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09. April 2003, 12:04 Uhr

Trekking am Mount Everest

Der traurige Millionär Sonam Sherpa

Mit Trekkingtouren und Expeditionen auch am Mount Everest setzt Sonam Sherpa zwei Millionen Dollar jährlich um. Sein Weg vom einfachen Träger hin zum wohlhabenden Unternehmer erscheint wie eine Bilderbuchkarriere. Doch am Schicksalsberg starb auch seine Frau, Pasang Lhamu, heute verehrt als Nationalheldin Nepals.

Vom Träger zum Unternehmer: Sonam Sherpa besitzt eine Trekking-Agentur und eine Fluglinie
Oliver Häußler

Vom Träger zum Unternehmer: Sonam Sherpa besitzt eine Trekking-Agentur und eine Fluglinie

Sonam Sherpa wirkt müde. Das Gespräch mit den drei deutschen Everestaspiranten strengt ihn an. Nicht wegen der Forderungen und Ansprüche der Bergsteiger. Diese kennt er nur zu gut. Die Müdigkeit in den Augen des 42-jährigen Sonam Sherpas sitzt tiefer. Nur wenige Sätze folgt er den Verhandlungen, die sein Assistent Anjan Rai mit der Vorhut der deutsch-schweizerischen Jubiläumsexpedition führt. Die Anzahl der Zelte für Camp II, Extrakosten für die Müllentsorgung und das Permit für die Walkie-Talkies, all diese Gespräche hat der Geschäftsmann hundertfach geführt.

Sonam Sherpa wuchs in der Nähe des Mount Everest auf, im Khumbu-Gebiet in dem kleinen Dorf Pangom bei Lukla. Nach Lukla fliegen täglich bis zu 40 Propellerflugzeuge und entlassen Hunderte von Bergsteigern und Wanderern auf den Everest-Basecamp-Trek. Nach der Schule hat der Älteste von fünf Geschwistern im Alter von 17 Jahren seine Trägerkarriere begonnen - wie viele vom Volksstamm der Sherpa vor und nach ihm. "I was a freelance guide", sagt Sonam. Nach ihrem Selbstverständnis sind die Sherpa immer "Führer", auch wenn sie nur das Gepäck der Touristen durch ihre Heimat tragen. Durch Empfehlungen seines Freundes, des französischen Bergführers Louis Audoubert, konnte Sonam Sherpa hin und wieder eigene Gruppen führen und musste nicht bei Trekkingagenturen anheuern.

Lager von Thamserku-Trekking: 1000 Kunden könne auf einmal ausgerüstet werden
Oliver Häußler

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"Ich liebe es, mit den Menschen in die Berge zu gehen", sagt Sonam Sherpa. Mit aufgestützten Ellenbogen sitzt hinter seinem wuchtigen Schreibtisch in Katmandu. Ein leichter Bauchansatz spannt das dunkelblaue Hemd, die Arbeitsuniform des Managements von Thamserku Trekking . Neben ihm stehen aufgereiht acht Auszeichnungen, die er vom nepalesischen Staat für sein erfolgreiches Unternehmen erhalten hatte. "Wir sind die Nummer eins in Nepal", behauptet Sonam. Thamserku ist nicht die einzige Trekkingagentur, die das von sich behauptet. Der Sherpa blickt an die Decke, als versuche er sich in Erinnerung zu rufen, wie es damals war, als er noch nicht die stickige Luft Katmandus einatmen musste. Wie es war, als er Gäste durch die weiten Täler des Himalaja-Gebirges führte. "1988 habe ich Thamserku gegründet hatte." Sein Unternehmen hatte er nach dem Berg Thamserku benannt, den er im Jahr davor bestiegen hatte.

Seit 15 Jahren sitzt Sonam nun fest in der Hauptstadt Nepals, die jedes Jahr mehr und mehr im Smog erstickt. Seit 15 Jahren vermittelt er vom Schreibtisch aus den Gästen die Schönheit des Himalaja. Wenn der Unternehmer aus dem Millionenstadt rauskommt, dann um nur "Business" zu machen wie etwa kürzlich auf der Tourismusbörse in Berlin. Die Khumbu-Region sieht der Sherpa selten. Zwar fliegen täglich die Maschinen seiner eigenen Fluglinie Yeti-Airlines in seine Heimat. Von dort wäre es eine kurze Wegstrecke zu dem Haus seiner Mutter. Doch er hat "no time". "Einmal im Jahr gehe ich nach Hause", sagt der viel beschäftigte Mann.

