-Plan zur Renovierung des Inselmuseums, das in den grauen Gebäuden des früheren Gefängnisses eingerichtet wurde. Allein für dieses Jahr stehen umgerechnet 3,7 Millionen Euro zur Verfügung, "um das kulturelle Erbe zu erhalten". Mit Blick auf den 90. Geburtstag von Nelson Mandela am 18. Juli wird auch seine ehemalige Zelle aufpoliert. Von einer Verbesserung der Lebensbedingungen für die verbliebenen Inselbewohner ist in dem Sanierungsplan allerdings keine Rede - sehr zum Bedauern von Karen Loyd. "Dort zu leben, ist wie eingesperrt zu sein."

Isaac Mangena, AFP



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