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09. Dezember 2018, 06:54 Uhr

Insel-Hopping

Auf der Korallenroute durch die Südsee

Hollywoodstars und andere Reiche ließen sich in den Fünfzigern mit Flugbooten über die Südseeinseln jetten. Längst ist diese Korallenroute eingestellt. Der Fotograf Michael Martin folgt ihr jetzt von Insel zu Insel.

Das Traumziel "Südsee" ist so alt wie der Tourismus. In den Fünfzigerjahren verwirklichten ihn wohlhabende Passagiere auf der sogenannten Korallenroute: Von Auckland aus flogen Reiche, Schauspieler und andere Berühmtheiten ab 1951 mit luxuriös ausgestatteten Flugbooten über die Fidschi- und Cookinseln nach Tahiti. Ein Jahr später kamen wahlweise die Zwischenstopps Samoa und Tonga dazu.

Die bauchigen Flugboote des Typs "Solent" boten bis zu 45 Passagieren und zwölf Besatzungsmitgliedern komfortabel Platz und flogen die 5000 Flugmeilen in 50 Stunden. Gelandet und gestartet wurde auf dem türkisfarbenen Wasser der jeweiligen Lagunen - und die kleinen Wasserflugzeuge flogen so tief, dass die Korallen im Wasser gut zu erkennen waren.

Ich will mit meiner Frau Elly vier Wochen lang der "Coral Route" durch den Südpazifik folgen. Nachdem die Letzte der "Solents" längst im Museum im Museum of Transport and Technology in Auckland steht, fliegen wir mit einem modernen Airbus in wenigen Flugstunden von Auckland nach Nadi auf Viti Levu, der größten der 330 Fidschi-Inseln. Von dort startet jeden Morgen der Yasawa Express, ein Schnellboot, das die schönsten Yasawa-Inseln nach Fahrplan miteinander verbindet.

Wir verbringen eine Woche lang jede Nacht auf einer anderen Insel, die Unterkünfte reichen von einfachen Strohhütten bis hin zu modernen Resorts. Höhepunkt ist das Schnorcheln mit Mantas, die vor Nanuya Balavu Island am Meeresboden patrouillieren. Vor der Insel Nacula tauche ich zum ersten Mal in meinem Leben mit Geräten, in Begleitung eines Tauchlehrers. Der halbstündige Tauchgang lässt mich ahnen, warum für viele die schönsten Tauchreviere der Erde im Südpazifik liegen.

Von Buckelwalen umzingelt

Weiter nach Vava'u, einer Inselwelt im Norden des Königreichs Tonga. Unvergessen der im Jahre 2006 verstorbene, über 200 Kilogramm schwere König Taufa'ahau Tupou IV, dessen Einladung, nach Tonga auszuwandern, so mancher Europäer folgte.

Einer von ihnen ist der Österreicher Joe, den wir am ersten Abend an der Kaimauer treffen. Die langen Haare sind grau geworden in den drei Jahrzehnten auf Tonga. Er findet bis heute als Maler und Gipser genügend Arbeit und war nur einmal zur Hochzeit seines Bruders wieder in der Heimat. Heute kommen keine Freaks nach Tonga, sondern chinesische Geschäftsleute, welche immer mehr Teile der Wirtschaft kontrollieren. Australien und China liefern sich einen Kampf um wirtschaftliche und militärische Einflusssphären im Südpazifik.

An einem sonnigen Morgen nehmen wir an einer Whale-Watching-Tour teil. Immer wieder sichten wir in der Ferne Buckelwale, doch sobald wir näher kommen, sind sie schon weitergezogen. Erst auf dem Rückweg haben wir Glück. Drei Buckelwale umkreisen eine halbe Stunde das Boot. Wir gehen ins Wasser und verfolgen durch unsere Taucherbrillen die eleganten Bewegungen der Kolosse. Noch ein Taucherlebnis erwartet uns im Swallows Cave, wo die Nachmittagssonne in die Grotte eindringt und Schwärme kleiner Fische im glasklaren Wasser schimmern lässt.

