"The Quay" in Phnom Penh Grünes Hotel in Weiß

Weiß in Weiß - aber im Herzen grün: Das neue Boutique-Hotel "The Quay" in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh legt Wert auf seine CO2-Neutralität. Das Konzept einer Umweltorganisation erregt das Interesse von Hoteliers in ganz Südostasien.

Von Michael Lenz


Weiße Arne-Jacobsen-Schwanenstühle dominieren das ganz in Weiß gehaltene Bar-Restaurant "Chow". Weiß ist auch der fünf Stockwerke hohe Lichtschacht über der Rezeption am Ende des Restaurants. Viel weiße Farbe kam auch in den im ultramodernen Siebziger-Jahre-Retrolook gehaltenen 16 Zimmern mit seidenen Bettüberwürfen und Flachbildfernseher an der Wand zum Einsatz.

Das im Juni mit einer coolen Party (Dresscode war natürlich Weiß) eingeweihte supermoderne Hotel heißt "The Quay" und ist das neueste Boutique-Hotel in Phnom Penh, aus Sicht der Besitzer sogar das einzige. Mit Zimmerpreisen von bis zu 140 Dollar pro Nacht ist es in der kambodschanischen Hauptstadt aber mit Sicherheit das teuerste seiner Klasse.

Zeitgenössischer urbaner Flair zieht also langsam auch in Kambodschas Metropole ein. Er bildet eine spannende Ergänzung zum französischen Kolonialstil und den Sechziger-Jahre-Bauten des kambodschanischen Stararchitekten Vann Molyvann, der sein Handwerk bei dem Bauhauarchitekten Le Corbusier in Paris gelernt hat. Krieg, Rote Khmer und Bürgerkrieg hatten für mehr als 30 Jahre Kunst und Kultur, Architektur und Design in Phnom Penh, das einst als "Perle Indochinas" galt, zum Stillstand gebracht.

Jetzt aber hat Kambodscha wieder Anschluss an die Welt gefunden und das Königreich zwischen Thailand, Laos und Vietnam ist dabei, der Tourismusschlager Südostasiens zu werden. Unter der jungen, coolen, urbanen, besserverdienenden iPod- und MTV-Generation aus Singapur, Bangkok oder Hongkong ist es 'in', nach dem Besuch der Tempel in Angkor zum Partyfeiern nach Phnom Penh zu reisen. "Das ist unsere Zielgruppe, und für die müssen wir urbanes Design bieten", sagt Anthony Alderson, Direktor der "Indochina Assets Limited"-Restaurant- und Hotelgruppe.

"Kohlenstofffreundlicher Luxus"

Das Quay Hotel an Phnom Penhs quirliger Flanier- und Amüsiermeile Sisowath Quay am Zusammenfluss von Tonle Sap und Mekong hat außer Stil und moderner asiatischer Fusioncuisine etwas zu bieten, was es in Kambodscha vollkommen einmalig, in Südostasien mit ziemlicher Sicherheit einzigartig und weltweit höchstwahrscheinlich zu einem von sehr wenigen macht: Es ist CO2-neutral und verspricht auf seiner Website "kohlenstofffreundlichen Luxus".

Was nicht heißt, dass "The Quay" das Gas, das ein Hauptverantwortlicher für die globale Erwärmung ist, gar nicht mehr ausstößt. Aber durch Maßnahmen wie den effizienteren Einsatz von Energie zum Beispiel oder auch Recycling von Verbrauchsrohstoffen wie Wasser wird der CO2-Ausstoß immerhin reduziert. "Den Rest neutralisieren wir durch den Kauf von CO2-Offset-Krediten", erklärt der 43-jährige Engländer.

Die "Indochina Assets Limited"- Gruppe ist mit wissenschaftlicher Präzision an das CO2-Problem herangegangen, bevor sie ein altes Haus am Sisowath Quay zum Quay-Hotel umgebaute. 18 Monate lang hat die kambodschanische Filiale der französischen Umwelt- und Klimaorganisation Geres im Auftrag des Unternehmens eine Inventur der potentiellen CO2-Emissions-Verursacher des Hotels und der anderen Unternehmen der Gruppe - wie Phnom Penhs bekannteste Kneipe "Foreign Correspondents Club" (FCC) - aufgenommen.

