SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

31. März 2004, 13:34 Uhr

Thailand

Elefanteninsel für Enthusiasten

Früher lagerten Schmuggler, Piraten und Soldaten an den feinsandigen Stränden von Ko Chang. Heute gibt es auf Ko Chang neben Elektrizität, Internetcafés und Bungalows auch die ersten Vier-Sterne-Hotels sowie etliche Tauch- und Segelschulen. Abgeschiedene Strände sind hier dennoch keine Mangelware.

Ko Chang: Bei Thailand-Enthusiasten längst ein Begriff
GMS

Ko Chang: Bei Thailand-Enthusiasten längst ein Begriff

Trat - Vor gut 20 Jahren staunten die Insulaner über die ersten Gäste mit riesigen Säcken auf dem Rücken. Die "Farangs" genannten Urlauber freuten sich bald über schlichte Bambushütten mit Palmblattdächern am Wasser sowie kleine Gar- und Grillküchen, die Einheimischen über das neue Geschäft und die ersten Touristen-Bahts.

Seit sieben Jahren verkehren sogar Autofähren zur zweitgrößten Insel des Königreichs. 36 Kilometer lang und bis zu 15 Kilometer breit, liegt Ko Chang in Thailands Osten im Golf von Siam nicht weit von der Grenze zu Kambodscha. Die Golfküste östlich der Bade-, Shopping- und Vergnügungsmetropole Pattaya wird mehr und mehr für den Tourismus erschlossen. Davon künden Straßenbau, Raststätten, Beachbungalows und der unlängst eröffnete Flughafen in Trat. Die Hauptstadt der östlichsten Provinz ist auch Drehscheibe für Reisen nach Kambodscha, Ko Chang und auf die anderen Inseln vor der Ostküste Thailands.

Thailands Osten am Golf von Siam: Inseln wie Ko Chang oder Ko Kut liegen weitab der etablierten Touristenzentren, werden aber immer stärker touristisch erschlossen
GMS

Thailands Osten am Golf von Siam: Inseln wie Ko Chang oder Ko Kut liegen weitab der etablierten Touristenzentren, werden aber immer stärker touristisch erschlossen

Etwa fünf Stunden dauert die Busfahrt von Pattaya nach Trat. Viele Buchten und Strände in Trat sind menschenleer. Vielleicht liegt es daran, dass das Hinterland viele Attraktionen wie Nationalparks, historische Buddhatempel, Wasserfälle, Tropfsteinhöhlen zu bieten hat. Das alles ist eingebettet in die üppige Flora und Fauna des Dschungels. Der Blick gleitet auch über Reisfelder, Gummibaum- und Obstplantagen.

Fülle und Menschenleere

Manche Märkte sind in Trat wie vielerorts in Thailand bis in die Nachtstunden geöffnet. Um die Busbahnhöfe und Stationen der Sammeltaxis, die Touristen in Richtung Fährhafen bringen, ist ein kleines Touristenzentrum mit Gästehäusern und Restaurants entstanden. Von der Fährstation Laem Ngop, wo auch die schnellen, kleinen Direktbusse aus Bangkok und Pattaya eintreffen, sind die grünen Anhöhen von Ko Chang gut sichtbar.

Im Wasser kreuzen motorisierte Fischerboote neben solchen mit geflickten Segeln. Zwei Mönche in safranfarbenen Kutten klettern zusammen mit Touristen, Händlern und Kleinbauern an Bord. Der Kapitän bittet die dicht gedrängten Passagiere am Bug, die Sicht frei zu geben. Nach deutschen Verhältnissen ist das kleine Fährboot überfüllt. Das bergige Ko Chang kennt noch keinen Massentourismus wie Ko Samui und Phuket im Süden. Aber für Thailand-Enthusiasten und auf Südostasien spezialisierte Veranstalter ist das großteils von Regenwald bewachsene Eiland mit 50 kleineren Nachbarinseln ein Begriff. Ko Mak, Ko Wai, Ko Lao Ya und Ko Kut heißen einige der stilleren Nachbarn mit einsamen Stränden.