Weiterflug auf die südlich gelegenen Ha'apai-Inseln, die von Kokospalmen bewachsen und von Korallenriffen umgeben sind. Wir beziehen Quartier an der Nordspitze der Insel Foa und wundern uns schon gar nicht mehr über die 100 Dollar, die für eine einfache Strohhütte ohne sanitäre Einrichtungen fällig werden. Das nächste Ziel sind die winzigen Cookinseln, die zu Neuseeland gehören. Über Rarotonga geht es nach Aitutaki, für viele die schönste Lagune der Welt.

Bedroht durch den Klimawandel

Unter Seglern herrscht Einigkeit, dass die Inseln Französisch-Polynesiens die schönsten Strände und Lagunen des gesamten Südpazifiks bieten. Wir fliegen nach Papeete auf Tahiti, die Hauptstadt des französischen Übersee-Departments. Mit einem Mietwagen folgen wir den buchtenreichen Küsten der beiden Inseln Tahiti Nui und Tahiti Iti. Die spektakulärste Landschaft erleben wir am Teahupoo Beach an der Südwestküste von Tahiti Iti: Tief eingeschnittene Täler führen von der Küste in die schroffe, dicht bewachsene Vulkanlandschaft hinein.

Mit einem relativ günstigen Air Pass der lokalen Airline Air Tahiti gelangen wir nach Tikehau, ein winziges Atoll, das zum Tuamotu-Archipel gehört. Atolle sind ringförmige Korallenriffe, die eine Lagune umschließen. Sie entstanden nach einer immer noch gültigen Theorie von Charles Darwin um heute oft versunkene Vulkaninseln herum. Das Korallenriff bildet einen Saum von häufig äußerst schmalen Inseln aus, die als Motus bezeichnet werden.

Der Franzose Jean Louis Depierre holt uns am winzigen Flugplatz mit seinem klapprigen BMW ab und fährt uns zu seinem nahen Grundstück. Er zeigt uns das einfache Zimmer, danach begibt sich der passionierte Koch in die Küche und brutzelt für seine sechs Gäste ein mehrgängiges Menü. "Pensionen" heißen derartige Unterkünfte in Polynesien, große Hotels sind die absolute Ausnahme.

Viel zu sehen gibt es auf Tikehau nicht. Zu eintönig sind die Landflächen der Atolle, der unfruchtbare Boden lässt meist nur Kokospalmen gedeihen. Das Meer ist zwar voller Fische. Doch der Tourismus bietet bessere Verdienstmöglichkeiten als die Fischerei, zumal die Absatzmärkte für Fisch weit entfernt sind. Chinesische Fangflotten bedrohen die reichen Fischbestände in Französisch-Polynesien nicht, da die französische Marine die Hoheitsgewässer effektiv kontrolliert. Viele Teile des Südpazifiks gelten aber aufgrund der vielen illegalen Fangflotten inzwischen als überfischt.

Tikehau ragt wie die anderen 300 pazifischen Atolle nur einen bis zwei Meter aus dem Wasser und ist damit durch den Klimawandel unmittelbar bedroht. Der Weltklimarat IPCC geht im ungünstigsten Fall von einem Meeresspiegelanstieg um 82 Zentimeter bis zur Jahrhundertwende aus.

Springende Delfine als Begleiter

Da Fährverbindungen zwischen den Inseln rar sind, bringt uns ein zehnminütiger Flug nach Rangiroa. Mit einem kleinen Boot geht es quer durch das zweitgrößte Ringatoll der Welt. Ziel ist die Lagune Bleu, die als Teil des großen Rings ihrerseits den Rest eines kleineren Vulkans darstellt. Ich lasse meine Fotodrohne aufsteigen und staune über die abstrakte Schönheit, die erst die Vogelperspektive zeigt.

Nach einem Bootsausflug zu den Île aux Récifs steuert der Kapitän das kleine Boot in den natürlichen Kanal zwischen den beiden Motus Avaturo und Tiputa. In der heftigen Strömung tummeln sich Dutzende Delfine, die spielerisch vor und neben unserem Boot meterhoch aus dem Wasser springen.

Es ist eines dieser Erlebnisse, welches die Südsee auch 57 Jahre nach Einstellung der Coral Route zu einem Traumziel machen.

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