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Wellenreiten in Nordkorea: Surfen am Majon Beach

Foto: Surf North Korea

Surfen in der Diktatur "Die Schönheit Nordkoreas hat uns umgehauen"

Eine Traumküste, Top-Anfängerwellen: Ein Reisebüro bietet jetzt Surfsafaris nach Nordkorea an. Wellenreiter Nik Zanella hat es schon ausprobiert. Aber - darf man in einer Diktatur Urlaub machen?

SPIEGEL ONLINE: Herr Zanella, Sie sind gerade von der allerersten Surfreise nach Nordkorea wiedergekommen. Wie war's?

Zanella: Grandios. Wir waren mit acht Mann unterwegs, alles Leute, die heiß darauf waren, einen historischen Trip zu wagen. Die Schönheit Nordkoreas hat uns regelrecht umgehauen. Die Küste, die Strände, die Wälder und Seen: Das ist pure Natur, kein Plastikmüll, keine Kippen.

SPIEGEL ONLINE: Wie sind Sie darauf gekommen, dass man in Nordkorea gut Wellenreiten könnte?

Zanella: Ich arbeite seit 2010 in China als Surf-Kundschafter und -Lehrer. Meine Kunden sind meist Internationale Schulen, die ihren Schülern Outdoor-Erlebnisse bieten wollen. Auf der Suche nach neuen Surfspots schaue ich mir viele Satellitenbilder an, studiere Küstenlinien und Asien-Karten. Und irgendwann fiel mir auf, dass es an der Ostküste Nordkoreas nahe Hamhung eigentlich ideale Bedingungen zum Surfen geben müsste.

Zur Person
Foto: Surf North Korea

Der Italiener Nik Zanella, 47, lebt seit 2010 auf der chinesischen Tropen-Insel Hainan, von wo er als Surf-Kundschafter und -Lehrer arbeitet. Auf der Suche nach neuen Surfspots wurde er für den amerikanischen Reiseveranstalter Uri Tours  in Nordkorea fündig.

SPIEGEL ONLINE: Und, hatten Sie recht?

Zanella: Ich hatte darauf gehofft, dass wir einen Sommer-Taifun über Japan erwischen und die Dünung entsprechend hoch sein würde. Da hatten wir dann Pech, die Wellen waren nur etwa einen Meter hoch. Andererseits war das genau richtig für unsere Schüler.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben den Nordkoreanern das Surfen beigebracht?

Zanella: Einigen, ja. Genau genommen unseren Fahrern, unseren staatlich bestellten Aufpassern und drei Angestellten des örtlichen Hotels. Am Anfang waren alle sehr zögerlich, zum Schluss haben wir sie dann kaum noch aus dem Wasser gekriegt. Die wollten schon um 6 Uhr morgens raus, um ja keine Welle zu verpassen.

SPIEGEL ONLINE: In Nordkorea herrscht Mangelwirtschaft. Wie haben Sie sich versorgt?

Zanella: Wir sind mit sechs Boards und reichlich Neoprenanzügen angereist, alles andere gab es vor Ort. Nordkorea öffnet sich ja langsam, in Pjöngjang gibt es zum Beispiel mehrere italienische Restaurants. Es wächst eine Mittelschicht heran, die Strandurlaub machen will. Auch Touristen aus China kommen zunehmend ins Land. Es gibt also eine touristische Infrastruktur. In unserem Hotel an der Küste haben wir am Strand frische Meeresfrüchte und Grillfleisch, Bier und Reiswein serviert bekommen.

SPIEGEL ONLINE: Halten Sie es für vertretbar, Urlaub in einem Land zu machen, dessen Regime seine Bürger unterdrückt, in dem Menschen hungern?

Zanella: Ich glaube nicht, dass es verkehrt ist, nach Nordkorea zu reisen. Wenn man die Welt ändern will, muss man das Schritt für Schritt machen und auch seine eigenen Vorurteile infrage stellen. Wenn ich irgendwo auftauche, ändert das schon etwas. Ich bin in Nordkorea mit einem Surfboard unter dem Arm über die Straße gegangen, und ein Soldat mit seinem Sturmgewehr schaute mich an und lächelte dann. Da ist schon etwas Gutes passiert.

SPIEGEL ONLINE: Sie sagen, Sie hatten Aufpasser dabei. Haben die Ihren Bewegungsradius eingeschränkt?

Zanella: Wir haben den Druck des Hermiten-Staats nicht gespürt. In etwa zehn Prozent der Fälle haben unsere Begleiter uns gebeten, bestimmte Motive nicht zu fotografieren, wobei uns oft nicht klar war, warum. Ansonsten hatten wir keine Probleme. Aber ich fahre auch nicht als Tourist nach Nordkorea, um dann unangenehme Themen aufs Tapet zu bringen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben also kein schlechtes Gewissen?

Zanella: Nein. Ich habe vor unserem Abflug viel über das Land gelesen, ich bin mir bewusst, was da los ist. Aber ich habe ja nichts Schlimmes getan. Ich habe einigen Leuten Freude bereitet. Wir haben unsere Bretter dagelassen und hoffen, dass die drei Hotelangestellten fleißig üben. Vielleicht können sie irgendwann die ersten Surflehrer Nordkoreas werden.

SPIEGEL ONLINE: Was war der beste Moment der Reise?

Zanella: An einem Tag kurz vor Ende unserer Woche vor Ort bin ich mit einem Kumpel weit rausgepaddelt, um ein paar größere Wellen zu erwischen. Als wir dann von weitem auf den Strand schauten, sahen wir, wie die Koreaner auch ohne uns in den Wellen rumtollten und Spaß hatten. Einige konnten aufstehen und tatsächlich eine Welle zu Ende reiten. Das war eine Vision von Dingen, die da hoffentlich kommen werden. Ich würde mich freuen, wenn der Strand in Nordkorea eine Quelle für Lebensfreude würde, für Einheimische wie Touristen.