Syrien Burgen, Basare und Badehäuser

In 6500 Jahren hinterließen 33 Zivilisationen ihre Spuren in Syrien: Sumerer, Babylonier, Ägypter, außerdem Griechen, Römer und Kreuzritter, nicht zu vergessen die Osmanen. Urlauber finden eine hoch entwickelte islamisch-arabische Kultur, beeindruckende Badehäuser und den größten Basar des Morgenlandes.


Ruinen der Oasenstadt Palmyra aus dem dritten nachchristlichen Jahrhundert
GMS

Ruinen der Oasenstadt Palmyra aus dem dritten nachchristlichen Jahrhundert

Das Basarviertel im Herzen der Altstadt von Damaskus wurde von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt. Die Stadtmauer ist nahezu komplett erhalten, in ihr gibt es jede Menge Moscheen, Kirchen, Karawansereien - und neben Eselskarren auch jede Menge Autos, die sich durch jede noch so enge Gasse zwängen. Die Altstadt wird von Ost nach West von der schnurgeraden "Via recta" geteilt, die schon im Neuen Testament erwähnt ist. In ihrer Nähe stehen zwölf christliche Gotteshäuser.

Zwei davon sind für Touristen ein "Muss": die Ananias-Kapelle und die Kapelle des Heiligen Paulus im Stadttor Bab Kaisan. Glaubt man der Bibel, wurde der Apostel genau dort von seinen Anhängern in einem Korb von der Stadtmauer herabgelassen, damit er vor seinen Verfolgern fliehen konnte. Zuvor war er, der sich als Christenverfolger einen Namen gemacht hatte, vom Saulus zum Paulus bekehrt worden. Die rund 2000 Jahre alte Ananias-Kapelle liegt rund sechs Meter tief in der Erde und ist einer der ältesten christlichen Sakralbauten. Sonntags werden hier Messen in lateinischer Sprache zelebriert.

Farben und Duft auf orientalischen Basaren sind eine besondere Freude für die Sinne
GMS

Farben und Duft auf orientalischen Basaren sind eine besondere Freude für die Sinne

Nicht weit entfernt liegt die Omajjaden-Moschee, die auf das achte Jahrhundert nach Christus zurückgeht. Zuvor hatten hier ein Jupitertempel und eine Kirche gestanden. Das 157 mal 100 Meter große Gebäude wurde durch Plünderungen, Brände und Erdbeben immer wieder in Mitleidenschaft gezogen, aber immer wieder aufgebaut. Prächtig sind die Mosaiken in den Arkadengängen, die das Paradies darstellen - mit goldenem Himmel und 22 verschiedenen Grüntönen für das Laub der Bäume. Den 140 Meter langen Betraum dürfen Besucher nur barfuss betreten. In seiner Mitte steht ein mit Plastikblumen verzierter Schrein, der das Haupt Johannes des Täufers bergen soll.

Direkt am Ostportal der Moschee lockt der vielleicht schönste Rastplatz des Orients: das Kaffeehaus Al Nawfara. Hier sitzen die Gäste auf wackeligen Holzstühlen, nippen am Mokka, rühren im Minztee oder saugen an einer Wasserpfeife mit Apfel- oder Kirschgeschmack.

Nach dem Tod des Säulenheiligen Simeon im Jahr 459 wurde ihm zu Ehren eine Klosterkirche errichtet
GMS

Nach dem Tod des Säulenheiligen Simeon im Jahr 459 wurde ihm zu Ehren eine Klosterkirche errichtet

Ein beliebtes Freizeitvergnügen der Syrer ist der Besuch eines der alten Badehäuser, die strikt nach Geschlechtern getrennt sind. Die Hammams stehen auch Touristen offen, und sie sind ein idealer Einstieg in den Orient. In Damaskus etwa kann der Nuraddin-Hammam im alten Basarviertel besucht werden - ein acht Jahrhunderte altes Badehaus mit herrlichen Kuppeln und Kacheln. Hier ist man auf neugierige Abendländler eingestellt und spricht sogar ein bisschen Englisch und Französisch. Geboten werden heiße Dampfbäder mit Massage auf dem warmen Marmorboden unter der großen Kuppel.

