Tourismus in Bangkok "Keinen Tropfen Hochwasser gesehen"

Militärputsch, Demonstrationen und jetzt das Hochwasser: Thailands Tourismus muss mit einer Krise nach der anderen fertig werden. Doch die Branche erholt sich stets erstaunlich schnell und meldet sogar Wachstumsrekorde. Nur in Bangkok wird diesmal die Hochsaison ausfallen.

Katastrophenbild vom Oktober: Auch der Königspalast stand zeitweise unter Wasser
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Katastrophenbild vom Oktober: Auch der Königspalast stand zeitweise unter Wasser


Bangkok - Die Tuk-Tuk-Fahrer vor dem Holiday Inn in der - immer noch trockenen - Innenstadt von Bangkok drehen Däumchen und versuchen, Passanten zu einer Fahrt in ihren bunt bemalten Motorrikschas zu bewegen. Eine Fuhre ist schwer zu kriegen, seit die täglich weiter vordringende Überschwemmung die Touristen vergrault hat.

Doch Flauten wie diese sind nichts Neues für den thailändischen Tourismus. Jede Misere wird begleitet von Unkenrufen, das Image des Königreichs und seine Anziehungskraft könnten irreparabel beschädigt sein. Doch jedes Mal geht es wieder aufwärts, und Städte und Strände wimmeln bald wieder von Gästen. Von "Thailands Teflon-Touristikbranche" spricht Imtiaz Muqbil, Chefredakteur des Asienreisen-Newsletters Travel Impact Newswire.

Mit sechs Prozent der Wirtschaftsleistung und über zwei Millionen Beschäftigten ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In den vergangenen Jahren jagte eine Krise die nächste: SARS, Tsunami, ein Militärputsch, die Besetzung beider Hauptstadtflughäfen durch Demonstranten, blutige Straßenschlachten. Bei der jüngsten Welle der Gewalt im Frühjahr vorigen Jahres wurden fast hundert Menschen getötet und etliche bekannte Gebäude in Bangkok in Brand gesteckt - und doch verzeichnete Thailand 2010 die Rekordzahl von 16 Millionen Reisenden. Das zeigt, wie schnell sich der Tourismus selbst von weltweit verbreiteten Chaosbildern erholen kann.

30 Prozent mehr Fluggäste auf Phuket

Der Monsun bescherte dem Land seit Juli das schwerste Hochwasser seit einem halben Jahrhundert, das bislang mehr als 500 Menschen das Leben kostete. In Bangkok klagt alles vom Straßenhändler über Restaurantbesitzer bis zu Hoteliers über das schlechte Geschäft. "Jetzt ist Hochsaison und eine Menge Touristen sind einfach verschwunden", stellt der Tuk-Tuk-Fahrer Thongdee Thongrin fest. Seit Gebiete in nördlichen und westlichen Stadtteilen unter Wasser stehen, hat er nur noch halb so viel zu tun.

Doch alles in allem scheint sich Thailand auch mit der jüngsten Misere zu arrangieren: Die Touristen kommen immer noch, nur lassen sie Bangkok aus und steuern gleich die Badeorte wie Phuket, Pattaya oder Chiang Mai an, die von der Flut verschont blieben. "Der öffentliche und der private Sektor haben im Lauf der Jahre so viele Krisen erlebt, dass sie richtig gut damit umgehen und ihre Reaktionen bis aufs i-Tüpfelchen vorbereitet haben", erklärt Muqbil. "Auf Pfadfinderart gesagt: Sie sind allzeit bereit."

Die Fluggastzahlen auf dem internationalen Flughafen Suvarnabhumi in Bangkok lagen nach Angaben der Tourismusbehörde im Oktober um 6,7 Prozent über dem Vorjahreswert. In Phuket landeten im gleichen Zeitraum 28,5 Prozent mehr Gäste. Die meisten internationalen Fluggesellschaften bedienen Bangkok immer noch ganz normal. Einheimische Airlines verstärkten ihre Flüge in trocken gebliebene Landesteile wegen der großen Nachfrage.

"Keinen Tropfen Hochwasser gesehen"

Das Hochwasser werde offensichtlich Auswirkung auf den Tourismus haben, doch die Branche werde sich schnell, vielleicht schon binnen Monatsfrist erholt haben, schätzt Martin Craigs von der Pacific Asia Travel Association. "Die Widerstandskraft liegt dem thailändischen Tourismus in den Genen", meint er.

Craig und andere Fachleute weisen darauf hin, dass die weltweit verbreiteten "Katastrophenfilm-Bilder" die Wirklichkeit nicht getreu wiedergäben. Fotos von Flugzeugen, die auf dem Inlandsflughafen Don Muang im Wasser stehen, erweckten den Eindruck, als ob beide Flughäfen Bangkoks geschlossen seien. "Offen gesagt, ist das wie mit dem Spruch: Blut verkauft sich gut. In diesem Fall: Flut verkauft sich gut."

Die Tourismusbehörde arbeite hart daran, bekannt zu machen, dass Thailand immer noch im Geschäft sei, sagt ihr Leiter Surapphon Svetasreni. Er hofft, dass die Zahl internationaler Besucher nur um zwei Prozent zurückgeht. Genaue Zahlen gibt es zwar noch nicht, aber die Flutkatastrophe hat die Zahl der Buchungen in Bangkok nach Angaben des Hotelverbands durchaus beeinträchtigt.

Julian Tulyanond, Besitzer des Old Bangkok Inn und des demnächst eröffnenden Hotels Bangkok Tree House, kann das bestätigen. "Vielleicht 80 Prozent unserer Gäste haben abgesagt", sagt er. "Obwohl keines unserer Häuser auch nur einen Tropfen Hochwasser gesehen hat."

Chris Blake, dapd



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