Thailand Luxusleben auf Backpacker-Pfaden

Auch wenn Thailand jedes Jahr riesige Touristenströme anzieht: Im Südosten des Landes haben Besucher oft ganze Strände, Museen oder Klöster für sich. Die Einsamkeit ist nicht teuer - viele gönnen sich hier dank niedriger Lebenskosten ungewohnten Luxus.


Chumphon - Rinder grasen zwischen Ananas und Palmen. Fischerboote tuckern auf grünblauem Wasser. Ein Buddhist verharrt an einem Gebetsschrein, um den sich die Schalen von Kokosnüssen meterhoch türmen: Urlauber auf der Suche nach ursprünglich gebliebenen Orten jenseits ausgetretener Pauschalpfade sind an der Südostküste des Golfs von Thailand gut aufgehoben. Der mehr als 1000 Kilometer lange Abschnitt zwischen Bangkok und Malaysia lockt mit unzähligen Buchten, Inseln und manch einsamen Strand.

Dicht an dicht schaukeln die Holzboote im Meeresarm vor Bang Pu. Die etwa 100 Boote ernähren die 200 Familien im Dorf. Netze werden repariert, Planken geschrubbt. Kühl-Lastwagen bringen den frischen Fang, vor allem Makrelen, in größere Orte - auch nach Hua Hin, 70 Kilometer nördlich gelegen. "Touristen, die bei uns eine Bootsfahrt machen, bringen ein Zubrot", sagt Kapitän Ueg. Wenn er lacht, wackelt sein Schnauzbart.

Nussschalen im Fischerdorf

Bang Pu liegt im Khao Sam Roy Yod Nationalpark, zu dem Wälder, Strände, bizarre Küstenformationen und Höhlen gehören. Die Menschen der Region leben von der Natur und ihrem Ideenreichtum. Sie sind Fischer, Miesmuschel-, Garnelen- und Krabbenfarmer, züchten Rinder, Ananas, Kokosnüsse. Um die kleine Fabrik nahe des Parkeingangs türmen sich die Schalen tausender großer Nüsse. Die Schalen-Hügel reichen bis an den Rand eines buddhistischen Gebetsschreins. Die Fabrik produziert Behälter für Orchideen und Füllungen für Matratzen.

Die Strände Thailands scheinen mancherorts endlos zu sein. Am Golf von Thailand zwischen Hua Hin und Chumphon kann ein Urlauber lange am Wasser laufen, bevor er ein Dorf oder gar einen anderen Touristen sieht. Weiter südlich bei Surat Thani, Nakhon Si Thammarath und Songkhla haben Besucher ebenfalls viel Platz. Die Infrastruktur für Reisende ist überall gut: Ein schöner Strand, ein sauberes Zimmer, preiswerte Busse, Bahnen, Fähren und Restaurants, dazu exotische Märkte und freundliche Menschen.

Zur Vorsicht rät das Auswärtige Amt im Südzipfel nahe der Grenze mit Malaysia: Die Region wird seit langem durch Separatistenunruhen erschüttert. Zum tiefen Süden Thailands gehören die drei Provinzen Narathiwat, Pattani und Yala. Dort sind etwa 80 Prozent der Bevölkerung Muslime. Insgesamt sind mehr als 90 Prozent der Thailänder Buddhisten.

Auf der schmalen Küstenstraße südlich von Hua Hin machen es sich gerade einige graue Rinder im Schatten tropischer Nadelbäume bequem. Ein Restaurant am Meer lockt mit kleinen Palmen, Bougainvillea in Purpur und Holztischen im Sand. Der gegrillte Tintenfisch mundet für umgerechnet knapp 3 Euro. Es ist ruhig hier. Die nächsten Gästehäuser sind 15 Kilometer entfernt. "Die Region hat Zukunft", sagt Reiseführer Veerasak Cham. "Der Tourismus soll sich behutsam entwickeln und den Menschen auf dem Lande Arbeit bringen."

Luxus pur für 130 Euro

Hua Hin ist der älteste Badeort Thailands und königliche Residenz. Der historische Bahnhof zählt zu den Prunkstücken. "Familien und Gutverdienende verdrängen die Weltenbummler", sagt Remko Kroesen, Generaldirektor des Luxushotels "Sofitel Central". Zimmer und Suiten mit Preisen von 130 und 300 Euro "sind zu 85 Prozent ausgelastet". Auch Nachbar "Hilton", ein großer Betonklotz am Meer, und das schlichte "Sirima Guesthouse" um die Ecke mit Zimmern ab 15 Euro sind gut gebucht.

Zwischen Hua Hin und Chumphon wird es eng. Die Berge im Westen gehören zu Myanmar. Die Grenze des früheren Burma rückt näher, lässt Thailand nur noch einen Küstenstreifen, bevor das Land wieder weiter wird und im Westen auch die Andanamenküste mit Ranong und Phuket vereinnahmt. Hier sind Strände und Tauchgründe besonders attraktiv.

Aber der Osten hat die Bahn mit gemütlichem Reisen zu günstigsten Preisen. Der Vier-Stunden-Trip im Bummelzug von Bangkok über Cha Am, wo die Hauptstädter am Wochenende baden, nach Hua Hin kostet umgerechnet etwa einen Euro.

Chumphon ist eine wichtige Drehscheibe für Rucksackreisende. Drei Bus- und Bootsstunden sind es von Chumphon zur Insel Ko Tao, Hochburg für schnorchelnde und tauchende Individual-Touristen. Gute Bungalows mit Bad und Fernseher gibt es ab hier ab 22 Euro. Unter einer Kokosnusspalme sitzt ein junges Paar, die Rucksäcke im Sand, eine Landkarte in der Hand. Zu anderen Inseln, auch Ko Samui, ist es nicht weit.

Wer von Chumphon weiter in den Süden nach Surat Thani fährt, kann auch viele einsame Tempel im Wald und an der Küste besuchen. Es gibt kaum Touristen. Mönche haben viel Zeit für Führungen und sind sehr gastfreundlich, auch in der Tempelanlage mit Nationalmuseum in Chaiya, wo in diesen Nachmittagsstunden nur drei Besucher verweilen - kein Vergleich zum Urlauber-Andrang in den typischen Touristenorten.

Bernd Kubisch, gms



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