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Marokko: Was Tamouda Bay Touristen bietet

Foto: Conseil Régional du Tourisme Tanger-Tetouan-Al Hoceima/ TMN

Tamouda Bay Kann Marokko Riviera?

Strand, Fischerdorf, Jachthafen: Ein Küstenabschnitt im Norden Marokkos will Urlauber von Touristenmagneten wie Agadir abziehen. Doch was erwartet Fernwehgeplagte rund um die Tamouda Bay?

Einladend breit sind sie - und gespickt mit Muschelstückchen. Die Sandstrände von Tamouda Bay liegen keine hundert Kilometer von Tanger entfernt, von Marokkos Hafenstadt an der Straße von Gibraltar. Tamouda Bay soll eine Alternative zu Agadir und Essaouira sein. Der König urlaubt angeblich gerne hier.

Damit wirbt jedenfalls das marokkanische Fremdenverkehrsamt. Es preist den Küstenabschnitt als "Riviera" an. Zu Recht?

Riviera, der Begriff ist eine Verheißung. Er klingt nach schillernden Badeorten, wie es sie an der Côte d'Azur gibt. Im Kopf bauen sich bunte Küstennester auf, wie man sie aus Ligurien kennt.

Doch bis auf das Fischerstädtchen M'Diq gibt es entlang der 25 Kilometer langen Tamouda Bay keinen authentisch gewachsenen Ort - nur verstreute Resorts und hermetisch abgeschirmte Apartmentanlagen. Und die Marina Smir mit Caféterrassen und Protzjachten.

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Marokko: Was Tamouda Bay Touristen bietet

Foto: Conseil Régional du Tourisme Tanger-Tetouan-Al Hoceima/ TMN

Dass Mohammed VI. im Sommer hier die königlichen Viere von sich streckt, stimmt zwar. Bei M'Diq ist der lange Strandabschnitt vor dem Königspalast für Normalsterbliche aber komplett gesperrt, was wiederum die Möwen freut, die ihn meist für sich allein haben. Einfach um die stark bewachte Anlage spazieren, um auf der anderen Strandseite herauszukommen - das geht nicht so leicht. Man hätte ein paar Kilometer zu überwinden.

Mittelmaß am Mittelmeer

Wer sein Basislager an der Tamouda Bay aufschlägt, muss sich auf Mittelmaß am Mittelmeer einstellen. Aber die Ausflüge reißen es raus. Zum Beispiel zum historischen Bezirk von Tétouan, der von der Unesco als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde.

Abir Mourabet, 25, ist Tourguide in der Stadt. Die toughe Marokkanerin sagt, es sei eine tägliche Herausforderung, sich im Haifischbecken der Männerwelt zu behaupten. Was ihr offenbar gut gelingt. Als Muslimin praktiziert sie den Ramadan, betet aber nicht und trägt auch keinen Schleier. Dafür steckt sie sich eine Zigarette nach der anderen an.

Für die Medina, eine der besterhaltenen Altstädte Marokkos, gibt Mourabet eine kleine Farbenlehre an die Hand: Hinter grünen Türen verbergen sich Geschäfte, hinter braunen Privathäuser. Die traditionellen vier Eckpfeiler für das Leben der Menschen seien Moschee, Koranschule, Hamam und Brunnen. Die Medina komplett zu erkunden, ist unmöglich: 4000 Gassen gebe es, rund 100.000 Menschen wohnten hier.

Einer, der die Medina ebenfalls bestens kennt, ist Jalal El Oddi. "Die Medina ist nicht auf das moderne Leben ausgerichtet", sagt der 62-jährige Lebensmittelingenieur, der inzwischen außerhalb wohnt. "Hier kommt man nicht mit dem Auto durch." El Oddi wurde im großväterlichen Palast geboren, den er als Kulturzentrum neu hat aufleben lassen.

"Die Gasse ist genauso wie in meiner Kindheit", sagt er. "Das meiste in der Medina hat sich nicht verändert, da fühlt man sich wie im 18. und 19. Jahrhundert." Es gibt überall kleine Läden und Märkte, da bekomme man alles: Brot, Fleisch, Fisch, Gemüse. Nur Luxus gebe es keinen. Die Häuser hätten weder Heizung noch Klimaanlage. "Aber vielleicht ist die Ruhe der Luxus."

Abir Mourabet erzählt auf dem Medina-Rundgang auch über den Alltag. "Frauen zahlen mehr im Hammam", erklärt sie. Der Grund: Sie können kleinere Kinder mitbringen, selbst von Bekannten, der Eintritt ist inklusive. Dann deutet sie auf winzige Festkostüme, in die Jungs während der Tage der Beschneidungszeremonie gesteckt werden. "Früher wurde das einfach bei Barbieren gemacht, die hatten die Werkzeuge." Heute gebe es spezialisierte Ärzte dafür.

Plötzlich stinkt es nach Tier. Aber so richtig: Es ist die Gerberei an den Stadtmauern. Dahinter schließt sich der Friedhof an. Die Sonne schickt Licht in schmale Gassen. Kätzchen streunen umher, Alte schleppen sich mühsam voran. Dann strömt der Duft von Brot aus einer Backstube.

Blau, blau, blau

Im Rif-Gebirge im Inland und damit abseits der wenig spektakulären Küste liegt ein weiterer Höhepunkt: Chefchaouen. Im Spätmittelalter begründeten Vertriebene aus Südspanien den Ort als neue Heimat und bauten ihre Häuser zu Füßen der markanten Gipfel.

Chefchaouen, die blaue Stadt

Chefchaouen, die blaue Stadt

Foto: Andreas Drouve/ TMN

Historisch sind die Burg und die Hauptmoschee. Rundum haben die Bewohner die Stadt in Blau angestrichen, damit das ursprüngliche Weiß nicht so in den Augen sticht. Wände, Fassaden, Treppen, Portale, Fenstergitter, ja ganze Gassenböden fügen sich zu schönen Ensembles und bringen massenhaft Likes im Netz.

Noch mehr Blautöne bringt das Ende des Tages, zurück an der Tamouda Bay. Am Strand von M'Diq haben sich Angler positioniert. Männer mit entblößter Brust spielen Fußball. Fischerboote tuckern in die Dämmerung, später flackern ihre Positionslichter durch die Nacht. Ist das eine Riviera? Nein, eher nicht. Aber muss es das sein?

Andreas Drouve, dpa/jus