Fotostrecke

Surfen in Alaska: Kühle Wellen, kühne Reiter

Foto: STREETER LECKA/ AFP

Surfen in Alaska Schleudergang im Eiswasser

Nach Alaska zum Surfen? Und das bei fünf Grad Wassertemperatur? Die wahren Surf-Freaks stört das nicht. Die gigantische Gezeitenwelle, die im Turnagain Arm bei Anchorage entsteht, lässt sie die Kälte schnell vergessen.

Unter fünf Grad Celsius ist das Wasser in der Cook Inlet südöstlich von Anchorage in Alaska derzeit kalt - nicht unbedingt das einladendste Gewässer, um zu surfen. Dass sich trotzdem viele in der Bucht aufs Board wagen, liegt an einer speziellen Laune der Natur: Hier entsteht eine besonders hohe Gezeitenwelle, Bore genannt.

Das Wasser in der Bucht verzweigt sich an dieser Stelle. Ein Teil fließt in den Knik Arm, der andere in den flachen Turnagain Arm. Hier können beim Gezeitenwechsel zweimal täglich große Wellen  entstehen, wenn das Wasser bei Flut aus einer breiten Bucht in die enger werdende Flussmündung gedrückt wird.

Im Extremfall erreichen sie bis zu drei Meter Höhe, wenn Windrichtung und -stärke stimmen - ein Schauspiel, das sich nur an rund 60 Orten weltweit regelmäßig erleben lässt.

Der vielleicht umwerfendste Ort zum Surfen

Zwar soll die Welle auf dem Qiantang-Fluss in China mit fast zehn Metern die größte sein, doch die "Bore Tide" in Alaska besticht durch die "dramatische" Umgebung schneebedeckter Berge, schreibt die Tageszeitung "The Australian"  und spekuliert: "Ist das der umwerfendste Ort zum Surfen auf der ganzen Welt?"

Den brasilianischen Surfer Sergio Laus, den der in Anchorage beheimatete Fernsehsender KTVA jüngst beim Surfen filmte , bringt die Landschaft zum Schwärmen. Der Ort sei "wunderschön", sagte er, bevor er in den Wetsuit stieg, der ihn im kalten Wasser warm halten sollte. Sein Ziel ist, alle Gezeitenwellen der Welt zu surfen.

In China , Indonesien, England , Frankreich und Brasilien war Laus deshalb schon, jetzt kann er auch Alaska von der Liste streichen. Das Abenteuer auf der Welle dort sei "unglaublich" gewesen, sagte er später. Er habe die Kraft der Natur gespürt und hätte mit seinen Freunden einfach dahingleiten können - bis es ihn nach fast fünf Minuten schließlich vom Brett riss.

Ein Zeitplan der Naturschutzbehörde zeigt die genauen Termine an

Wer das Gleiche erleben möchte, kann sich beispielsweise an dem Zeitplan orientieren , den die Naturschutzbehörde des US-Bundesstaats herausgibt. Darin sind die genauen Tage und Uhrzeiten notiert, an denen die Welle erwartet wird.

An dem empfohlenen Beobachtungspunkt Bird Point tritt sie typischerweise etwa zwei Stunden und 15 Minuten nach der Ebbe in Anchorage auf, heißt es darin. Allerdings gibt es häufig zeitliche Abweichungen von bis zu 30 Minuten.

Kommt der Wind aus Richtung Anchorage, rollt das Wasser laut Naturschutzbehörde früher und in niedrigerer Höhe heran. Bläst er dagegen aus Portage am anderen Ende des Turnagain Arm, sei die Welle höher und käme später. Die höchste Gezeitenwelle entsteht  demnach bei extrem niedrigem Niedrigwasser und in Voll- und Neumondphasen. Das nächste Mal voraussichtlich zwischen dem 9. und 15. August .

emt
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.