Tarangire-Nationalpark in Tansania Elefanten-Picknick im Grünen

Michael Martin

Es ist Januar, die Landschaft sattgrün, und im Tarangire-Nationalpark taucht eine Elefantenherde vor der Kamera von Michael Martin auf. Impressionen aus dem Norden Tansanias.

Zur Person
  • Elfriede Martin
    Michael Martin, 1963 geboren, ist Diplom-Geograf und renommierter Wüstenfotograf. Der Münchner hat seit seinem 17. Lebensjahr 150 Wüstenreisen unternommen und darüber mehr als 20 Bücher veröffentlicht, darunter auch "Die Wüsten der Erde" und "Planet Wüste". Martins neues Projekt: ein Porträt des Planeten Erde.
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Behäbig queren zwölf Elefanten das Flussbett des Tarangire-Flusses im gleichnamigen Nationalpark im Norden Tansanias. Ich habe mein großes Teleobjektiv auf dem Dach des Geländewagens abgestützt und fotografiere durch die Dachluke die friedliche Szene.

Es hat sich gelohnt, dass wir uns diesmal die weite Anfahrt und die hohen Parkgebühren der Serengeti gespart haben und den Tarangire-Nationalpark nur 100 Kilometer westlich von Arusha besuchen. Nirgendwo in Afrika gibt es mehr Elefanten zu erleben, und dies in einer Landschaft, die im Januar wunderbar grün ist. Der Park dient aber auch 700 Löwen als Lebensraum, Ornithologen zählen 450 Vogelarten.

Lebensader des 2850 Quadratkilometer großen Parks ist der Tarangire-Fluss, der den Park in eine östliche und westliche Hälfte teilt. Er führt auch in der Trockenzeit Wasser und ist dann Anziehungspunkt für zahllose Wildtiere. Mächtige Affenbrotbäume und zahllose Termitenhügel kennzeichnen das Landschaftsbild, das im Rhythmus der Trocken- und Regenzeiten seine Farbe wechselt.

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Tansania: Elefanten-Stelldichein

Vom Tarangire-Nationalpark sind es nur drei Fahrstunden zu zwei anderen Zielen im Norden Tansanias, die bei weitem nicht so bekannt sind wie Serengeti und Ngorongoro-Krater, aber die Anfahrt auf holpriger Piste lohnen: der Vulkan Ol Doinyo Lengai und der benachbarte Natronsee. Beide liegen im Großen Afrikanischen Grabenbruch, der sich vom Roten Meer in Djibouti durch Äthiopien, Kenia nach Tansania zieht.

Vulkan Ol Doinyo Lengai: Den Massai heilig, für Geologen einzigartig

In dieser Bruchzone der Erdkruste steht mit dem Ol Doinyo Lengai der einzige Vulkan der Erde, der eine besondere, nur circa 500 Grad Celsius heiße Karbonitlava fördert. Nach den großen Ausbrüchen in den Jahren 2007 und 2008 ist er derzeit ruhig und kann in einer langen Tagestour bestiegen werden. Da ich bereits viermal auf seinem Kraterrand stand, lassen mein Freund und Fotografenkollege Jörg Reuther und ich diesmal nur unsere Fotodrohne an seinen Hängen steigen.

So einzigartig der Vulkan für Geologen ist, so heilig ist er für die Massai, die ihn als Sitz ihres Gottes Enkai betrachten. "Jedes Jahr opfern wir dem Berg ein Schaf oder eine Ziege", sagt Matthew, der hochgewachsene Chief eines kleines Massai-Kraales am Fuße des Vulkans. Er lebte lange in New York City und ist nun in seine Heimat zurückgekehrt, sein Alter von 75 Jahren sieht man ihm nicht an.

Mit wachem Blick und knappen Worten überwacht er, wie junge Männer die Rinder mit einem Mittel gegen Fellparasiten besprühen. Dann werden die Muttertiere gemolken, bevor sie aus dem Gatter dürfen, um den Tag auf den Weideflächen zu verbringen. Die meisten der 500 Rinder des Dorfes sind im Januar zwei Tagesmärsche entfernt auf den Hochflächen, während Ziegen und Schafe mit dem vergleichsweise spärlichen Nahrungsangebot am Vulkan zurechtkommen müssen.

Auch in diesem Dorf sind es die Kinder, welche die Ziegen und Schafe hüten und deswegen von den Eltern nicht zur Schule geschickt werden. Chief Matthew zeigt auf ein weit entferntes Gebäude. "Unsere neue Schule!", sagt er stolz. Sie soll bald den Betrieb aufnehmen, und dann haben die Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder wenigstens zeitweise zur Schule zu schicken.

Natronsee: An der Wiege der Menschheit

Während der Vulkan Lengai die Landschaft dominiert, könnte man den 58 Kilometer langen Natronsee fast übersehen. Nur als feine, silberne Linie zeichnet sich seine Oberfläche am Horizont ab. Mit dem Geländewagen brauchen wir wegen des unwegsamen Geländes fast eine Stunde, bis wir an seinem Ufer stehen.

Der Natronsee wird zwischen Juni und November von bis zu drei Millionen Zwergflamingos besucht, die im flachen Wasser stehen und dieses mit ihren besonderen Schnäbeln filtern, um Algen aufnehmen zu können. Ihre langen Beine sorgen für genügend Abstand zum stark alkalischen Wasser. Vor einem Jahr sind wir mit einer Cessna über den Natronsee geflogen und haben die von Algen rot gefärbten Salzflächen fotografiert, die vom Ufer nicht zu sehen sind.

Zwischen Natronsee und dem Ol Doinyo Lengai liegt eine unscheinbare Felsplatte, die man nicht wahrnehmen würde, wäre sie nicht von einem baufälligen Zaun umgeben. Im Fels sind fossile Fußspuren zu erkennen, die 120.000 Jahre alt sind. Anthropologen haben auf der 150 Quadratkilometer großen Fläche 350 Abdrücke nachgewiesen, die von mehr als 30 Homo sapiens stammen.

Aber die Spuren der Menschwerdung reichen hier viel weiter zurück. Mary und Louis Leakey erlangten Weltruhm, als sie in den Dreißigerjahren in der nahen Olduvai-Schlucht Knochen der Frühmenschen Homo habilis und Homo erectus fanden. Richard Leakey setzte die anthropologische Arbeit seiner Eltern am Turkanasee im Norden Kenias fort. Seine Funde am Ost- und Westufer machten auch ihn weltberühmt.

Ihn werde ich in ein paar Tagen in Nairobi zu einem Gespräch über die Entstehung des Menschen und seine Zukunft treffen.

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2 Leserkommentare
pmschneider 21.01.2019
0071896 02.02.2019

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