Elefanteninsel Ko Chang: Publikumsliebling "Charlee" ist das jüngste Tier im Elefantencamp
GMS

Elefanteninsel Ko Chang: Publikumsliebling "Charlee" ist das jüngste Tier im Elefantencamp

Ko Chang heißt Elefanteninsel. Tatsächlich gibt es auch einige Dickhäuter, aber nur in Gefangenschaft lebende. "Charlee", seine Eltern und Verwandten im Elefantencamp sind beliebte Fotomotive und können für Ausritte gebucht werden. Im Dschungel, wo auch etliche Wasserfälle schäumen, trifft man auf wilde, aber harmlose Affenhorden. Auch Rotwild, Schlangen und der exotische Frosch Rana Ko Chang sind hier heimisch. In der Regenzeit stürzen die Wasserfälle mit Gischt und Getöse in die Tiefe, im Frühjahr plätschern sie oft als müde Rinnsale. Das ist dem Ticketverkäufer des Parks etwas peinlich: "Today not much water, not much water", sagt er entschuldigend, denn auch die Hauptattraktion, der Than-Mayom-Wasserfall ist zu einem dünnen Bächlein geschrumpft.

Die attraktivsten Strände liegen an der Westküste der Insel. Dazu zählen Hat Sai Khao (Weißer Sandstrand), Hat Kai Mook (Perlen-Strand) und Hat Ta Nam (Einsamer Strand). Das Leben am Strand mit seinen immer noch relativ niedrigen Lebenshaltungskosten ist für viele Dauerurlauber und Aussteiger aus Europa und Australien verführerisch. Sie haben sich hier auf unbestimmte Zeit niedergelassen. Viele Monate im Jahr wohnt hier auch Ton Miserus auf wenigen Quadratmetern in einer Hütte aus Holz und Pflanzenfasern. Der 51-Jährige stammt ursprünglich aus dem niederländischen Breda und verdient seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf selbst geschnitzter Holzskulpturen. "Schwer zu sagen, warum es mir hier so gefällt", sagt er. "Es ist vielleicht einfach nur ein gutes Gefühl."

Reichlich Inseln zum Ausweichen

Ein paar Fußminuten den Strand herunter liegt das "Odet". Die skurrille Jazz- und Folkbar am Strand serviert exotische Gerichte für kleines Geld: Garnelen in Kokos-Sud sowie Süß-Sauer-Fisch mit Bambussprossen gibt es für je 150 Baht, keine 4 Euro. Nur wenige Schritte entfernt hat sich der Deutsche Horst Müller aus Coburg mit "Hati's Restaurant" etabliert. Neben Thailändischen Spezialitäten bietet er auch gute deutsche Hausmannskost an.

Leere Strände: Ko Chang kennt noch keinen Massentourismus wie Ko Samui und Phuket im Süden
GMS

Leere Strände: Ko Chang kennt noch keinen Massentourismus wie Ko Samui und Phuket im Süden

Am exotischsten ist das Ambiente wohl in Laem Bang Bao, dem "Fishing Village" im Inselsüden. Kleine Restaurants und Läden sind in Stelzenhäuschen untergebracht. Die Sterne funkeln, das Wasser plätschert unter den Planken. Lampions schaukeln hell schimmernd über den schlichten Bambustischen.

Auch wer tagsüber kommt, ist erst einmal hingerissen von dem Stelzendorf. Der viele Unrat im Wasser ist weniger schön. Umweltbewusstsein gibt es nicht. Und auch keine Urlaubsparadiese, die unberührt sind. Manchem Globetrotter wird es auf Ko Chang langsam zu dreckig und voll. "Ich muss mir bald eine neue Insel suchen", sagt Brian Miller aus Sydney, der das Eiland seit 15 Jahren kennt. Dann schaut er in Richtung Osten, schmunzelt und sagt: "Kein Problem. Es gibt ja genügend kleine Inseln zum Ausweichen." Ko Kut würde ihn reizen, meint er. Das sei fast so groß wie Ko Chang, aber weniger besiedelt.

Gegenüber der Bucht liegt der kambodschanische Grenzort Dong Tong. Das Visum ist an der Grenze für in der Regel 20 US-Dollar erhältlich. Von hier gibt es Verbindungen zu Lande und zu Wasser in die Küstenstadt Sihanoukville und in die Hauptstadt Phnom Penh. Viele Ausländer, die in Thailand als Langzeit-Touristen leben, reisen über Trat für eine Stunde nach Kambodscha aus. Bei der Wiedereinreise erhalten sie umgehend den begehrten, bis zu drei Monate gültigen Stempel in den Pass.

Von Bernd Kubisch, gms

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung