Tornado-Safari in den USA Jagd nach dem Twister

Jahr für Jahr schlagen Tornados eine Schneise der Zerstörung durch den Mittleren Westen der USA und bringen Menschen um Haus und Hof. Trotz dieses Schreckens finden sie immer mehr Menschen so faszinierend, dass sie im Urlaub auf Tornadojagd gehen.


Tornado in den USA: Fahrt von Hunderte von Kilometern, um einen Sturm zu sehen
AP

Tornado in den USA: Fahrt von Hunderte von Kilometern, um einen Sturm zu sehen

Kansas City/USA - Aus der organisierten Tornadojagd ist mittlerweile ein richtiger Geschäftszweig geworden. Boten Anfang der neunziger Jahre lediglich zwei Unternehmen in den USA Tornado-Touren an, stieg die Zahl nach dem Film "Twister" deutlich an. Mittlerweile organisieren in den USA mindestens zwölf Unternehmen Touren, bei denen Touristen einen Blick auf das faszinierende Wetterphänomen erhaschen sollen, erzählt Fred Carr vom Fachbereich Meteorologie an der Universität Oklahoma. Und es werden ständig mehr.

Eine Wirbelsturm-Safari ist allerdings nicht ganz billig - und auch nicht unbedingt bequem: Eine Woche Tornado-Suche - eingeklemmt in einem engen Van - schlägt mit mindestens 1500 Dollar (umgerechnet 1200 Euro) zu Buche. Doch wirkliche Tornado-Fans scheuen weder Anstrengungen noch Kosten, schließlich soll der Blick auf einen Tornado alle Mühen vergessen machen.

Weg eines Tornados durch Oklahoma (Mai 1999): "Die Touren sind sehr, sehr sicher"
REUTERS

Weg eines Tornados durch Oklahoma (Mai 1999): "Die Touren sind sehr, sehr sicher"

"Das Beste ist die ganze Erfahrung, der Spaß und die Aufregung, wenn man einen wirklich großen Tornado vor die Linse bekommt", erklärt der 27-jährige David Waters, der selbst schon mehrfach auf Tornado-Jagd war, die Faszination der Touren. "Mir macht es nichts aus, jeden Tag Hunderte von Kilometern zu fahren, um einen Sturm zu sehen."

Und auch die Führer der Touren sind in der Regel mit Herz und Seele dabei. "Für die meisten ist die Tornado-Jagd ein Nebenjob", erzählt Martin Lisius, der im texanischen Arlington Tornado-Safaris organisiert. Ihren Lebensunterhalt bestritten die meisten Tourführer mit deutlich einträglicheren Berufen. Die Tornado-Jagd sei für sie der "Spaß-Job".

Die Leute scheinen irgendwie den Verstand zu verlieren

Die Garantie, einen Tornado auch wirklich zu Gesicht zu bekommen, gibt es allerdings nicht. Schließlich müssen die Reisenden schon Monate vorher eine Vorauszahlung auf die Safari leisten - und darauf hoffen, dass in der Reisewoche dann auch wirklich große Stürme auftreten.

Zerstörung in Utica im US-Bundesstaat Illinois nach einem Tornado (April 2004): Schrecken für die einen, Faszination für die anderen
AP

Zerstörung in Utica im US-Bundesstaat Illinois nach einem Tornado (April 2004): Schrecken für die einen, Faszination für die anderen

Während Kritiker den Tornado-Jägern mit Unverständnis begegnen, hält der Fotojournalist und Sturmjäger Warren Faidley die organisierten Touren für durchaus sinnvoll. "Ich ziehe ganz klar zwölf unerfahrene Leute in einem Van, die von einem Experten begleitet werden, zwölf Leuten in Einzel-Pkws vor", sagt Faidley, der vom Verkauf von Tornado-Fotos und Filmmaterial lebt. "Unter diesem Gesichtspunkt sind Gruppentouren eine gute Sache." Auf seiner Suche nach den Wirbelstürmen sei er häufig auf organisierte Touren gestoßen - "und sie sind sehr, sehr sicher", ist Faidley überzeugt.

"Manchmal, wenn ein Tornado über den Boden rauscht, scheinen die Leute irgendwie den Verstand zu verlieren - besonders wenn sie bislang noch keinen gesehen haben", sagt Faidley. "Aber wer sich in einem Tornado willentlich umbringen will, dürfte sich schwer tun."

Grundsätzlich sollten Autofahrer, wenn sie einem Tornado begegnen, die Straße schnellstens verlassen und sich in Sicherheit bringen, rät John Eichkorn von der Highway Patrol in Kansas. Würden alle Leute diesen Rat befolgen, sagt er, "würde es nicht so viel Tragödien geben".

Von Bill Draper, AP



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