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Tauchen in Thailand: Elegante Mantas, träge Walhaie

Foto: Frank Schneider

Tauchen in Thailand Fetzenfisch im Kopfstand

Purpurne Korallen, fetzige Fische und Walhaie, die einen fast über den Haufen schwimmen: Der Richelieu Rock gilt als Thailands vielleicht bestes Tauchrevier. Wer hierher kommt, entgeht den Touristenmassen im Süden - und den Dynamitfischern aus dem Norden.
Von Linus Geschke

Alles leuchtet in Purpur - von den Weichkorallen bis zu den Gorgonien, vom Flachwasser bis in die tieferen Regionen. Manche Formen erinnern an Brokkoli oder Blumenkohl, andere an die Windungen des menschlichen Gehirns. Fast surreal wirkt die intensive Farbenpracht des Riffbewuchses, die die Kölnerin Susanne Reinhardt mit allen Sinnen genießt.

Langsam lässt sich die 37-jährige Taucherin von der Strömung treiben. Auf dem Sandgrund döst müde ein Leopardenhai, mächtige Fischschwärme ziehen durchs Blau, und das Knabbern des Papageifisches an einer Hartkoralle ist auch noch aus mehreren Metern Entfernung zu hören. Am Richelieu Rock, dicht an der Grenze zu Burma gelegen und von Khao Lak aus nur auf einer mehrtägigen Tauchsafari über die Similan-Inseln zu erreichen, scheint die Unterwasserwelt noch in Ordnung zu sein.

Der Riffkomplex, aufgrund seiner purpurfarbenen Korallen nach dem ebenfalls Purpur tragenden Kardinal Richelieu benannt, explodiert förmlich vor Leben. Korallenbleiche, sinkende Fischvorkommen, trostlose Wasserwüsten? Doch nicht hier, wo die Unterwasserwelt noch aussieht, wie sie Werbeprospekte andernorts versprechen.

Dabei ist es um Thailands Image aktuell nicht zum Besten bestellt. Als Tauchreiseziel schon gar nicht. Schlagzeilen über Überschwemmungen sowie über Ausschreitungen zwischen den einzelnen politischen Lagern waren Gift für den Tourismus, hinzu kam, dass die thailändische Regierung einen Teil der berühmten Similan-Inseln für Taucher sperren ließ: Zu groß erschienen laut manchen Presseberichten die Schäden, die von schlecht tarierten Tauchern an den einst zu den weltweit besten Spots zählenden Riffen angerichtet wurden.

Zu viele Taucher sind schädlich - zu wenige auch

"Vollkommen übertrieben und nicht differenziert" fand Holger Schwab diese Meldungen. "Die Similans sind nicht kaputt, lediglich zwei einzelne Tauchplätze wurden gesperrt. Und auch dies hat nichts mit Tauchern zu tun, sondern ausschließlich mit der Korallenbleiche, die wir in dieser Region hatten." Solche Berichte sind schlecht fürs Geschäft von Schwab, denn ihm gehört Thailands größte deutschsprachige Tauchschule und jede Negativmeldung schlägt sich sofort auf die Buchungszahlen nieder. Manchmal, so sagt er, hätte er sich vor Wut die Haare ausreißen können - sicherheitshalber trägt der Mann Glatze.

Noch immer ist Khao Lak das Mekka des thailändischen Tauchtourismus. Das zu viele Taucher einem Riff nicht gut tun, steht bei Experten außer Frage. Zu wenige aber auch: Am Richelieu Rock, mehrere Bootsstunden entfernt, hört man manchmal einen Knall unter Wasser, es donnert wie bei einem weit entfernten Gewitter: Dynamitfischer aus dem nahe gelegenen Burma sind es, die in den fischreichen Gewässern willkürlich jagen.

Wo keine Touristen sind, gibt es auch keine finanziellen Interessen am Riffschutz und somit auch keine Kontrolle über illegale Fangmethoden. Und so ist der Richelieu Rock als Teil des "Surin National Marine Parks" ein Rückzugsgebiet für die größten Fische der Welt geworden, ein Puffer zwischen den Touristenmassen im Süden und den Dynamitfischern im Norden.

Gigant mit langem Bremsweg

Susanne Reinhardt taucht ein wenig vom Riff weg, hinaus ins Freiwasser, als sich etwas auf sie zuschiebt, was im ersten Moment an ein gepunktetes U-Boot erinnert. Langsam kommt es näher, wird immer größer, und erst kurz vor der Kollision hält es an: Walhaie, mit bis zu 14 Metern Länge und bis zu zwölf Tonnen Gewicht, sind unglaublich elegante Schwimmer - Meister des Bremsens sind sie nicht.

Ob beim Menschen oder beim Fisch die Überraschung größer ist, lässt sich schwerlich sagen: Sicherlich jedoch freut sich der Mensch stärker über das Auge-in-Auge-Erlebnis. Walhaie, die sich nur von im Wasser treibenden Plankton und kleinen Fischen ernähren, zählen zu den großen Sehnsuchtstieren einer jeden Taucherlaufbahn. Dass man hier von ihnen, bevorzugt in den Monaten zwischen Januar und April, fast über den Haufen geschwommen wird, erfüllt auch abgeklärte Taucher noch immer mit Glückshormonen.

Der Fisch dagegen tut die Begegnung mit fast buddhistischem Gleichmut ab. Ein kurzes Schütteln des Kopfes, ein Schwenk des massigen Körpers, und schon zieht er an der immer noch andächtig verharrenden 37-Jährigen vorbei.

Einen Manta sehen, kann jeder

Doch es gibt noch ein anderes Tier, welches in der Aufmerksamkeit der Taucher mit dem Walhai konkurrieren kann: der Manta. Die größte Rochenart mit bis zu sieben Meter Spannweite und knapp zwei Tonnen Gewicht ist der vielleicht eleganteste Gleiter im maritimen Tierreich. Ob Walhai oder Manta - eine Begegnung mit ihnen gehört zu den Königsdisziplinen am Richelieu Rock .

"Schade eigentlich", sagt Susanne Reinhardt. "Die meisten Taucher sind absolut Großfisch süchtig und verlieren dadurch oft den Blick für die kleinen Schönheiten, die es hier ebenfalls gibt." Schönheiten wie die fast unzähligen Nacktschnecken oder die Geisterfetzenfische, die mit ihrem zerfransten Äußeren wie Fabelwesen aus einer anderen Welt wirken, aber auch nur maximal 15 Zentimeter groß werden. Meist leben sie paarweise und schwimmen mit dem Kopf nach unten - was sie zusammen mit ihrer guten Tarnung für das ungeübte Auge nur schwer zu finden lässt.

"Einen Walhai oder Manta sehen", meint Reinhardt, "kann doch jeder. Mit den gut getarnten Winzlingen sieht das schon anders aus."

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