Herausgekommen ist ein ganzheitliches Konzept für ein klimafreundliches Hotel. "Das hat vor uns noch niemand gemacht", sagt Geres-Klimaexpertin Kimberley Buss. "Wir mussten mit der Recherche und der Forschung ganz von der Basis anfangen. Ein kompaktes Umwelt-Rating-System für Hotels und Restaurants, das auch CO2 einschließt, gab es bisher nicht."

Caffè-Latte-Generation am Mekong

"Indochina Assets Limited" ist seit den Tagen der Uno-Friedenstruppen Anfang der neunziger Jahre ein gastronomischer Pionier in Phnom Penh. Der 1993 eröffnete FCC im ersten Stock eines französischen Kolonialhauses mit seiner grandiosen Aussicht auf den Fluss Tonle Sap und den Mekong war die Kneipe für Uno-Mitarbeiter und Entwicklungshelfer. Als die Zeiten in Kambodscha ruhiger und friedlicher wurden und die Caffè-Latte-Generation am Mekong auftauchte, bedienten Alderson und seine Geschäftspartner deren Geschmacks- und Stilempfinden mit dem Cafe Fresco.

Im vergangenen Jahr beglückte das Unternehmen Phnom Penh mit der ersten spanischen Tapas-Bar. "Wir besetzen Nischen", sagt Alderson, der 1992 von Hongkong nach Kambodscha gekommen war, um in Phnom Penh die erste Pizzeria des Landes zu eröffnen. "Heute gibt mehr als genug Pizza-Restaurants hier. So mancher der Besitzer ist ein ehemaliger Angestellter von mir."

Bewertet wurde bei der CO2-Inventur alles und jeder. Das reichte von den Glühbirnen bis zum CO2-Footprint der Angestellten auf dem Weg zu und von der Arbeit. Herausgekommen ist ein - noch nicht ganz fertiges - Umwelt- und CO2-Ratingsystem für The Quay, das aber auch als allgemeine Basis für die Kategorisierung der Umwelt- und Klimafreundlichkeit von Hotels dienen kann.

"Das könnte 'Green Leaf' heißen", sagt Buss. "Das 'Grüne Blatt' könnten ein Indikator für die Umweltfreundlichkeit wie die Sterne für die Qualität eines Hotels werden." Aber es wird noch dauern, bis ein solches grünes Ratingsystem eingeführt wird. "Wir brauchen dazu einen Partner, der über Erfahrung im Hotelrating verfügt", sagt Buss und fügt mit Betonung hinzu: "So ein System muss ja glaubwürdig sein."

Anfragen aus ganz Südostasien

Praktischerweise kann Geres mit dem "Neuen Laos-Ofen" gleich ein Projekt für den CO2-Ablasshandel bieten. Der "New Lao Stove" (NLS) ist eine energie- und brennstoffsparende Weiterentwicklung des traditionellen, tönernen Laos-Ofens, auf dem die kambodschanische Hausfrau kocht. "Hier in Kambodscha entstehen 98 Prozent der CO2-Emissionen durch Kochen auf offenem Feuer", weiß Alderson. Ein von Geres entwickelter NLS sieht aus wie ein dickwandiger Eimer aus Ton. Unten kommt die Holzkohle rein. Der Wok sitzt oben auf den drei Noppen auf dem Rand des Ofens.

Auf den ersten Blick ist der NLS kaum vom herkömmlichen Modell zu unterscheiden. Aber er verbraucht ein Viertel weniger Holzkohle, und durch eine effektivere Nutzung der Hitze wird die Kochzeit kürzer. Mit einer Lebenszeit von etwa vier Jahren hält er mehr als doppelt so lange. Das schont das Klima, nutzt dem kambodschanischen Waldbestand und hilft den Familien Geld zu sparen.

Das CO2-Rating von Geres für The Quay hat sich schon herumgesprochen. Sowohl die britische als auch die dänische Botschaft in Phnom Penh sind dabei, mit der Hilfe von Geres CO2-neutral zu werden. Weitere Interessenten stehen vor der Tür von Geres Kambodscha Schlange. "Die australische Botschaft hat Interesse signalisiert, und wir haben Anfragen von Hotels aus ganz Südostasien, darunter richtig große", sagt Buss.

Für das "The Quay" ist seine CO2-Neutralität ein großartiges Marketinginstrument, zumindest so lange, wie es mit seiner "ökologischen Eleganz" so ziemlich alleine auf weiter grüner Flur dasteht. Alderson strahlt: "Unseren Gästen gibt das einfach ein gutes Gefühl. Sie brauchen sich um nichts zu kümmern und reduzieren trotzdem ihren CO2-Footprint."



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