Gelegentlich holt er seine Mutter auch nach Katmandu. In den Moloch ziehen will seine Mutter auf keinen Fall: zu laut, zu dreckig und zu viele Menschen. Zwölf Stunden arbeitete Sonam Sherpa jeden Tag, sieben Tage in der Woche. Auch seine Familie in Katmandu sieht er selten. Nur im Dezember und Januar läuft das Geschäft etwas ruhiger. "Aber dann ist es zu kalt für die Berge." Vor zwei Jahren ist der nach Südamerika geflogen, um dort den Aconcagua, den höchsten Berg des Kontinents zu besteigen. "Manchmal habe ich genug vom Geschäft", sagt Sonam Sherpa. Aber Aufhören will er nicht: "Vielleicht in vier oder vier Jahren werde ich darüber nachdenken."

Palastartiger Firmensitz in Katmandu: Bei Thamserku-Trekking sind 100 Nepalis angestellt
Oliver Häußler

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Heute ist Sonam Sherpas Unternehmen in Deutschland und Frankreich ein beliebter Geschäftspartner. Hauser Exkursionen und Amical Alpin, große Anbieter von Trekkingreisen und Expeditionen, arbeiten mit Thamserku Trekking zusammen. Tausend Kunden könnte die Agentur auf einen Schlag ausrüsten. "Wir betreuen 5000 Trekker und mehr als 400 Bergsteiger pro Jahr", sagt Sonam Sherpa. In den vergangenen zwei Jahren sind es durch politische Unruhen im Land etwas weniger geworden. Trotzdem läuft das Geschäft so gut, dass er seine beiden ältesten Kinder zum Wirtschaftsstudium auf das Manchester College in Indiana schicken kann. Ob sie je wieder aus den USA zurückkehren, weiß er nicht. 275 Angestellte arbeiten für Yeti-Airlines, die sein Bruder leitet. Mehr als hundert Nepalis hat er fest in seinem Trekking-Unternehmen angestellt: Köche, Führer und Sherpa für die Expeditionen. Dazu kommen Tausende Träger, die Thamserku bei Bedarf anheuert.

Ob Sonam Sherpa abwesend dreinschaut, weil es bei den Verhandlungen mit den deutschen Bergsteigern um den Mount Everest dreht, verrät er nicht. Der Chomolungma, wie das Volk der Sherpa den Everest nennen, ist sein persönlicher Schicksalsberg. Fünfmal hatte er versucht, den Berg zu besteigen. Fünfmal scheiterte er. Jedes Mal musste er vor dem Südsattel umdrehen. Seinen eigenen Misserfolg an dem Prestigeberg bedrückt ihn nicht, vielmehr der Verlust seiner Frau Pasang Lhamu Sherpa. Mit leiser Stimme erzählt Sonam Sherpa, wie vor zehn Jahren Pasang Lhamu mit seiner Hilfe eine eigene Frauen-Expedition auf die Beine stellte. Beim vierten Anlauf wollte seine Frau endlich den Everest bezwingen.

Alles eine Sache der Logistik: Das Trekking zum Mount Everest muss gut vorbereitet werden
Oliver Häußler

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Am 22. April 1993 stand Pasang Lhamu als die erste Sherpani und Nepalesin auf dem höchsten Gipfel der Welt. Die Frau Sonams konnte ihren Triumph nicht feiern. Sie starb auf dem Weg ins Basislager an Erschöpfung. Heute wird Pasang Lhama als Nationalheldin verehrt. Sie erhielt postum den "Nepal Tara", die höchste Auszeichnung des Landes verliehen. Die Stadt Katmandu errichtete ein lebensgroße Statue nach Pasangs Abbild. Ihr Porträt ziert eine Briefmarke, ein 7352 Meter hoher Gipfel und die Fernstraße nach Langtang tragen ihren Namen.

Von Oliver Häußler, Katmandu

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