Neben Damaskus wartet Syrien noch mit vielen weiteren christlichen Stätten auf. Interessant ist Maloula, ein Dorf in den Bergen nördlich von Damaskus. Hier und in zwei benachbarten Orten sprechen noch ungefähr 20.000 Menschen Westaramäisch - die Sprache, die auch Jesus Christus sprach. Maloula ist berühmt für seine zwei Klöster, das des heiligen Sergius und das der heiligen Thekla. Sobald ein Reisebus vorfährt, wird in der Kapelle von Einheimischen ein aramäisches Gebet angestimmt - manchmal auch vom Pater höchstselbst, sofern der nicht hinterm Tresen im klostereigenen Souvenirladen steht.

Syrien
GMS

Syrien

Viele Besucher lockt die Kreuzritterburg "Krak des Chevaliers" mit ihrem gotischem Kreuzgang, ihren Türmchen und Schießscharten an. Von hier aus kontrollierten die Kreuzritter von 1110 bis 1271 das Land.

In Nordsyrien, nahe der türkischen Grenze, lohnt das Simeonskloster einen Besuch. Seinen Ruhm verdankt es dem ersten Säulenheiligen der Geschichte. 30 Jahre lebte Simeon auf einer 19 Meter hohen Säule, betend, fastend und schlafend. Nach seinem Tod im Jahr 459 wurde damit begonnen, eine große Kirche in Kreuzform um die Säule herum zu bauen. Von Simeons Säule ist heute nur ein etwa ein Meter hoher Stumpf übrig, der Rest verschwand Brocken für Brocken in den vergangenen 1500 Jahren als Souvenir in den Taschen von Pilgern.

Ein Beispiel für die hellenistische Baukunst auf syrischem Boden ist Apameia. Entlang der wieder aufgebauten, rund zwei Kilometer langen Säulenstraße dürften vor 2000 Jahren rund 250 000 Menschen gelebt haben. Die Überreste ihrer Tempel, Thermen und Latrinen sind noch heute zu besichtigen.

Die Zitadelle in Aleppo gilt als gröþte Burg in der arabischen Welt
GMS

Die Zitadelle in Aleppo gilt als gröþte Burg in der arabischen Welt

Noch Atem beraubender ist Palmyra, eine Oasenstadt in der Wüste: "Die Stadt mit ihren auf Marmorsäulen ruhenden Bauten ist ein Wunder. Manche behaupten, sie sei von Dämonen für König Salomo erbaut", schrieb der syrische Geograf Yakut im 13. Jahrhundert. Doch es waren Menschen, Kanaaniter und Aramäer, die Triumphbogen und Baal-Tempel, Turmgräber und Agora anlegten, vollkommen in Stil und Proportionen.

Im Jahr 266 wurde Zenobia zur Königin gekrönt. Sie machte Palmyra zu einer der prunkvollsten Städte der damals bekannten Welt. Doch war Zenobia größenwahnsinnig und legte sich mit dem römischen Reich an. Der Rest ist Geschichte: 271 ließ Kaiser Aurelian Palmyra zerstören.

Aleppo ist Syriens zweitgrößte Stadt. Reisende, die noch eine Dosis Geschichte vertragen, sehen sich die Zitadelle im Zentrum an, die größte Burg der arabischen Welt. Gleich daneben lockt mit dem größte Basar des Orients ein weiterer Superlativ: Der Souk von Aleppo besteht aus insgesamt zwölf Kilometern überdachter Ladenstraßen. Es riecht hier überall nach Kardamon und Olivenseife, nach Hammelfett und Mottenkugeln. Irgendwo meckert eine Ziege, ein Muezzin ruft zum Gebet. Die Farben, Gerüche und Geräusche überschwemmen die Sinne.

Die politische Lage in Syrien ist auch nach den Terroranschlägen in den USA ruhig. Die mit harter Hand regierende sozialistische Baath-Partei des Präsidenten al-Assad hat die islamischen Fundamentalisten bisher erfolgreich unter Kontrolle. Viele Frauen gehen ohne Schleier durch die Straßen. Alkohol und Miniröcke sind nicht verboten. Statt religiöser Koran-Kalligrafien hängen an jeder zweiten Häuserwand Bilder und Parolen des Präsidenten.

Die Frage, ob man nach den Terroranschlägen überhaupt noch arabische Länder besuchen sollte, lässt sich nicht pauschal beantworten. Eine Hilfe bei der Entscheidungsfindung sind die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes - und was Syrien angeht, sieht das Ministerium in Berlin gegenwärtig keinen Anlass, von Reisen abzuraten.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.